Akropolis, Athen

16. Oktober 2011
Der Parthenon-Tempel auf der Akropolis

Immer noch sind wir in Griechenland, diesmal am Festland. MS Astor läuft in den größten und wichtigsten Hafen des Landes ein. Piräus ist der Hafen für Athen. Man nennt ihn auch das Tor zu Athen. Wir sehen alleine sechs Fähren, die im Hafenbecken liegen – täglich gehen hier Fähren zu den griechischen Inseln, etwa Kreta und Rhodos. Mit uns im Hafen liegen mehrere Kreuzfahrtschiffe, beispielsweise die kleine Calypso und die riesige MSC Magnifica. Der Hafen ist mit einem eigenen großen Terminal auf regelmäßigen Kreuzfahrtverkehr eingerichtet. Dazu kommt noch der Rege Cargo-Verkehr. Der Hafen wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. unter Perikles gegründet. Heute ist er einer der wichtigsten Häfen im Mittelmeer. Piräus (Peireas) selbst ist schon eine Großstadt mit 500.000 Einwohnern mit einer eigenen Verwaltung, einem eigenen Bürgermeister und lokalpatriotischen Einwohnern, die Stadt geht jedoch nahtlos in die griechische Hauptstadt über und wird auch bei Bevölkerungsangaben zu Athen häufig dazugezählt.

Ein offener Sightseeing-Bus startet seine Rundfahrt in die Stadt und eine kleine Bimmelbahn fährt die Touristen durch Piräus. Zur Metro muss man ein paar hundert Meter laufen, also wollen wir mit dem Taxi ins Zentrum von Athen fahren. Von den gelben Rennern gibt es übrigens 17.000 Stück in ganz Athen. Direkt am Terminalausgang verlangt der erste Taxifahrer für einen Weg 90 Euro. Das ist uns etwas zu viel. Der letzte Fahrer verlangt für dieselbe Strecke 25 Euro, für vier Personen. Wir handeln ihn um fünf Euro hinunter. Sein Toyota-Taxi ist im guten Zustand, hat aber schon 1,5 Millionen Kilometer weg – sagt der Fahrer zumindest, denn der Tachometer ist bei 500.000 stehen geblieben. Aber diese Kilometerzahlen sind hier wohl normal, später sehen wir noch ein Skoda-Taxi mit über 500.000 Kilometern auf dem Buckel. Aber heruntergekommen sind die Fahrzeuge keineswegs. So geht es für uns zunächst durch die Betonblöcke von Piräus und anschließend der Athen. Seit 1834 ist Athen die Hauptstadt Griechenlands. Damals zählte Athen 10.000 Einwohner, heute sind es etwa 4,7 Millionen. Dementsprechend eng bebaut ist das Ballungsgebiet. Helle Betonklötze reihen sich aneinander, nur unterbrochen von stark befahrenen Straßen, niemals von Grünflächen.

Blick auf Athen von der Akropolis aus

Blick auf Athen von der Akropolis aus

Dann erreichen wir den Fuß der Akropolis. Für 12 Euro Eintritt (pro Person!) dürfen wir dieses Meisterwerk antiker Baukunst besichtigen. Lediglich Senioren über 65 und Studenten (aber nur mit Ausweis) zahlen sechs Euro. Dabei steckt schon ein wenig Geld von jedem von uns in der Akropolis, neben dem griechischen Staat ist die Europäische Union ein großer Finanziere der Restaurierungsarbeiten. Die ursprünglichen Arbeiten an der Akropolis, was soviel bedeutet wie hohe Stadt, begannen zu Athens Blütezeit 437 v. Chr. Die Akropolis war das Zentrum des antiken Athen. Heute sehen wir nur noch die ruinösen Reste der monumentalen Bauten, doch selbst diese sind spektakulär. Beim Aufstieg sehen wir hinunter in das Odeon des Herodes Atticus, ein beeindruckende Arena. Diese offenen Theater-Gebäude glänzen im weißen Marmor und haben auch heute noch eine beeindruckend Akustik, weil von der Bühne aus ein Trichter nach oben entlang der Ränge geht. Durch die mächtige Eingangshalle der Akropolis betreten wir nach dem kurzen Aufstieg das höchste Plateau. Zahlreiche Schulklassen und Ausflugsgruppen bevölkern das Areal. Sie sehen genauso wie wir den einzigartigen Parthenon. Mit seinen 69 Metern Länge und 31 Metern Breite ist der das bekannteste Postkartenmotiv. 46 äußere Säulen bestimmen heute sein Erscheinungsbild, doch der Großteil des Gebäudes ist eingestürzt. Ursprünglich war er mit Friesen und Reliefs verziert, davon ist heute nichts zu erkennen. 1687 zerstörten venezianische Truppen das Bauwerk massiv, dabei stürzte auch das Dach ein. Schließlich landeten später noch Teile im Ausland, der Spitz-Bogen einer Fassaden-Seite steht zum Beispiel im British Museum in London. Heute noch gibt es Streit um die Rückgabe.


Thomas’ Logbuch:
Welchen Glanz müssen diese Bauwerke ausgestrahlt haben, als sie noch vollständig erhalten waren. Einmal könnte man meinen, als alles noch im weißen Marmor glänzte, da muss es toll gewesen sein. Aber Ausgrabungen von durch Lava konservierter Stücke antiker Bauten hat gezeigt, dass die scheinbar weißen Säulen früher sogar bunt waren und die Farbe nur ausgeblichen ist. Umso beeindruckender müssen die Bauten gewesen sein. Schade nur, dass so wenig davon übrig ist. Doch allein die Überreste haben die Menschen so sehr geprägt, dass sie die Vergangenheit der untergegangen Kultur genau erforschen und dass sie auf der ganzen Welt ihre Bauwerke noch Jahrhunderte später im ähnlichen Stil nachbauten. Schon häufig habe ich in Büchern über die Antike gelesen, viele Abbildungen gesehen, in Museen einzelne Stücke betrachtet. Aber jetzt habe ich endlich einen wirklichen bildlichen Eindruck der einstigen Hochkultur Europas.

Neben der Geschichte bietet die Akropolis noch viel mehr: Blickt man von hier hinunter, schließt sich der Kreis von Vergangenheit und Moderne: Wir sehen auf das heutige Athen. Ein weißes Häusermeer, angelegt im Schachbrettmuster. Die Häuserfluchten, die sich rechteckig in die weißen Häuserlinien eingraben, sind deutlich zu erkennen. Von hier aus wird klar, warum Athen ein großes Problem mit Smog, Verkehr und Müll hat. Zu viele Menschen auf zu engem Raum und tatsächlich nur wenige Grünflächen. Eigentlich nur direkt um die Akropolis herum. Mehr als jeder Dritte Grieche lebt hier, Griechenland ist mit 11 Millionen schließlich ein vergleichsweise kleines Land.

Wir lassen unseren Athen-Ausflug in der Altstadt, der Plaka, ausklingen. Sie ist ein Labyrinth aus kleinen Gassen, in denen sich Restaurants und liebevolle Läden angesiedelt haben. Und wo wir jetzt einmal in Griechenland sind, essen wir etwas Landestypisches: Tsatsiki mit Pita-Fladenbrot. Mhhhh…. lecker! Den besonderen Geschmack kreieren die Einheimischen hier mit dem besonders fetten griechischen Joghurt und den kleinen, nicht allzu langen Gurkenstreifen, die sich in die Konsistenz einfügen. Die landestypische Variante sollten wir also lieber in Maßen genießen. Was aber zumindest an diesem Tag aufgrund des vorzüglichen Geschmacks nicht ganz funktioniert.

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