Salalah im Oman, das Tor zur Jebel Samhan

6. Oktober 2011
Salalah im Oman

Wir sind endlich in Arabien. Diesmal haben wir auch tatsächlich angelegt. MS Astor liegt im Containerhafen von Salalah, der mit über 120.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Omans und der Hauptstadt der Provinz Dhofar (240.000 Einwohner). Wir lassen die vielen Cargoschiffe im Containerhafen hinter uns und entdecken die Region per Jeep. Salalah ist so, wie man sich die wohlhabenden Golfstaaten vorstellt: schicke weiße Häuser umgeben von karger Sand- und Steinlandschaft. Wir sehen kaum Menschen, nur gelegentlich sitzen ein paar Männer vor den Häusern und trinken Tee. Hier ist noch genügend Platz und das Öl hat dem Land zum Reichtum verholfen.

Salalah im Oman

So bekommt jeder Mann hier mit 24 Jahren auf einem Neubaugebiet 600 Quadratmeter Land – derzeit im Wert von umgerechnet 2.500 bis 3.000 Euro – vorher hatte das Land aber mal bis zu 20.000 Euro gekostet. Und als so wohlhabend sehen sich die Einheimischen nicht an. Dubai, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Bahrain, die hätten das Geld. Mit dem Sultan seien die Leute alle zufrieden, meint unser Jeep-Fahrer aus Salalah. Er tue viel für die Leute. In der Tat ist es so, dass seit seiner Regentschaft die Zahl der Schulen, Krankenhäuser und Straßen stark zugenommen hat und es den Leuten deutlich besser geht – allerdings fällt seine Regentschaft auch ungefähr mit dem Fund des Öls zusammen.





Es ist glühend heiß, die Sonne brennt. Die Stadt Salalah ist sauber, nirgends liegt Plastik oder Müll in der Landschaft. An den Straßenrändern stehen majestätische Palmenhaine, grüne Gärten und Plantagen – Kokosnüsse und Papayas werden hier insbesondere gezüchtet. Dazu kommen Grasplantagen – für uns sehr seltsam. Aber hier ist das logisch, weil das Vieh in der Wüste Stroh zum Fressen braucht; daher ist Stroh hier etwas sehr wertvolles. Das Wasser für die Pflanzen stammt aus Quellen in den Bergen, das man über ausgeklügelte Kanalsysteme bis in die Stadt leitet. Es ist die Grundlage für die Zivilisation in dieser lebensfeindlichen Trockenheit. Dabei ist diese randtropische Region kühler und grüner als im übrigen Land. Der Küstenstreifen Golf von Oman ist eine fruchtbare Ebene, die aufgeschüttet wurde und von Quellen im Gebirge bewässert wird, etwa Ayn Razat (Ayn = Quelle), der wichtigsten Quelle in Salalah, die auch die Sultans-Plantagen bewässert. Die Küste des Oman ist der einzige Ort in Arabien, den die Ausläufer des indischen Monsuns im Sommer erreichen (Juli, August, September). Dann verwandelt sich die Wüste in einen sprießenden Garten, die Wadis in reißende Flüsse.

Salalah im Oman

Berge grenzen den Küstenstreifen bei Salalah von der Wüste im Inneren des Landes ab. Heute sehen wir im Gebirge nur vereinzelte Wüstenrosen, die vorsichtig in der kargen Berglandschaft gedeihen. Um sie herum streunen Herden von Dromedaren, die trotz ihres einen Höckers von den Einheimischen Kamele genannt werden (Kamele = zwei Höcker). Auch Kühe und Ziegen bewegen sich durch die weite Landschaft. Die Tiere können sich frei bewegen und kehren nur am Abend zu ihren Besitzern zurück, wo sie mit Futter und Wasser versorgt werden. Tagsüber suchen die trotzdem nach Futter und knabbern an den vertrockneten Pflanzengerippen oder stellen sich einfach mal mitten auf die Straße und schauen, was passiert.

Aus diesem Grund ist das Autofahren im Oman nachts besonders gefährlich. Auf den unbeleuchteten Wegen sorgen freilaufende Dromedare und Kühe immer wieder für Verkehrsunfälle. Und auch die Natur leidet unter den knabbernden Tieren: Kleine Triebe von Sträuchern und Bäume werden weg gefressen, weshalb weniger neuen Pflanzen nachwachsen können. Noch vor zehn Jahren gab es hier einige Wälder, heutzutage beherrscht die Wüste das Terrain. Nachhaltige Viehwirtschaft sieht anders aus.

Salalah im Oman

 

Der Süden der Provinz Dhofar ist bekannt für seine Weihrauchbäume. Es ist eine von drei Regionen der Erde. in denen die Bäume wachsen (neben Jemen und Nord-Somalia). Weihrauchbäume ritzt man ein, der Harz wird aufgefangen, getrocknet und zu ölhaltigen Klumpen verarbeitet. Die duftenden Körner sind begehrt, um Räume mit dem aromatischen Duft zu erfüllen. Gekaut sollen sie den Magen reinigen, ein traditionelle Natur-Medizin. Vom Verzehr größerer Mengen wird jedoch streng abgeraten.

Salalah im Oman

Unser Fahrer hält für jedes Dromedar, bis wir schließlich am Aussichtspunkt des höchsten Berges der Provinz Dhofar angekommen sind, dem Jebel Samhan (sprich Jabel Samhan). Von Dort aus genießen wir eine herrliche Aussicht über die flache Ostküste der Provinz Dhofar, die sich unter und erstreckt. Es ist ein majestätischer Blick. Die gelblich-braune Landschaft, durchzogen von dunkleren Wasserläufen, die aus dieser Entfernung so winzig wirken. Von hier aus sieht man, dass der scheinbar unbelebte trockene Wüstensand und das schroffe Geröll mit ihren mäandernden Linien ein ausgetrocknetes Flussbett bilden. Im Dunst des Horizonts zeichnet sich daneben das azurblaue Meer ab. Dieses Landschaftsbild wirkt so surreal wie ein abstraktes Gemälde. Doch ist es immer die Natur, die die schönsten Motive entwirft.

Salalah im Oman

Unser Mittagessen nehmen wir ganz stilecht ein: Auf einem Perserteppich sitzen wir, als wir unsere unarabischen Sandwiches kauen. Unser Picknickplatz liegt mitten in einem der zahlreichen Wadis der Gegend, die sich im Sommer mit Wasser füllen und die Gegend fruchtbar machen. Heute sehen wir vom Wadi Derbat (sprich Darbat) nur eine kleine Pfütze, um die sich die Dromedare scharen. Im Sommer ist dies dagegen ein reißender Fluss. Wir gerne würden wir diesen Vergleich einmal haben – das muss beeindruckend sein.

Salalah im Oman

Doch dafür sehen wir nicht minder beeindruckendes Meerwasser: Wir fahren weiter und halten auf einem weiteren Hochplateau vor der Küste. Das Wasser schimmert Türkis und Hellblau. Von einem Felsvorsprung aus blicken auf die kleine Küstenstadt Taqah. Kleine weiße Häuser im arabischen Stil strahlen in der Sonne und die grüne Kuppel der Moschee reckt sich gen Himmel. Die palmengesäumte Promenade und der weiße Sandstrand sind menschenleer. Nur ein paar Fischerboote und Seevögel bevölkern den Strand, der sich wie ein weiß-silbriges Band in den Horizont zieht. Es ist einer der schönsten Strände, die wir auf unserer Reise besuchen durften. Doch hier schwimmt niemand. Die Araber mögen Schwimmen einfach nicht, erklärt uns Mohammed, der unseren Jeep steuert. Er trägt das traditionelle weiße Gewand und dazu eine kleine runde Kopfbedeckung.

Salalah im Oman

Dieser Ausflug in den Golfstaat Oman war für uns ein kurzer, aber erlebnisreicher Blick auf Arabien. Eine beeindruckende Erfahrung, mit begeisternden Ausblicken und fantastischen Landschaften. Über die Frauen in diesem Land haben wir an diesem Tag nicht viel erfahren können, denn man hat sie schlichtweg nicht zu Gesicht bekommen. Unsere Fahrer haben uns herzlich empfangen und uns eingeladen, ihr Land weiter zu entdecken. Für uns ein Abenteuer in eine Welt, die so anders ist, als alles was wir bisher gesehen und erlebt haben.

Salalah im Oman

Wirtschaft im Oman. Mit dem Beginn der Ölförderung in den 60er Jahren erblühte die omanische Wirtschaft. Seit 1967 exportiert der Golfstaat das schwarze Gold. Damit hat sich die Volkswirtschaft umgestellt, von der Landwirtschaft zu einer exportorientierten Ölwirtschaft. Die Lagerstätten in den Wüsten haben dem Land zu seinem heutigen Reichtum verholfen. Oman hat auch große Erdgasvorkommen, die die Zukunft des Landes sichern sollen. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse sind Datteln, Limonen, und Granatäpfel. Jedoch wird nur fünf Prozent der Staatsfläche landwirtschaftlich genutzt, vorwiegend im Norden des Landes. Wichtige Exportgüter sind Fische, Metalle und Textilien, die Oman hauptsächlich in die Vereinigten Arabischen Emirate exportiert. Das Land hat eine der geringsten Staatsverschuldungen der Welt.

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1 Kommentar

  • Antworten Die Farben unserer Reisen » ReiseWorld - Luxus- und Lifestyle Reisen 8. Oktober 2013 at 16:54

    […] wie die Wüste. Sand gibt es überall im Oman, auch in der Luft. In dem Dorf Taqah in der Nähe von Salalah ist der Sand […]

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