Ardeche, dramatische Natur und besondere Menschen

15. Mai 2014
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Wenn eine Australierin aus einer Bonbonfabrik ein Hotel macht, eine Olivenölmanufaktur sich auch als Motorrad-Museum entpuppt und ein Winzer eine Kapelle in seinem Weinberg betreibt, dann befindet man sich in der Ardeche, dieser wildromantischen Gebirgslandschaft an der Rhone südlich von Lyon. Notizen einer Reise zu ganz bemerkenswerten Menschen.

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Das Département Ardèche ist nach dem gleichnamigen Fluss benannt und ist geprägt durch sein einmaliges Landschaftsbild. Etwa die älteste Gebirgslandschaft der Welt im Norden und eine in Europa höchst seltene unberührte Natur in der Mitte mit häufig austrocknenden Flüssen in tiefen Canyons und berühmten Natur-Bauwerken wie dem Bogen Pont d’Arc.

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Wir sind unterwegs mit Jochen Ehlers, einem norddeutschen Weltenbummler, der vor allem abenteuerliche Motorradreisen organisiert. Als exquisiter Frankreich-Kenner hat er uns Begegnungen in der Ardeche versprochen, die wir nicht vergessen werden. Wir treffen dort Menschen, die für französische Verhältnisse ausgesprochen grün sind und für die die Förderung ökologischer, regionaler Produkte eine Herzensangelegenheit ist.

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Notre Dame – nicht in Paris, sondern der Ardeche

So wie der Weinbauer Raphael Pommier, der mit seiner US-amerikanischen Frau ganz im Süden der Ardeche unter dem Namen Notre Dame de Cousignac ziemlich köstliche, aber auch besonders starke Weine anbaut. Mit 15 % Alkohol, der den Wein haltbar macht ohne dass er Schwefel braucht, was der Winzer strikt ablehnt.  (www.ndcousignacvillegiature.fr )

Er ist ein überzeugter Ardechois – seit der französischen Revolution bearbeitet seine Familie diese Weinberge, die einst der Kirche gehörten. Das Überbleibsel ist eine uralte Kapelle, eben diese Notre Dame, die längst verfallen wäre, wenn Raphael sich nicht auch darum gekümmert hätte. Nicht weil er sich anti-revolutionär dem ehemaligen Kirchenbesitz verpflichtet fühlt: Das Schöne, Gute zu bewahren zieht sich wie ein Grundsatz durch sein Leben. So ist die Kapelle heute ein ganz besonderer Ort.

Gäste empfängt Raphael auf seinem Gut in einigen liebevoll eingerichteten Zimmern, in denen man den Atem der Geschichte des alten Hofes spürt.
Die Liebe zum Ursprünglichen, zur Natur geht sogar so soweit, dass er in stoischer Gelassenheit hinnimmt, dass ab und zu Horden von Wildschweinen seine Weinstöcke plündern und manchmal die Hälfte der Trauben fressen. Augenzwinkernd sagt er dann: Aber wir essen auch Wildschweine…

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Honigsüße Verführung in Vogüe
Cedric Deces produziert die Nachspeise zum Wild oder natürlich auch zum vegetarischen Menü – Nougat. Im kleinen Örtchen Vogüé hat er frisch eine Nougaterie eingerichtet, deren Spezialität riesige Fenster zu den Produktionsräumen sind. Jeder, der auf der Straße vorbei kommt, kann zuschauen, wenn Cedric aus Honig, Zucker, Glycosesirup, Eiweiß, Mandeln oder Maronen Nougat herstellt. Auch aus dem Verkaufsraum ist das möglich und wenn sich Gruppen anmelden macht er aus seiner Produktion eine Live-Show. Und Cedric ist ein Unterhaltungstalent, der vielsprachig seine Gäste zum Staunen und zum Lachen bringt. Wie der Winzer schwört auch er auf die Produkte der Region. (www.ardeche-nougat.com)

Nougatier

Oliven- und Motoröl
In Le Vans liegt beidseits der Durchgangsstraße die Olivenölproduktion der Familie Froment. Schon auf dem Hof fällt aus, dass den Herren Albert und Jacques Froment nicht nur Oliven schmecken, sie haben auch Motoröl im Blut. Sie sammeln alte Fahrzeuge, von der in Frankreich unvermeidlichen Döschewo bis zur Kutsche. Aber vor allem alles was zwei Räder und einen Motor hat. Jeder Platz, der nicht zum Oliven pressen gebraucht wird, ist zugestellt mit Mofas, Mopeds, Rollern und Rennmaschinen. Vom Militärkrad bis zum Fahrrad mit Hilfsmotor, auf dem sich einst ein Pfarrer durch seine Gemeinde bewegte. Und natürlich haben die Herren zu jedem Stück auch eine Geschichte zu erzählen. Wird Zeit, dass aus dieser privaten Sammlung mal ein Museum wird. (http://moulin.froment.free.fr)

Oldtimer

Vals les Bains – historischer Kurort mit Candy-Hotel
Die Australierin Leila Joy Garzon-Rigby hat ihre Liebe in Frankreich gefunden und ist in die Ardeche gezogen, in den Casino- und Kurort Vals les Bains mit seinen zahlreichen Quellen, aus denen auch das berühmte Mineralwasser kommt. Schon die Römer schätzten die überwältigende Schönheit der Gegend und ließen sich hier nieder. An einem besonders sonnenverwöhnten Hang des Tales hat Leila eine ehemalige Bonbonfabrik zunächst zu ihrem Wohnhaus und anschließend in ein Bed und Breakfast Domizil verwandelt, das mit stilvoll nur höchst unzureichend beschrieben ist. Individuelle Zimmer voller Kunst – das Einzige was nicht echt ist, sei eine Kopie der Mona Lisa, versichert die Hausherrin. Wer der Uniformität von Luxusherbergen mal entkommen möchte, aber dennoch luxuriös wohnen möchte, ist hier an der richtigen Adresse. Da Christophe Garzon-Rigby Kapitän eines Schiffes ist, steckt das Haus nicht nicht nur voller Kunst, sondern auch Mitbringsel aus aller Welt. Eine Entdeckungsreise für sich. Selten habe ich aufregender und anregender gewohnt. (www.villaaimee.com)

Aimee

Maschinenretter für Ökoschafwolle
Wie man bereits am privaten Mopedmuseum gesehen hat, der Ardechois lässt ungern etwas Sinnvollen, Nützliches, Schönes verkommen. So haben auch einige Freunde um Pierre Tissier in St. Pierreville alte Textilmaschinen vor dem Schrottplatz bewahrt und die Wollproduktion ursprünglicher Art wieder belebt. 50.000 Schafe aus der Region geben jährlich ihren Naturstoff dafür. Die Maschinen sehen museumsreif aus mit ihren Zahnrädern und Antriebsriemen – und sind es ja auch – aber sie sorgen für beste Materialqualität. Die Wolle wird als Matratzenfüllungen, Kissen, Betten und Kleidung aller Art genutzt. Keine Billigware natürlich bei dieser Art der Herstellung, aber 100 % öko. Nicht zuletzt kommt diese Produktion natürlich den Schäfern und Landwirten der Region zugute und damit auch zum Erhalt der ursprünglichen Landschaft. (www.ardelaine.fr)

Schafzuechter

Und noch einmal – geretteter Schrott.
Die letzte Eisenbahn der Ardeche ist eine Museumsbahn, die auf einer abenteuerlichen Route von St. Jean de Muzols nach Lamastre durch das enge Tal des Flusses Doux führt. Auch sie ein Ergebnis der Eigenart der Ardechois, an Dingen starrköpfig festzuhalten. So wurden hier auch Strecke, Loks, Waggons und Stationen restauriert und für die Zukunft bewahrt. Eine Fahrt wie durch den wilden Westen.
Wir haben auf dieser Reise tatsächlich Menschen kennen gelernt, die ungewöhnliche Dinge tun und einiges zu erzählen haben. Mehr als der typische Urlaub in der Ardeche mit seinen gewiss auch schönen Kanutouren durch die malerischen Canyons und die Besuche in den Höhlen des Gebirges.

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Endurofun Tours 

Jochen Ehlers organisiert Motorradreisen (www.endurofuntours.com) offroad und onroad vor allem in Deutschland und Frankreich, aber auch für Skandinavien, Schottland, die Türkei und selbst Thailand hat er interessante Touren vorbereitet. Was ihn auszeichnet sind nicht nur die genauen Kenntnisse seiner Ziele, sondern die Liebe zur Natur und den  Menschen der Regionen. Damit gibt es Einblicke, die dem normalen Reisenden verborgen bleiben. Gern versteckt er sein nahezu enzyklopädisches Wissen über die Orte an seinen Strecken; der Mitreisende sollte einfach mal nachhaken. Wer noch nie eine Motorrad-Erlebnisreise gemacht hat oder seine Fähigkeiten für unzureichend hält, kann sich in Fahrlehrgängen fit machen lassen. Wir haben die Strecke übrigens mit dem Auto abgefahren und sind auch auf unsere Kosten gekommen. Speziell für Cabrio-Fahrer sind die Touren ein kaum geringeres Erlebnis als für den Biker.

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Text/ Fotos: Marina & Holger Majchrzak, ReiseWorld

Weitere Infos: (www.ardeche-guide.com)

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