Bordleben auf der Astor

31. August 2011
Regen ueber dem Pazifik

Wieder sind wir mitten auf dem Meer. Über 4.500 Meter über dem Grund. Getragen von der Oberflächespannung des Wasser. Und gerade im Vergleich zu den über 3000 Kilometern Strecke, die wir vor uns haben, erscheint uns MS Astor klein, ja winzig. Ein Punkt mitten auf dem Pazifik, den Elementen ausgeliefert. Ein Seebeben, eine Monsterwelle, ein Tornado und wir sind erledigt. Einfach weg. Unter Wasser. Das muss man sich mal vorstellen. Draußen ist es nebelig, es regnet und die See ist schwarz. Da kommen einem schon mal düstere Gedanken.

Andererseits ist Autofahren viel gefährlicher. Und wir sitzen zuhause schließlich jeden Tag hinterm Lenkrad. Unbedarft ob der Gefahr. Und wir steigen schließlich auch freiwillig ein. Vielleicht ist Schifffahren doch gar nicht so schlecht, im direkten Vergleich. Trotzdem bleibt das etwas mulmige Gefühl, wenn man in die pechschwarzen Wogen blickt. Und die Frage: Könnte man im Zweifelsfall noch die Rettungsboote runterlassen?

Über uns liegt eine geschlossene stahlgraue Wolkendecke. Manchmal rieselt Regen daraus. Ein Schauer für ein paar Minuten, der Kühle bringt. Dies ist typisch für diese Breiten. Denn wir befinden uns in der so genannten Konvergenz-Zone. Es ist ein Tiefdruckgürtel, der sich rund um den Äquator zieht.  Da unser Kurs in diesen Tagen sehr nah am nullten Breitengrad festgelegt ist, spüren wir einen Temperaturabfall. Auf dem Atlantik in Richtung Karibik und auch in den ersten Tagen auf dem Pazifik hatten wir fast immer mehr als 30 Grad. Doch hier in unmittelbarer Nähe zum Äquator holen wir im Schatten schon mal die Fleece-Jacken raus, bei 24°C bis 26°C. Die Feuchtigkeit und der Wind lassen die gefühlte Temperatur weiter purzeln. Wir sind mittlerweile schließlich völlig Sonnen- und Wärmeverwöhnt. Also nutzen wir die Gelegenheit, uns einmal künstlich richtig aufzuwärmen. Wir gehen in die Sauna, um den „Temperatursturz“ zu kompensieren. Es gibt eine leicht temperierte Sauna mit wechselnden bunten  LED-Lichtern in der Decke und eine heiße finnische Sauna. Die Saunen befinden sich im untersten zugänglichen Deck und haben somit leider keine Aussicht auf das Meer. Aber zu Durchheizen ist es angenehm. Vielleicht ist es morgen ja wieder auch draußen wärmer.
 

Auch an diesem Tag erleben wir die Gegensätze der Gesellschaft. Ein Reiseleiter hat uns freundlicherweise ein paar Sudoku-Rätsel kopiert. Als Anfänger holen wir einen uns schon gut bekannten Mitreisenden zu uns, der Sudoku-Experte ist. Er setzt sich zu uns und hilft aus. Indes tuscheln einige Leute an einem anderen Tisch und zeigen in unsere Richtung. Na ja, denken wir, über uns wurden ja schon die tollsten Geschichten erzählt. Einmal wurde uns zugetragen, dass wir ja bei Wetten dass?! Mitgemacht hätten und daher nun auf Weltreise seien. Aber diesmal geht es nicht um uns. Zufällig entdeckt unser lieber Mitreisender seine zweite Sandale auf dem Boden. „Wisst ihr, wie die hierhin kommt?“, fragt er. Keine Ahnung, hatten wir auch gar nicht gesehen. Später löst sich das Rätsel auf: Die lustige Tuschelrunde am anderen Tisch hatte die Sandale versteckt, einfach nur, um sich einen Spaß zu machen. So etwas haben wir schon häufiger erlebt. Vor zwanzig Jahren im Kindergarten. Zum Glück gibt es auf dem Schiff aber auch genug Kindergärtner und Kindergärtnerinnen, mit denen wir uns gerne und gut austauschen und unterhalten. Es gibt wohl keinen anderen Ort, an dem so viele Menschen mit so vielen interessanten Reise-Erfahrungen zusammenkommen.

Morgen können wir uns einen weiteren Tag auf See erholen.
Direkt zum ersten Artikel unserer Weltreise mit MS Astor geht es hier.

Alle Videos von unserer Weltreise mit MS Astor findet ihr im ReiseWorld Youtube-Kanal.

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