Kapitän lädt zum Dinner

26. August 2011
Wir sitzen am Kapitaenstisch

Katharinas Logbuch: Seenotrettungsübung. Nach einer ruhigen Nacht heißt es um 10 Uhr morgens: antreten zur Seenotrettungsübung. Vorgeschrieben nach Internationalen Bestimmungen für alle neuen Passagiere. Nachdem wir unsere Schwimmwesten mit ihren gefühlten tausend Leinen über den Kopf gezogen haben, machen wir uns in den wuchtigen, orangefarbenen Styropor-Panzern auf zu unserer Sammelstation. Hier warten schon alle anderen Passagiere in bester Stimmung. Fotoapparate klicken im Takt als die Besatzung Hinweise zur Sicherheit an Bord gibt. Nicht rauchen auf den Kabinen, beim Duschen die Türen schließen damit der heiße Dampf nicht den Feueralarm auslöst. Und bitte, bitte keine Kleiderhaken an die Sprinkleranlage hängen, sonst ist die Kabine nass. Schade, dabei haben wir doch so wenig Platz im Schrank…

Wir tragen schon die Schwimmwesten

Anprobe der Schwimmweste

Nach der Rettungsübung kehrt wieder Ruhe ein. Als nächster offizieller Programmpunkt steht die Ausflugspräsentation für die portugiesische Blumeninsel Madeira an. Die Passagiere können Zettel ausfüllen, auf denen sie ihre Ausflugswünsche notieren und dann an der Rezeption abgeben. Aber ganz so klar ist das allen wohl nicht.

Thomas‘ Logbuch: „Ey“, stößt mich ein älterer Herr am Arm an, „Wo kommt dat hin?“, fragt er und zeigt mir seinen Ausflugszettel. Natürlich fällt mir in diesem Moment kein passender Kommentar ein wie „Stecken Sie das doch bitte in den Aluminiumeimer mit der schwarzen Plastiktüte“. Nein, ich sage höflich, dass er den Zettel an der Rezeption abgeben kann – und werde damit Stück für Stück weiter Crewmitglied. Die armen Besatzungsmitglieder, die auch so behandelt werden – zum Glück nicht von allen Passagieren.

Ein Passagier zieht uns auf der Treppe plötzlich zu sich. Zunächst denken wir, dass es schon wieder so eine unhöfliche Aktion wird. Bis wir den Gast erkennen: Es ist tatsächlich jemand, den wir aus der Heimat kennen. Was ein Zufall. An ihrem Imbiss-Stand haben wir schon häufiger Gebäckspezialitäten gekauft. „Ich wusste doch, dass ich euch kenne!“, meint sie. Und wie es der doppelte Zufall will: Sie lebt in Bremen – und bekommt daher auch die Regionalausgabe der Bildzeitung, in der unsere Fotos zu sehen waren. Auch sie hatte sich beworben, die Weltreise aber nicht gewonnen – und sich dann kurzfristig entschieden, trotzdem zu buchen. So kommen wir leicht ins Gespräch und bekommen sogar den Original-Zeitungsausschnitt zu sehen, den sie extra mit an Bord gebracht hat.

 

Captain’s Dinner

Die Kleiderempfehlung für den Abend lautet: festlich. Wir können einmal ins Buffetrestaurant gehen und einmal ins Menü-Restaurant. Aber da ist explizit Gala-Dinner angesagt. Wir sind eher für relaxten Chic, also entscheiden wir uns für das Buffet-Restaurant. Katharina trägt ein Cocktail-Kleid, Thomas einen Anzug, ohne Krawatte. Hmm… oder doch vorsichtshalber anlegen? Eigentlich ziemlich spießig… aber OK. Als wir fertig fürs Captain’s Dinner aus der Kabinentür treten, kommt und schon jemand mit weißer Fliege zum schwarzen Hemd entgegen. Also entscheiden wir uns um – besser overdressed als underdressed. Thomas streift noch eine Krawatte über.

Auch viele Gäste geben sich beim Captain’s Dinner glamourös, die Damen im langen Abendkleid und die Herren mit  Dinner Jackett. Aber es gibt auch einige Mitreisende, die „so gar keinen Bock“ hatten sich umzuziehen und in Birkenstocksandalen und buntem Pulli durch die Gänge spazieren. Es gilt also, wer will, der kann sich schick machen. Aber man wird auch nie allein sein wenn man sich leger kleidet. Wobei sich manch eine Mitreisende über all zu bequeme Kleidung selbst beim Frühstück mokiert. „Unmöglich, wenn manche Herren, die schon im Anzug nicht gut aussehen, hier in Jogginghose rumlaufen“, sagt einmal eine pingelige Dame in einem mausgrauen Blouson, der ironischerweise einer Joggingjacke nicht unähnlich war.

Auf dem Weg ins Restaurant am ersten Gala-Abend treffen wir Romana, die Kreuzfahrtdirektorin. Wir kennen sie noch von einer vergangenen Kreuzfahrt von einem anderen Schiff, der Arielle. Romana lädt uns kurzerhand zum Captain’s Dinner an den Kapitänstisch ein. Eine große Ehre, wer das ZDF Traumschiff kennt, wird das wissen. Hier sitzen ganz besondere Gäste – und gleich auch wir. Zum Glück war die Wahl doch auf die Krawatte gefallen.

Wir sitzen am Kapitaenstisch

Captain’s Dinner: Abendessen mit Kapitän Strusewych

Jetzt treffen wir uns vor dem Captain’s Dinner zuerst im der Bar mit dem passenden Namen Captain’s Club, wo wir mit Kapitän, Kreuzfahrtdirektorin und Hoteldirektor anstoßen. Geladen sind zwei Paare, die in den exklusivsten Suiten an Bord residieren und über ihre exotischen Urlaube und Seereisen der vergangenen 50 Jahren schwadronieren: „Damals, als wir mit der Fähre und unserem Mercedes in Agadir waren…“ Nach dem Begrüßungsdrink geleiten uns die Offiziere in das á la Carte Restaurant – an den Kapitänstisch. Klick – die Bordfotografin hält den Moment im Bild fest – dann nehmen alle an den mit Tischkärtchen zugeteilten Stühlen platz. Der Küchenchef empfiehlt für das Fünf-Gänge-Menü: Lachsröllchen, Champagner-Creme-Süppchen, Carnaloni Ricotta an Tomatengarnish, Heilbuttfilet an Kartöffelchen und Lauch sowie Himbeer-Schokoladenmousse. Eine Schar an Kellnern umringt den Tisch beim Captain’s Dinner. Sie servieren Tafelwasser, Tischwein und bringen auch gerne eine Limonade im Glaskännchen.

Wir ernten erstaunte Blicke von den anderen Passagieren. Jetzt sind da schon so zwei Jungspunde auf dem Schiff und dann dürfen sie sich auch noch zum Captain sitzen – so langsam können wir auch anfangen, mit Scheinwerfer-Spots auf dem Kopf herumzulaufen. Oder wie eine Reedereimitarbeiterin ob unseres Alters sagte: „Ihr fallt auf wie bunte Hunde“. Sie schlug scherzhaft vor, doch unsere Geschichte im Tagesprogramm zu veröffentlichen, damit wir sie nicht zu oft erzählen müssen.

Klein, aber stabil

Im Gespräch mit dem Kapitän erfahren wir auch, warum das Schiff so überraschend ruhig im Wasser liegt. Wir hatten schließlich befürchtet, dass ein kleines Schiff deutlich mehr schwankt. Der Kapitän sagt, dass es tendenziell zwar stimme, dass ein größeres Schiff aufgrund seines Gewichts weniger schwankt als ein kleineres. Aber: Die neuen riesigen Kreuzfahrtschiffe haben im Vergleich zum Tiefgang (das größte Schiff bis zu acht Meter) einen sehr hohen Aufbau, oft höher als Hochhäuser, mit 15, 16, 17 Decks. Die Astor hat einen Tiefgang von 6,10 Meter, aber nur sieben Passagierdecks. Also: Weniger als halb so hoch, dafür nur etwas weniger Tiefgang als moderne Megaliner. Folglich liegt die kleine Astor sehr stabil im Wasser, obwohl draußen die Wellen auf dem Mittelmeer toben. Und so haben wir nach einem letzten Spaziergang vor der Nachtruhe auch getrocknetes Meersalz von den Geländern an Händen, als wir in die Kabine zurückkehren.

MS Astor. Die Astor ist 176 Meter lang und 23 Meter breit, der Tiefgang beträgt knapp 6 Meter. Das Schiff fasst auf seinen sieben Decks maximal 578 Passagiere und 278 Crewmitglieder. Von den 247 Kabinen sind 42 Suiten. Die Astor wird 1987 in den Howaldswerken Deutsche Werft GmbH in Kiel gebaut, bestellt von der South Africa Marine Corporation in Kapstadt. Diese verkauft die Astor schon 1988 an die Sowjetunion. Daraufhin fährt MS Astor unter dem Namen MS Fedor Dostojevski. Und schon im Dezember 1988 ist das Schiff erstmals für den heutigen Veranstalter Transocean unterwegs, danach im Wechsel für andere Veranstalter. Der ursprüngliche Namen kommt erst am 1. Dezember 1995 zurück. 2006 geht die Astor in den Besitz der Premicon AG in München über, einem geschlossenen Fond. Im November 2009 wird das Schiff in der Lloyd-Werft Bremerhaven modernisiert. Seit Juni 2010 fährt MS Astor für Transocean Kreuzfahrten, eine 100-prozentige Tochter der Premicon AG.

 

Alle Videos von unserer Weltreise mit MS Astor findet ihr im ReiseWorld Youtube-Kanal.

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Direkt zum ersten Artikel unserer Weltreise mit MS Astor geht es hier.

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