Delfine in Sicht!

30. August 2011
Glutroter Sonnenuntergang über dem Meer

Die Sonne scheint, das Meer strahlt im herrlichen Blau. Das ist Urlaub. Endlich wieder Sonne und Meer in ihrer schönsten Paarung. Das Wasser, was das Schiff rechts und links verdrängt, wird manchmal feinperlig hinaufgeworfen und die Sonne macht daraus einen kurzweiligen Regenbogen. Heute ist aber auch der vierte Adventssonntag. Wir hätten es nicht bemerkt, stünde es nicht im Tagesprogramm. An Bord lebt man praktisch kalender- und zeitlos. Die Mahlzeiten bestimmen den Tagesablauf, das Wetter die Stimmung. Wer will, verbringt den ganzen Tag auf dem Liegestuhl, andere ackern das gesamte Tagesprogramm durch und „hetzen von Termin zu Termin“, wie manche Passagiere es liebevoll und ein wenig selbstironisch sagen. Man orientiert sich am nächsten Hafen, Wochentage spielen keine Rolle.

Doch dass sich etwas ändert, haben wir in den vergangenen Tagen dann doch ein wenig gespürt. Hier und da ein Engelchen, ein Stern oder eine Glocke. Immer ein bisschen mehr. Wie von Geisterhand wichen Palmenblätter dem Tannengrün. Jetzt sieht man schon glanzvoll geschmückte Tannenbäume in manchen Räumen. Sie sagen elegant aber bestimmt: Weihnachten steht vor der Tür. Der meiste Weihnachtsschmuck liegt allerdings noch auf Halde in einem Vorraum des Konferenzzentrums, wo auch Sprachkurse angeboten werden. Hier an Bord gibt es natürlich der Praxis halber Plastik-Tannenbäume. Wobei wir zu Hause die vergangenen Jahre auch immer darauf zugegriffen haben. Denn immer die Nadeln im Haus zu haben… und hier auf dem Schiff birgt jedes Brennmaterial natürlich auch Brandgefahr. Ein Chor probt seit Reisebeginn Weihnachtslieder für den Heiligen Abend. Wir wurden schon gefragt, ob wir nicht auch mitsingen möchten. Dazu haben wir aber keine Zeit. Wir hetzen schließlich von Termin zu Termin.

Delfine

Ein herrliches Schauspiel

 

Am Mittag, als wir eigentlich glauben, dass heute nichts mehr Besonderes passiert, bekommen wir ein herrliches Schauspiel geboten. Der Seegang von 1 (= sogar keine Schaumkronen auf den Wellen) ermöglicht es, dass alles, was weiß auf dem Wasser erscheint, gut sichtbar ist. Und da es heute keine Schaumkronen sind, müssen es Tiere sein. Es beginnt damit, dass wir kleine weiße Spritzer am Horizont sehen. Das müssen Delphine sein! Leider sind sie nur klein zu sehen. Plötzlich sehen wir etwa 20 Meter neben dem Schiff links hinten eine große türkisfarbene Blase auf dem Wasser, mit einem Durchmesser von gut vier Metern. Das kann nur von einem riesigen Tier stammen. Und 30 Sekunden später zeigt er sich, ein riesiger Wal. Weiß-gräulich in der Farbe, an der Oberfläche bestimmt über vier Meter lang. Er zeigt uns kurz seinen beeindruckenden Rücken, leider nicht ganz seine Schwanzflosse. Unter Wasser muss der Körper noch viel länger sein! Wir schätzen, dass der Wal bestimmt zehn Meter lang ist. Wir schauen weiter, aber unser Freund ist abgetaucht.

Thomas’ Logbuch: Vielleicht können wir ja noch ein paar Meeressäuger sehen. Also hole ich das Fernglas aus der Kabine. Ich gehe oben an der Seite des Schiffes entlang, schaue geradeaus, schaue kurz über die Reling nach unten – und was ist das! Zwei dicke Meeresschildkröten! Beide so groß wie die Sitzfläche eines großen Stuhles. Zwei Sekunden sind sie an der Wasseroberfläche, dann fallen sie seitlich am Schiff zurück. Wunderbar. In diesen Gewässern spielt das Leben – allein von dem, was man an der Oberfläche sieht. Was muss nur unter uns noch sein, wo das Meer hier 3000 Meter tief ist? Ich freue mich, dass ich die Idee hatte, das Fernglas zu holen – auch wenn mir das Fernglas nicht wirklich hilft, sondern der Weg zur Kabine. Delphine, ein Wal, Meeresschildkröten… und das alles auf einmal. Auf allen meinen bisherigen Kreuzfahrten hatte ich nie das Glück, habe immer nur davon gehört, dass man auch von einem großen Kreuzfahrtschiff aus Meerestiere sehen kann. Ich habe das nie geglaubt, die großen Schiffe müsse doch viel zu viel Lärm machen. Machen sie vielleicht auch, aber einige Meeresbewohner lassen sich davon wohl nicht beeindrucken. Aber ich lasse mich von ihnen beeindrucken.

 Als wir glauben, das Schauspiel sei beendet, beginnt es erst so richtig. Hinten am Heck ziehen von rechts zwei kleine schwarze Delphine Richtung Heckwelle. Tauchen ab. Und tauchen plötzlich auf und springen ganz nah am Schiff in die Luft – platsch! Mit einem freudigen Schlag der Schwanzflosse auf das Wasser tauchen sie wieder ein. Es tauchen sieben, acht, neun Delphine auf, auf dem Rücken schwarz, am Bauch heller. Sie kreuzen immer wieder die Schraubenwelle des Schiffes – und springen freudig umher. Die Passagiere an Deck jubeln den Tieren zu, bei jedem Sprung. Einfach herrlich. Wir vermuten, dass das Schiff das Wasser und damit vielleicht auch einige Fische aufwirbelt, die dann als Mahl für die Delphine bereitschwimmen. Die nächste gute halbe Stunde bekommen wir eine Show, die es sonst nur im Delphinarium gibt – und das ganz freiwillig, in der freien Natur, mit natürlicher Freude an der Freiheit. Wir sind alle begeistert über die Grazilität und Schönheit der Tiere – und der offensichtlichen Lebensfreude. Manchmal schwimmen die Delphine nahe der Oberfläche und schlagen beim Schwimmen mehrfach mit der Schwanzflosse auf die Wasseroberfläche. Klack, Klack, Klack, Klack! Als wenn sie wüssten, dass sie begeisterte Zuschauer haben. Wir haben ab sofort ein neues Lieblingsgewässer, hier an der Pazifikseite vor Zentralamerika. Und wünschen uns am liebsten noch ganz viele Seetage mit Delphinen.

 

Glutroter Sonnenuntergang über dem Meer

Der Feuerball versinkt im Meer

Später am Abend bestaunen wir noch weitere Phänomene: Auf der einen Seite zeigt sich der Vollmond am Himmel und spiegelt sich kristallin im Wasser. Auf der anderen Seite erleben wir einen glutroten Sonnenuntergang. Das Wasser hat sich mittlerweile noch weiter beruhigt und ist spiegelglatt. Es ist so weich und klar, dass man vom Schiff aus unter die Wasseroberfläche schauen kann. Und als wenn es nicht schöner sein könnte, zeigt sich plötzlich noch eine große weiße Schwanzflosse hinter dem Schiff, klatscht einmal auf das Wasser und verabschiedet sich wieder – genau so wie die glutrote Sonne.

Und morgen heißt es: Hola Guetemala!

Alle Videos von unserer Weltreise mit MS Astor findet ihr im ReiseWorld Youtube-Kanal.
Direkt zum ersten Artikel unserer Weltreise mit MS Astor geht es hier.

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1 Kommentar

  • Antworten Endlich auf dem Pazifik - ReiseWorldReiseWorld 20. Januar 2015 at 14:28

    […] Sehen wir vielleicht morgen Delfine?. Direkt zum ersten Artikel unserer Weltreise mit MS Astor geht es hier. […]

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