Das Musical Elisabeth, der Tanz mit dem Tod

28. Februar 2015

Das Musical Elisabeth tourt durch Deutschland, am 28. Februar war in Essen die deutsche Premiere der Tournee. Die Inszenierung auf Basis der Originalproduktion der Vereinigten Bühnen Wien zeigt die Geschichte von Elisabeth, nicht Sissi – diese Unterscheidung ist der Produktion ganz wichtig. Denn Elisabeth will nicht die kitsch-getränkte Sissi Story wie im Kinofilm erzählen, sondern folgt dem tragischen Leben der österreichischen Kaiserin und ihrer vermeintlichen Sehnsucht nach dem Tod. Elisabeth ist in dieser Inszenierung nicht nur ein bisschen süß, zerbrechlich und einfach nur hübsch. Das auch. Im Drama Musical Elisabeth von Michael Kunze und Sylvester Levay ist die Kaiserin hin und hergerissen zwischen Liebe zum Leben und dem Wunsch zu sterben – eine starke, bisweilen sogar durchtriebene Figur. Das Musical wirbt damit, die „wahre Geschichte der Sissi“ zu erzählen. Ob das so ist, werden wir alle nie wissen. Dennoch hat auch diese Seite der Sissi Story ihren gewissen unterhaltungswert, auch wenn er düster und melancholisch daher kommt.

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Wer ein Happy-Go-Lucky Musical erwartet, für den ist das Musical Elisabeth nicht die richtige Wahl. Wer sich aber auf eine dramatische Reise an die Abgründe menschlichen Handelns einlassen kann, wird dafür mit Gänsehautmomenten belohnt. Das Musical Elisabeth lebt vor allem von musikalischen Höhepunkten wie „Ich gehör’ nur mir“ oder „Der letzte Tanz“. Die starke Performance von Roberta Valentini (Elisabeth) und der vehemente Auftritt von Angelika Wedekind als Erzherzogin Sophie machen das Zuschauen zum Genuss. Auch Maximillian Mann, der als Kaiser Franz-Joseph mit seiner Rolle in der Story nicht unbedingt zu den Sympathieträgern gehört, macht eine gute Figur. Von Mark Seibert, der mit dem Tod eine Schlüsselrolle besetzt, wünscht man sich bis zum Ende mehr Charakter und eine eindringlichere Darstellung. „Der Tod hat einfach zu gute Laune“, meint ein Gast.

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Wie bei vielen Tour-Produktionen ist bei dem Musical Elisabeth das Bühnenbild minimalistisch gehalten. Man könnte auch sagen, spartanisch. Eine 16-teiliges Baukasten-Set bildet die Bühnenrückwand, an die unterschiedliche Szenen projiziert werden. Eine Lösung, die Fans von pompösen handgemalten Bühnenbildern enttäuschen wird. Aber in manchen Szenen funktioniert. Das kleine Minus bei der Bühnengestaltung wird durch den Einsatz einer Brücke und einer Drehbühne, einer cleveren Choreografie und unglaublich wandelbaren Darstellern in den Ensemble-Szenen wieder wett gespielt.

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Am Ende der Show glaubt man gar nicht, dass tatsächlich alle Darsteller beim Schlussapplaus auf der Bühne standen. Man hatte während des Stücks einfach den Eindruck, es wären viel mehr Künstler dabei.

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Das Musical Elisabeth ist ein schaurig schönes Stück und eines der wenigen, bei denen sich der Tod der Hauptfigur anfühlt wie ein Happy End. Dieses Musical ist eben kein Gute-Laune-Garant ist und will es auch gar nicht sein. Es ist eine gelungene Mischung aus musikalischen Glanzstücken, solider Performance und einer herzzerreißenden Geschichte. Eben dem Material, aus dem gute Musicals gemacht sind.

Vor der Show haben wir noch einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

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Backstage-Elisabeth6

Fotos: ReiseWorld
Fotos 1- 5: Labelle Juliane Bischoff

Termine Elisabeth Musical

25. Februar – 22. März 2015
Essen Colosseum Theater

26. März – 07. Juni 2015
München Deutsches Theater

07. Juli – 09. August 2015
Linz Landestheater

16. Dezember 2015 – 3. Januar 2016
Frankfurt Alte Oper

07. Januar – 14. Februar 2016
Berlin Admiralspalast

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