Koh Samui, Thailand, 83. Tag

9. September 2011
Die Mama-und-Papa-Felsen auf Koh Samui
Die Mama-und-Papa-Felsen auf Koh Samui

Die Mama-und-Papa-Felsen auf Koh Samui

Das ist unser erster Tag im beliebtesten Reiseziel in Südostasien: Thailand. Auf unserer Fahrt werden wir noch einige Stopps hier haben, und wir beginnen mit Koh Samui, Thailands drittgrößter Insel, die 560 Kilometer südlich von Bangkok liegt. Zum Archipel zählen auch viele weitere kleine Inseln, von denen jedoch die wenigsten bewohnt sind. Ko Samui hat gut 40.000 Einwohner, aber 400 Hotel- und Bungalowanlagen. Denn die meisten Menschen arbeiten für den Tourismus, dazu gibt es einige Fischer und Kokosnussbauern. Zwei Millionen Kokosnüsse werden jeden Monat (also 24 Millionen pro Jahr) aufs Festland verschifft. Gerade der Süden ist reich an Kokosnussplantagen.

Uns fällt bei unserer Inselrundfahrt sofort auf, dass hier überall sehr hohe Kokosnusspalmen stehen. Die Höhe sticht besonders ins Auge. In der Südsee hatten wir zum Beispiel erlebt, dass die Palmen oft besonders niedrig gezüchtet oder niedrig gehalten wurden, damit der Mensch besser an die Kokosnüsse herankommt. Hier spielt das keine so große Rolle, denn auf Koh Samui klettern Affen die Palmen hinauf. Auf der 247-Quadratkilometer-Insel gibt es zwei Affen-Schulen, in denen Makaken-Affen drei bis sechs Monate speziell ausgebildet werden. Ein Kurs kostet 5000 bis 6000 Baht, also bis zu 200 US-Dollar (~ Kurs 1 zu 30). Für die Einheimischen ist das eine teure Angelegenheit, aber sie zahlt sich aus: Mit Leichtigkeit klettert ein trainierter Affe die 30 Meter hohen Palmen hinauf, schnappt sich eine Kokosnuss und dreht so lange daran, bis das „Seil“ der Kokosnuss reißt und sie hinab fällt. Ein ausgebildeter Affe schafft so 700 bis 1000 Kokosnüsse pro Tag. Und das gut 20 Jahre lang. Insgesamt leben die Affen meistens gut 25 Jahre, aber die letzten Jahre dürfen die fleißigen Arbeiter in Rente verbringen. Wir schauen begeistert zu, wie die kleinen Äffchen immer wieder die Stämme hinauflaufen und machen natürlich auch einen Schnappschuss mit einem unserer genetisch Verwandten. Aber zu nah darf man nicht an sie heran, streicheln darf man auch nicht. Fremden sind die Affen oft nicht freundlich gesinnt.


Im Hintergrund sieht man einen Kokosnuss-Affen, den wir besucht haben

Im Hintergrund sieht man einen Kokosnuss-Affen, den wir besucht haben

Koh Samui ist zu zwei Dritteln mit Berglandschaft bedeckt, auf der ein üppiger Regenwald gedeiht. In dieses unwegsame Gelände kommen wir nicht, wir bewegen uns weiter entlang der 52 Kilometer langen Ringstraße. An der Küste wohnen die Menschen, und an der Küste befinden sich auch die Touristenzentren mit den tollen Stränden. Die Touristendörfer liegen an der Nord- und Südküste, weil es dort die breiteren Strände gibt. Beliebt ist Koh Samui insbesondere bei Rucksacktouristen, wir sehen zum Beispiel viele, als wir am Ort Lamai vorbei kommen. Dort bekommt man schon Bungalows für drei, vier Euro pro Nacht – allerdings dann nur mit Übernachtung, auch mal ohne fließendes Wasser. Insgesamt wirkt die Insel auch uns nicht gerade gepflegt; es reihen sich Bretterbuden und heruntergekommene Geschäfte aneinander, wir sehen wieder viel Müll und Staub und jeder wurschtelt sich hier so durchs Leben. Das reizt aber wohl viele Backpacker, die hier besonders genießen, dass man hier Motorroller ohne Helm fahren darf. Zumindest inoffiziell, offiziell herrscht Helmpflicht in Thailand, also auch hier. Aber daran stört sich auf Koh Samui niemand. Besonders cool ist man als westlicher Tourist erst, wenn man auf dem gemieteten Zweiradgefährt mit Bermudashorts und nacktem Oberkörper über die Ringstraße braust.

So kommen wir im Südosten auch an der Felsformation „Papa und Mama“ vorbei oder auch Opa-und-Opa genannt. Die Steine haben die Formen des männlichen und weiblichen Geschlechtsteils. Ob das nach oben ragende Felstürmchen Papa oder Opa sein soll, bleibt jedem Betrachter selber überlassen. Viel schöner finden wir die kleine Felsküste, gegen das türkisfarbene Wasser immer wieder gegen klatscht. Wegen der geringen Wassertiefe (oft unter fünf Meter) hat das Wasser eine so schöne Farbe, ließ die Astor aber daher auch nicht ganz nah heran. Wir mussten heute also tendern. Die richtige Besuchszeit haben wir auf jeden Fall erwischt, denn Regenzeit ist von Juli bis Dezember; im November kann es auch mal zwei, drei Wochen nur regnen. Jetzt ist schon Trockenzeit (Januar bis Juli). Ganz schön nass kann es trotzdem werden. Am Namuang-1-Wasserfall kommt das kühle Nass aus den Bergen im Herzen der Insel und fällt dann 30 Meter hinab. Dazu ist der Wasserfall 20 Meter breit und lädt dazu ein, sich natürlich zu duschen. Das nutzen insbesondere die vielen westlichen männlichen Proll-Touristen, die muskelbepackt und mit nacktem Oberkörper nicht nur auf den Rollern unterwegs sind, sondern auch den Wasserfall unsicher machen. Allerdings haben hier sogar auch schon Thailands Könige gebadet. Rund um den Wasserfall sehen wir andere Touristen, die es sich hoch oben auf dem Rücken eines Elefanten gemütlich machen. Dickhäuter hätten wir hier nicht erwartet. Die Elefanten wurden auf Thailand früher dazu gebraucht, Holz und andere schwere Gegenstände zu transportieren. Seitdem es Lkw gibt, werden die Elefanten nicht mehr dafür gebraucht – sondern nur noch für den Tourismus. Hier rund um den Wasserfall gibt es interessante Elefantenpfade, die in den Dschungel gehen und sehr schön am Wasserfall vorbeigehen.

Thomas’ Logbuch: Weniger schön ist die Behandlung der sanften Riesen: Bei den Touren werden sie von den Elefantenführern geschlagen und an der Basisstation steht ein Elefant angekettet in seinem eigenen Mist, nur damit er von Touristen gefüttert werden kann, die für das Futter jeweils ein paar Dollar geben. Vermeintliche Tierfreunde, auch aus unserer Gruppe, kaufen natürlich sofort ein bisschen Futter und haben Spaß dabei, den Elefanten zu füttern. Dabei funktioniert das System genau so. Solange jemand das Futter kauft und die Show-Fütterung durchführt, wird dieser arme Elefant dort angekettet bleiben.

Ein typisches Bild: Buddhistische Mönche

Ein typisches Bild: Buddhistische Mönche

Einer wird garantiert immer an seinem jetzigen Platz bleiben: Der sitzende Buddha im kleinen Ferienort Bo Phut. Ja, schon wieder ein Buddha. Die 15 Meter hohe Statue ist extra auf einer kleinen Insel angelegt worden, weil sich die Mönche bei der alten Buddha-Statue von den Touristen gestört fühlten. Dann wurde die Statue hier hin gesetzt – und die Touristen kamen hinterher. Jetzt ist am Fuß der Statue ein neues Buddha-Disneyland entstanden: mit Textilien-Läden, Imbiss-Ständen, und alles, was sonst noch zur Bespaßung dazugehört. Ganz ernst nehmen es die Thailänder dagegen mit ihren religiösen Regeln. Hinauf zur Buddhastatue darf man eigentlich nur barfuß laufen, aber weil die Steintreppen so unglaublich heiß werden, sind Schuhe zwischen 10 und 16 Uhr dann doch erlaubt. Von oben haben wir eine schöne Aussicht auf eine Bucht und das türkisfarbene Wasser. Was uns in Sachen Religion noch auffällt, sind die viele Mini-Tempel, die überall am Straßenrand stehen. In Kambodscha hatten wir diese zuerst entdeckt; hier ist es auch sehr ausgeprägt. Es handelt sich um Geisterhäuser. Denn wo auch immer ein neues Haus gebaut wird, wohnt ohnehin schon ein Geist. Und wenn auf dem Gelände dann ein neues Haus steht, braucht der Geist auch einen Platz zum Wohnen, also bekommen die Geister ihr eigenes kleines Haus. Sie sind so groß wie Vogelhäuschen, stehen auf einer Säule und sehen aber so erhaben aus wie goldene Tempel mit geschwungenen Spitzdächern. Der Unterschied zur Amsel-Unterkunft daheim: Anstatt Vogelfutter gibt es hier Obst und Gemüse zu essen. So ein Geist möchte schließlich auch nicht hungern. Wie ein Geist eine Opfergabe aufgefressen hat, ward jedoch bisher nicht gesehen.

Thailand. Thailand ist einer der wirtschaftlich führenden Staaten in Südostasien. Von der Fläche her ist Frankreich etwas größer. Thailand hat 65 Millionen Einwohner, wovon gut 13 Millionen in der Hauptstadt Bangkok leben (Übersetzung: Stadt der Enge). Damit lebt jeder fünfte Thai in Bangkok, was die Bedeutung der Hauptstadt für das Land signalisiert. Thailand ist eine konstitutionelle Monarchie. König Bhumibol Adulyadej ist seit 1946 Staatsoberhaupt, er ist damit der längste regierende Monarch der Erde. Er fungiert auch unter Rama IX., ist zentraler Hüter der Religion und nimmt daher eine bedeutende Rolle ein. 95 Prozent der Bevölkerung ist buddhistisch, vier Prozent gehören dem Islam an. Wie im südasiatischen Raum häufig, gibt es auch in Thailand sehr viele inoffizielle Sprachen, bei denen sich die Sprechenden nicht untereinander verständigen können: über 70 verschiedene. Im Gegensatz zu anderen Staaten in Südostasien nimmt die Bevölkerung in Thailand auf natürlichem Weg ab (ausgenommen Zuwanderung und kurzfristige Entwicklung), denn statistisch hat jede Frau 1,5 Kinder. Die Säuglingssterblichkeit liegt bei 20 von 1000 Neugeborenen.

Sicherheit in Thailand. Das Auswärtige Amt gibt mehrere Hinweise zur sicheren Verhaltensweise bei Aufenthalten in Thailand, da es in jüngster Zeit vermehrt zu terroristischen Anschlägen und auch zu gewaltsamen Raubüberfällen auf Touristen gekommen ist – teilweise mit Todesfolge, auch unter deutschen Staatsbürgern. Betroffen von Raubüberfällen sind insbesondere Bangkok sowie die Touristenzentren Phuket und Ko Samui. Touristen sollten daher keine Wertsachen mit sich herumtragen, nicht alleine reisen, nicht nachts und immer ein wachsames Auge haben. Eine beliebte Masche ist es, dass Taxi- oder Tuktuk-Fahrer Touristen ansprechen und sie zu anderen Zielen fahren, sie also verschleppen. Im besten Fall landet man in einem Geschäft, in dem man es kaufen soll oder muss. Man sollte daher niemals in Gefährte steigen, bei dem die Fahrer auf einen zugekommen sind, sondern immer nur in Taxis steigen, deren Fahrer man selber angesprochen hat. Oft arbeiten die Verbrecher auch mit der örtlichen Polizei zusammen und fingieren angebliche Verstöße, so kommt es zum Beispiel vor, dass die Polizei illegalerweise den Pass einbehält. An Stränden, insbesondere auch am bekannten Patong-Strand in Phuket, gibt es eine Masche, nach dem Touristen vorgeworfen wird, sie hätten Wassersport-Fahrzeuge wie Jetskis beim Benutzen beschädigt und müssten nun dafür zahlen. Die Polizeistation am Patong ist besonders dafür bekannt, mit den Betrügern zusammenzuarbeiten. Betroffene Touristen sollten sich in diesen Fällen sofort an die Deutsche Botschaft in Thailand wenden. In Süd-Thailand ist separatistisch motivierte Gewalt an der Tagesordnung. Nacktbaden oder sexuelle Handlungen in der Öffentlichkeit sind überall verboten; die Thailänder haben besonders empfindliche religiöse Gefühle, weshalb bei der Kleidung stets die Schultern bedeckt und die Hosen mindestens über das Knie gehen müssen.

Dies könnte Sie ebenfalls interessieren

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir zur Optimierung Ihres Lesegenusses Cookies verwenden. mehr

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir zur Optimierung Ihres Lesegenusses Cookies verwenden. Aus rechtlichen Gründen müssen wir Sie an dieser Stelle darauf hinweisen. Mehr Details gibt es auch in unseren Datenschutzbestimmungen, verlinkt im Impressum.

Close