Transatlantik Kreuzfahrt mit heftigem Sturm

26. August 2011
Welle im Meer

Katharinas Logbuch: Klatsch, Klatsch, Klatsch. Wenn der Metallbau des Schiffes auf die Wasseroberfläche knallt, klingt es als falle er auf pures Gestein. Wie lange hält ein Schiff so etwas aus, frage ich mich. Die Wellen auf unserer Transatlantik Kreuzfahrt werden immer höher und ich merke, wie der Motor um jeden Meter kämpfen muss. Um uns herum sind nur die Schwärze der Nacht und die Weiten des Atlantiks. Und was, wenn doch eine noch höhere Welle kommt? Hält das Schiff das aus? Und wenn nicht, welche Überlebenschance hätten wir hier mitten auf dem Meer?

Kein anderes Schiff Weit und Breit, nur die tosenden Wellen. Ich stopfe mir Ohropax in die Ohren und versuche das Knarren der Bohlen und das Rappeln der Wellen zu überhören. Außerdem verdränge ich Gedanken die im Entferntesten etwas mit Rettungsbooten, Seenotrettungskreuzern und der Titanic zu tun haben. Stattdessen mache ich Vorsätze für die nächsten Reisen: 1. Nie wieder Transatlantik Kreuzfahrt. 2. Nie wieder Seereise. 3. Von Acapulco aus nach Hause fliegen.

In der Nacht ächzt und knarrt das Schiff. Es steigt die Wellenberge empor um darauf acht Meter in die Tiefe zu knallen. Der Sturm hat die MS Astor auf ihrer Transatlantikroute fest im Griff. Vorsorglich nehmen wir ein paar Reisetabletten. Denn von den Spuckbeuteln, die überall im Schiff bereit hängen, möchten wir nicht Gebrauch machen müssen. Im Bett liegen gleicht einer Achterbahnfahrt in der Waagerechten. Auf und nieder geht es immer wieder. An Schlaf ist nicht zu denken, als das Schiff durch die tobende See stampft. Jeder Welle rollt gefühlt direkt unter unseren Kopfkissen her.

Als am nächsten Morgen die Sonne durch die gigantisch aufgetürmten Wolkenberge bricht, sind die Vorsätze der Nacht vergessen. Zwar lässt die Sonne die Situation nicht so bedrohlich wirken, doch der Atlantik  hat sich keineswegs beruhigt. Noch immer tanzt das Schiff auf dem tosenden Ozean. Wie in einem Hexenkessel brodelt und schäumt die See.  Der Wind schlägt uns aus Süd-West frontal entgegen. Bei Windstärke acht und bis zu acht Meter hohen Wogen hebt und senkt sich der Schiffskörper beängstigend. Mal sieht man übers Heck nur den Himmel,  Sekunden später läuft fast das Wasser übers Deck. Über die Bordkamera sehen wir, wie sich der Bug durch das Wasser frisst. Man sieht die Welle auf das Schiff zurollen, es erhebt sich. Sekunden später fällt es ewige Sekunden in die Tiefe und rast in den nächsten Wasserberg. Er schlägt über das Bug, das Wasser füllt die Spitze und eine unsichtbare Energie peitscht die Gischt bis auf die Scheiben der Brücke wie einen Regenschauer. Die Elemente bewegen das Schiff wie ein Spielzeugboot. Erst auf diesem riesigen Ozean realisiert man, wie klein ein Kreuzfahrtschiff ist und wie groß die Kräfte der Natur dagegen sind.

Ein Frühstück aus Brot und Saft wartet auf uns, mehr muten wir unserem Verdauungssystem noch nicht zu. Denn die Kotztüten hängen wie stille Mahnmale an den Treppengeländern. Im Restaurant tasten sich die anderen Passagiere langsam voran. Im Speiseraum ist es leerer als sonst. Doch viele der älteren Mitreisenden schlagen wie gewohnt zu. Man sieht Omeletts, Würstchen und Kartoffelpuffer auf den Tellern. Ein Mitreisender erzählt uns, ihm mache der Seegang gar nichts aus. Er findet es nur ärgerlich, dass das Personal aus Sicherheitsgründen das Wasser aus den Swimmingpools gelassen hatte. Er hoffe aber, dass wenigstes die Gymnastikstunde stattfindet. Während viele alte zäh sind, ist für andere die unfreiwillige Achterbahnfahrt beschwerlich. Denn bei diesem Geschaukel das Gleichgewicht zu halten ist ein Kunststück. So kommt es schon mal vor, dass sich bei besonderen Brechern Gäste und Kellner aus versehen in die Arme fallen. Ein Offizier sagt: „Auf uns als Babys hat es beruhigend gewirkt, als uns die Mutter im Arm hin und her gewogen hat. Wenn das Schiff ein bisschen schaukelt, fangen alle an zu schreien.“

EIn Unwetter zeichnet sich auf der Wetterkarte ab

Auf dem Atlantik herrscht Sturm während unserer Überfahrt

 

Die Kreuzfahrtdirektorin macht mit ihrer Ansage alle Hoffnungen auf schnelle Besserung zunichte: Der Seegang bleibe bei acht, mindestens bis Mitternacht. Und so sollte es sein. Selbst ein Restaurant und das Spa wurden geschlossen, weil die Mitarbeiter seekrank wurden. Gerade im à la Carte Restaurant angekommen, erhebt sich der Schiffsbau über einer hohen Woge. Geschirr und Besteck klirren in den Schränken, eine Tür schlägt mit voller Wucht zu. Brrram! Und ein kleines Stück der Holzfassade fliegt durch den Speisesaal. Eine Seefahrt die ist lustig…

Beim Abendessen erzählen sich die Passagiere ihre persönlichen Schauergeschichten von hoher See. Eine Mitreisende berichtet von dem Kreuzfahrtschiff Royal Star, dass in einem tropischen Zyklon fast gekentert wäre. Sie ist direkt nach dem Unwetter an Bord gekommen. Und die Besatzung habe ihr von dem traumatischen Erlebnis berichtet. Vor Madagaskar war das Schiff überraschend in den Sturm geraten. Bei 17 Meter hohen Wellen und peitschendem Wind war die Royal Star den Elementen ausgeliefert. Crew und Passiere konnten nicht mehr laufen, die Wände wurden zum Weg bei 45° starker Seitenlage. Die Crew hatte schon die Rettungswesten der Passagiere bereit gelegt. Denn selbst die Rettungsboote hätten nicht mehr heruntergelassen werden können, als die See das Schiff hin und her schmiss. Neben dem Kreuzfahrtschiff ist ein anderes Boot in der stürmischen See untergegangen.

Alle Videos von unserer Weltreise mit MS Astor findet ihr im ReiseWorld Youtube-Kanal.

Beruhigt sich die See am nächsten Tag? Die Antwort gibt es hier. Direkt zum ersten Artikel unserer Weltreise mit MS Astor geht es hier.

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3 Kommentare

  • Antworten Tina 7. Mai 2013 at 15:28

    schöner Blog mit tollen Infos!

  • Antworten Maderia, Kreuzfahrt auf die Blumeninsel - Ausflugstipps von ReiseWorldReiseWorld 20. Januar 2015 at 13:08

    […] Klickt hier für den nächsten Artikel über die Transatlantiküberquerung im Sturm der Serie “Weltreise mit dem Kreuzfahrtschiff”. Direkt zum ersten Artikel unserer Weltreise mit MS Astor geht es hier. […]

  • Antworten Nad. 18. April 2017 at 17:48

    Hey!
    Richtig schöner Reisebericht… Auf Schauergeschichten können wir ganz gut verzichten ;) Wir fahren Ende August ’17 von Hamburg nach New York und hoffen mal auf entspannten Wellengang!

    Ganz viele Grüße.

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