Bangkok, auf den Spuren des goldenen Buddhas

9. September 2011
Bangkok Grand Palace

Laem Chabang hat gut 60.000 Einwohner und liegt 100 Kilometer südlich von Bangkok und ist der größte Hochseeschiff-Hafen Thailands. Auf uns wirkt der Hafen erstaunlich neu, modern und sauber – was man von einem Industriehafen zunächst gar nicht erwartet. Es ist aber bisher einer der saubersten Häfen! Für Kreuzfahrtschiffe ist es günstiger, hier zu liegen als direkt bis nach Bangkok zu fahren. Für uns ist das kein Problem, wir fahren morgens früh mit dem Bus los und erreichen nach etwas über anderthalb Stunden Bangkok. Die im Laufe der Geschichte vierte Hauptstadt Thailands ist erst 220 Jahre jung, aber hat eine rasante Entwicklung hinter sich. Heute hat Bangkok offiziell acht Millionen registrierte Einwohner, mit Saisonarbeitern sollen es 13 Millionen sein, 16 Millionen im Großraum. Die Hälfte des Bruttosozialprodukts Thailands wird hier erwirtschaftet, 90 Prozent des Außenhandels läuft über Bangkok. Doch Bangkok ist nicht nur industrielles, sondern auch religiöses Zentrum. Und auf letzteres fokussiert unsere Tour.

Bangkok Skyline

Zunächst fahren wir über die Autobahn an den Vororten Bangkoks vorbei. Bauruinen gibt es häufiger, denn die Thais denken optimistisch und fangen gerne rasch an zu bauen, auch wenn die Finanzierung nicht völlig gesichert ist. In diesen Außenbezirken bekommt man eine Wohnung mit Schlafzimmer, WC und Balkon (ohne Kochnische) schon für 130 Euro im Monat. Es ist durchaus üblich in Bangkok, keine Küche zu besitzen, weil man sich günstig in großen Malls oder bei den kleinen Garküchen in den Straßen versorgen kann. Eine komplette Wohnung dagegen und in Citylage kostet schon mal 1000 Euro im Monat. Und noch teurer sind tolle Autos, denn in Thailand gibt es eine hohe Luxussteuer.

Bangkok Strasse

Ein Mercedes kostet so viel wie ein Haus mit 300 Quadratmeter-Grundstück: fünf Millionen Baht oder umgerechnet 125.000 Dollar. Auf dem Weg rein in die Stadt kann uns unsere Gästeführerin einiges über die thailändische Kultur erzählen und wie die Leute so ticken, wie man so schön sagt. Unsere freundliche und immer gut gelaunte Führerin erzählt uns, dass sie stolz sei, „rein Thai“ zu sein – und nicht etwa einen chinesischen Vater oder eine chinesische Mutter hat. Chinesen und Taiwanesen werden ein wenig belächelt, sie gelten unter anderem als Streber. „Wir lesen nicht so viel wie in Taiwan oder China, lesen macht schlechte Augen!“, lacht unsere Führerin, wobei sie das auch ein bisschen ernst meint. Die Thais sind sehr stolz auf ihr Land und abgesehen von Oppositionellen stehen die meisten hinter ihrem König, dem „besten König der Welt“, wie unsere Gästeführerin ihn bezeichnet.

Bangkok Strasse

Thomas’ Logbuch: Uns gefällt die Autobahnfahrt sehr gut, denn neben den interessanten Informationen aus und über Thailand genießen wir die Vorzüge deutscher Wertarbeit. Der Bus ist nämlich ein klassischer Mercedes-Reisebus aus den 80ern. Vom Design her sind das die Mercedes-Baureihen mit hellem Leder als Innenausstattung und den schwarzen geschwungenen Plastikgriffen – bei Pkw an den Türen von innen, hier im Bus als Haltegriff an den Sitzen. Für mich sind die Mercedes dieser Baureihen ein Einbegriff für „Deutschland“. Natürlich nicht mehr unbedingt für das heutige Deutschland, aber für das Deutschland, das in der Welt bekannt geworden ist. Und umso mehr finde ich es witzig, dass wir heute noch davon profitieren, dass wir Deutschen vor 20, 30 Jahren so gute Autos gebaut haben, die heute noch laufen und sogar mehr Komfort haben als viele moderne.

Der Marmortempel in Bangkok

Der Marmortempel in Bangkok

Den ersten Halt machen wir am Marmortempel, im Original heißt er Wat Benchamabophit. Er stammt aus dem Jahr 1899 und hat das in Thailand typische dreistufige Giebeldach. Den Marmor jedoch hat man gänzlich aus Italien hierher verschifft. Mit einem Marmorgebiss brüllen uns auch die Tempelwächter an, zwei birmanische Löwe, die auf edlen Marmorsockeln stehen. Im innern glänzt ein 15 Meter hoher goldener Buddha, der allerdings nicht gänzlich aus Gold besteht, sondern vorwiegend aus Bronze. Dazu kommen im Innenhof noch 53 kleinere Buddha-Figuren. Schon dieser Tempel ist eigentlich sehr beeindruckend, aber wenn man in den letzten Wochen schon 1000 verschieden Buddhas gesehen hat, dann macht einen das schon etwas buddha-müde.

Ein ganz anderes Ausmaß hat der 1782 errichtete Grande Palace. Erst ist von vier Mauern umgeben, die jeweils 1900 Meter lang sind. Davor und darin tummeln sich die Touristenscharen. Auf dem Bürgersteig bleibt kaum noch Platz und die kleinen Lücken füllen Wander-Händler. Sobald wir aus dem Bus gestiegen sind, stürzen sich die Händler auf uns, wollen uns zum Beispiel Postkarten oder etwas größere Malereien anbieten. Wir sind dagegen froh, wenn wir auf dem Gehweg vorankommen – angesichts tropischer Hitze. 34 Grad im Schatten und eine Luftfeuchtigkeit so hoch, dass die das Kamera-Objektiv beschlägt. Da bleibt uns nur eines übrig, nämlich doch ein Angebot der Händler wahrzunehmen.

Katharinas Logbuch: Bei dieser Hitze muss eine Erfrischung her. Wie in den meisten asiatischen Städten kein Problem, denn überall stehen Händler am Straßenrand und bieten eine besondere Spezialität der Region an: Kokosnüsse. Die jungen Kokosnüsse enthalten noch besonders viel Wasser – ein herrlich süßer, frischer Saft. Gut gekühlt erfrischt er besonders. Mit einem gekonnten Schlag kappen die Verkäufer die Frucht, Strohalm rein und schon kann man das Kokoswasser genießen. Heute gönne ich mir gleich zwei. Schließlich muss man seinen Flüssigkeitsvorrat wieder auffüllen, wenn man gefühlte einen Liter pro Stunde ausschwitzt.

Gestärkt betreten wir den Palast-Komplex, der mehrere Elemente umfasst: den königlichen Palast, Thronhallen, einige Regierungsgebäude und das königliche Kloster mit dem Tempel des Smaragdbuddhas (Wat Phra Kaeo). Bevor wir den Tempelbezirk betreten dürfen, müssen wir uns einer strikten Kleidungskontrolle unterziehen. Zum Glück wussten wir vorher Bescheid. So haben wir lange Hosen an und ein dünnes langes Hemd. Allzu knappe Kleidung ist für Herren und Damen verboten, wobei Thomas sein Hemd hochgekrempelt lassen darf. Ein Mitreisender hat sich kurzerhand eine lange schlafanzugartige Hose am Straßenrand gekauft, die er überzieht. Ein anderer Gast, der mit kurzer Hose eintreten will, wird von den Kontrolleuren aussortiert. Die Alternative: Sich in eine lange Schlange stellen und sich Kleidung am Tempel ausleihen. Ein weiterer Mitreisender kommt nicht hinein, weil seine Jeans ein kleines Loch auf dem Oberschenkel hat. Hintergrund der ganzen Geschichte: Frauen dürfen die Mönche (von denen wir keinen dort sehen) nicht anfassen und müssen sich sittlich anziehen, weil die Mönche sonst sexuelle Fantasien bekommen könnten. Und im Einklang dazu müssen die Männer sich dann auch weitgehend bedecken. Wenigstens herrscht hier in sofern Geschlechtergleichheit.

Der Tempelkomplex ist ein prunkvolle Widmung an Buddha. Blattgold glänzt in der Sonne, kleine Spiegelornamente reflektieren das Sonnenlicht. Aufwändige, kleinteilige Verzierungen schmücken jede Wand der Gebäude. Überall funkelt und glitzert es. Der Tempelkomplex symbolisiert Reichtum. Charakteristisch für ihn sind die drei Türme: Ein Reliquienschrein in Form eines goldenen Chedis, der Reliquien von Buddha beherbergen soll, in der Mitte der so genannte Mondop, ein Aufbewahrungsort für heilige buddhistische Palmblattschriften sowie ein königliches Pantheon mit Statuen früherer Monarchen. Im Herz der Anlage residiert der legendäre Smaragdbuddha auf einem hohen, goldglänzenden Schrein. Die nur 66 Zentimeter kleine grüne Figur hat man im Jahr 1434 entdeckt, sie ist aber schätzungsweise über 2000 Jahre alt. Buddhisten aus dem ganzen Land pilgern zu diesem Tempel, um die Jadefigur zu verehren.

Bangkok_LiegenderBuddha

Auch der Tempel des ruhenden Buddha ist eine Pilgerstätte für die Thais. Wat Pho ist der älteste und mit 800 Hektar der größte Tempel in Bangkok. Etwa 300 Mönche leben in der Anlage, dessen ganzer Stolz ein 45 Meter langer und 15 Meter hoher liegender Buddha darstellt. Die riesige Figur, gefüllt mit Ziegelsteinen und verziert mit Blattgold füllt die Halle, in der sie liegt, fast komplett aus. So ist sie kaum in ihrer majestätischen Größe zu sehen, denn man muss sehr dicht vor ihr stehen.

Eine weitere berühmter Figur erstrahlt im Tempel des Goldenen Buddha. Wir erklimmen zahllose Treppenstufen um die dreieinhalb Meter hohe Buddhastatue zu sehen. Sie ist etwas ganz besonderes, besteht sie doch aus 80 Prozent massivem Gold. Mit ihren 5500 Kilogramm ist die Figur ein wertvolles und begehrliches Objekt. Der goldene Buddha stammt aus dem ersten Thai-Großreich (von 1283 bis 1438) und hat nur mit viel Glück zahlreiche Kriege und Plündereien der Nachbarvölker überstanden. Die Mönche haben sein glänzendes Antlitz während unruhigen Zeiten stets mit Gips beklebt. So sahen potenzielle Räuber einfach einen großen, grauen Buddha, den es nicht mitzunehmen lohnte.

Bangkok Fluss

Auch das Wahrzeichen Bangkoks ist ein Tempel. Der 86 Meter hohe Zentral-Prang von Wat Arun bestimmt die Stadtansicht am Menam Chao Phraya Fluss. Der Fluss ist eine zentrale Verkehrsader der Stadt. Fähren kreuzen von einem Ufer zum anderen, kleine Frachtschiffe schieben Lasten über das Wasser. In den kleineren Nebenflüssen, den so genannten Klongs, spielt sich das Leben zahlreicher Familien direkt am Wasser ab. Sie leben in Pfahlbauten direkt am Ufer. Manche von ihnen sind marode und instabil, andere wiederum zeigen sich voller Stolz in grellen Farben geschmückt mit bunten Blumen. Bauern paddeln in die Kanäle, um ihre Waren auf den schwimmenden Märkten anzubieten. Auch im Wasser wimmelt es nur so vor Leben. Wo buddhistische Tempel am Ufer stehen, darf nicht gefischt werden. An den Stellen kann sich die Fischpopulation erholen. Wir werfen ein paar Brotkrumen ins Wasser, plötzlich schnappen Scharen von Welsen nach der willkommenen Nahrung.

Wat Arun in Bangkok

Die Menschen in der Hauptstadt essen selten zuhause, kaum ein Thai nutzt seine eigene Küche. Denn überall in Bangkok kann man sich günstig und schnell mit leckeren Gerichten versorgen. Kleine Garküchen und Stände säumen die Straßen. Die Händler braten Fisch frisch in der Pfanne, bereiten Wok-Gerichte zu oder schneiden frisches Obst auf. Was für den Touristen eine abenteuerliche kulinarische Erfahrung sein kann, ist für die Thais normal. Uns bleibt dieses Erlebnis heute verwehrt, wir essen Royal River Hotel. Dort serviert man uns eine Art Asiatische, Europäische Fusion Food. Sehr milde Gaeng Gerichte, eine Art Curry, die obligatorischen Frühlingsrollen aber auch Kartoffelauflauf, Rote Beete und Creme Brûle. Hier hat man sich also auf seine Gäste eingestellt. Wir vermissen ein bisschen Gewürze wie Lemongras, Chili, Ingwer oder Thai-Basilikum, aber es schmeckt trotzdem. Somit ist unser elfstündiger Tagesausflug in die Megacity Bangkok trotz der Hitze eine schöne Erfahrung.

Bangkok Garkueche

Geschichte von Thailand. Schon 6000 v. Chr. wurde Reisanbau in Thailand betrieben. Die Bronzeverarbeitung wird auf 3000 v. Chr. datiert. Im 1. bis 6. Jahrhundert siedelten sich indische Händler an der Südküste Thailands an und prägten die kulturelle Entwicklung. Ab dem 7. Jahrhundert kam der Buddhismus nach Thailand; Siamesen wanderten aus Südchina ein und übernahmen ab dem 12. Jahrhundert die Herrschaft. Es folgten mehrere unterschiedliche Königreiche. Die kulturelle Blüte erlebte Thailand zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert. Birma plünderte 1767 die damalige Thai-Hauptstadt Ayutthaya, woraufhin 1782 Bangkok gegründet und zur Hauptstadt ernannt wurde. Seit dem 19. Jahrhundert hieß das Land Siam. Die Regierung nahm diplomatische Beziehungen zu Europa auf und Thais kämpften im Zweiten Weltkrieg 1917 an der Seite der Franzosen. 1932 wurde die konstitutionelle Monarchie eingeführt, die bis heute gilt. Im Zweiten Weltkrieg besetzten die Japaner das Land. Nach dem Krieg wurde Thailand Mitglied der Vereinten Nationen. Bis 1939 hieß es noch offiziell Königreich Siam, der neue Name Thailand bedeutet „Land der freien Menschen“. Denn es ist das einzige Land in Südostasien, das in seiner Geschichte nicht kolonisiert wurde. 1940 unterzeichnete Thailand einen Vertrag mit Japan und kämpfte im Zweiten Weltkrieg auf deren Seite. Seit 1946 steht König Bhumibol alias Rama IX an der Spitze. 1997 traf die Asienkrise das Land wirtschaftlich hart. Danach hat sich Tourismus als einer der Motoren des wirtschaftlichen Aufschwungs bewiesen.

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