Madeira, die raue Schönheit

26. August 2011
Astor im Hafen von Funchal Madeira

Madeira, die Schöne im Atlantik begrüßt uns mit rauer See. Schaumkronen tanzen auf dem schwarzen Wasser, als wir uns dem Hafen von Funchal nähern. Der Lotse kommt an Bord und der Kapitän steuert die Astor rückwärts in das Hafenbecken. Doch das Meer drückt aufs Land, das Schiff steuert direkt auf die Kaimauer zu. Die Situation ist brisant, sogar der Lektor muss seinen Vortrag abbrechen, der über die Schifflautsprecher an Deck übertragen wird. Wir hören den Wind pfeifen und wie die Wellen gegen das Schiff schlagen. Nun kommen zwei Schlepperboote und ziehen unser Schiff auf den rechten Kurs. Wir haben Glück und legen nach einer halben spannenden Stunde an. Ein anderer Megaliner musste abdrehen. Das Schiff konnte nicht in Funchal einlaufen. Vermutlich, weil die großen Schiffe verhältnismäßig schlecht zu manövrieren sind, gerade bei starkem Seegang in kleinen Häfen.

Eine dunkle Wolke schmiegt sich an die Berghänge über der Inselhauptstadt. Wie bunte Bonbons liegen die pastellfarbenen Häusern an den Felsen verstreut. Die Hafenpromenade erstrahlt schon in weihnachtlichem Glanz. Die Bewohner der portugiesischen Insel sind größtenteils katholisch und stimmen sich so auf die Festtage ein. Wir möchten den Nordosten Madeiras erkunden. Auf dem Weg halten wir auf der Anhöhe Miraduro do Pináculo um einen grandiosen Ausblick über Funchal zu erhalten. Weiter geht es über das Zentrum des Zwiebelanbaus Canico und den Fischerort Santa Cruz. Es ist eine Strecke die das Auge mit atemberaubenden Panoramen verwöhnt. Denn wir haben einen freien Blick auf die felsige Küste, das aufgewühlte Meer sowie die Nachbarinsel Porto Santo, die im grauen Dunst liegt. Wir fahren immer höher ins Inselinnere, passieren das Mochico-Tal, Fajal sowie Santana, wo die traditionellen Sklavenhäuser stehen, die nun zu Touristenläden umfunktioniert wurden.

 

Die steilen Hänge der Blumeninsel Madeira

Die steilen Hänge der Blumeninsel Madeira

 

Als wir uns auf den Weg 1.410 Meter hohen Poiso-Pass machen, stoßen wir in die Wolken vor. Der Nebel verdichtet sich, man kann die Häuser neben der Straße nur mit Mühe erkennen. Unser Bus schlängelt sich immer weiter die Serpentinenstraßen hoch. Zu den Nebelschwaden gesellen sich Regentropfen. Der Busfahrer fährt gegen eine weiße Wand aus Feuchtigkeit. Seine Sicht reicht keine fünf Meter. Es stürmt. Heftiger Wind ergreift die Bäume neben uns und zwingt sie zu akrobatischen Bewegungen. Vor uns liegt ein Stein auf der Fahrbahn, dann wieder zwei Geröllbrocken, später ein Baum.

Thomas’ Logbuch: Schade. Was für ein Pech. Ich war schon zweimal auf Madeira und hatte bisher immer Glück, tolles Wetter, nicht zu warm, nicht zu kalt. Sonnenschein. Ich habe mir das Cabo Girao angesehen und war völlig beeindruckt von der Steilküste und konnte von dort aus Madeiras ganze Schönheit beobachten. Diesmal, so hatte ich mir erhofft, wollte ich den Nordosten richtig kennen lernen. Denkste. Bis auf Nebel kann ich kaum etwas sehen. Aber trotzdem: Die Tour lohnt sich, weil man eben auch Madeira sieht. Und der Nebel, die Feuchtigkeit, gehört eben auch zu der Blumeninsel. Sonst wäre es hier nicht so grün. Trotz des schlechten Wetters sehen wir die kleinen Santana-Häuschen auf der Hochebene, in denen früher Sklaven gehaust haben und die heute als typisch madeirensisch gelten. Weiter auf der Fahrt machen wir noch Halt bei einer Korbmanufaktur, ebenfalls typisch für Madeira. Hier sehen wir einem Korbflechter noch live bei der Arbeit zu. Eigentlich machen die Einwohner das jeweils zu Hause und bringen dann die fertigen Produkte in den Laden, aber hier machen die Arbeiter das erstens auch mal gerne für die Touristen und zweitens entstehen teilweise riesige Arbeiten – wie ein ganzes Schiff aus Korbgeflecht. Spannend und mystisch ist es auch in den nebeligen Wäldern, etwas weiter hoch oben in den Bergen. Eine andere Sicht auf Madeira, eine nebelige Sicht – die aber trotzdem lohnt.

 

 

Auf dem Weg zum Schiff spritzt eine Welle über die Hafenmauer auf den Bus. Der Ozean ist launisch an diesem Tag. Das Schiff wiegt hin und her, obwohl es noch fest liegt. Der Kapitän möchte den Hafen früher verlassen als geplant, bevor die hohe See kommt. Es herrscht Hektik an Bord. Die Kreuzfahrtdirektorin meldet sich mehrmals per Lautsprecher zu Wort und kündigt „eine stürmische Nacht“ an. „Und denken Sie daran, eine Hand für Sie, eine Hand für das Schiff.“ Soll heißen: Immer gut festhalten. Als wir unsere Kabine betreten, hat die Stewardess schon die Gläser und Wasserflaschen auf den Teppichboden gestellt. Unsere Badutensilien hat sie vorsorglich liebevoll im Waschbecken drapiert. Vielleicht damit Zahnpasta, Rasierschaum und Co. nicht aus den Regalen purzeln.

Katharinas Logbuch: Der Atlantik hat unser Schiff fest im Griff. Er lässt seine Wassermengen schäumen und brodeln. Bei voller Kraft voraus hebt und senkt sich das Schiff im Getöse des Meeres. Mal jetzt, mal gleich, mal wieder jetzt erhebt sich die eine Seite, weiter, immer weiter nur um gleich wieder in die Tiefe zu fallen. In unserer Kabine höre ich die Decke knarren und den Boden knacksen, bis schließlich ein lautes Krack ertönt. Ich frage mich: Ist eigentlich schon mal ein Kreuzfahrtschiff durchgebrochen?! Ich taumele, stoße an den Tisch, an den Schrank, kann kaum einen Fuß vor den anderen setzen. Ich fühle mich nicht nur leicht beschwipst, sondern hochgradig besoffen. Vom Meerwasser. Erholung auf See steht im Katalog. Von wegen! Und der Sturm wird noch stärker… (nächste Folge)

 

Madeira. Madeira, auch bekannt als die Blumeninsel, liegt mitten im Atlantik, etwa 1000 Kilometer von Portugal entfernt. Es bildet mit seinen kleinen Nachbarinseln eine autonome portugiesische Provinz. Britische Soldaten waren hier im zweiten Weltkrieg stationiert und blieben teilweise nach Ende des Krieges dort, was ein Grund für die starke Vertretung englischer Touristen ist. Gerne erzählt wird auch, dass Winston Churchill im Fischerdorf Camara de Lobos Urlaub machte und dort Bilder malte. Von den 250.000 Einwohnern leben gut die Hälfte in der Hauptstadt Funchal. Von dort aus geht eine Seilbahn hoch zum Bergdörfchen Monte, wiederum Start für eine abenteuerliche Fahrt die Straße hinunter mit traditionellen Holzschlitten. Landschaftlich ist Madeira geprägt von seiner nahezu immerblühenden Fauna und den rauen Steilküsten – wie zum Beispiel das Cabo Girao, zweithöchste Steilklippe der Welt und die steilste Europas (Die steilste der Weg liegt in Norwegen). Von dort aus hat man einen imposanten Blick auf das Meer und auch auf die Hauptstadt Funchal. Darüber hinaus bietet es sich an, Katamaran-Touren zu machen, um sich das Cabo Girao von unten anzusehen und vielleicht auch Gruppen von Delfinen oder sogar Wale. Madeira hat ein ganzjährig angenehmes Klima, im Winter meistens etwas unter 20 Grad, im Sommer etwas darüber. Nur Sandstrände gibt es auf Madeira nicht, dafür fahren Madeirenser und Touristen herüber zur Nachbarinsel Porto Santo, wo angeblich schon Kolumbus zu baden pflegte.

Alle Videos von unserer Weltreise mit MS Astor findet ihr im ReiseWorld Youtube-Kanal.

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