Magnetic Island, Townsville, Australien

2. September 2011
Rocks Magnetic Island

Heute können wir endlich rote australische Erde sehen! Über der Stadt Townsville thront ein roter Felsen. Wir bedauern ein wenig, dass wir auf unserer Kreuzfahrt nicht das australische Outback sehen, daher die Freude über etwas kahles Gestein. Ansonsten hat Townsville natürlich nichts mit dem trockenen Zentrum Australiens zu tun.

Townsville Habour

Die 100.000 Einwohner-Stadt ist die größte tropische Stadt in Nord-Queensland und hieß bis 1865 Cleveland Bay. Danach wurde sie in Townsville umbenannt, das heißt übersetzt nicht Stadt-Ort, sondern Ort von Towns, nach dem Unternehmer Robert Towns, der die Entwicklung der Stadt finanziell unterstützt hat. Die Stadt beherbergt noch einige ursprüngliche Häuser im Kolonialstil, was eine kleine Stadtrundfahrt reizvoll macht. Auch auf den großen roten Berg kann man fahren und eine schöne Aussicht genießen.

Wir wollen allerdings auf die benachbarte Insel Magnetic Island und setzen mit einem Katamaran über. Den Namen hat die Insel von James Cook, dessen Kompass an dieser Stelle verrückt spielte. Es konnte allerdings nie nachgewiesen werden, dass das Granitgestein irgendeine magnetische Wirkung hat. Sei es drum, der ausgefallene Name blieb. Und der höchste Punkt der Insel mit 497 Metern heißt Mount Cook.

Rocks Magnetic Island

Die 52 Quadratkilometer große Insel besteht hauptsächlich aus Granit, die massiven Felsblöcke stehen wie magisch aufgestapelt an manchen Felshängen und an den Küsten. Sie sind teilweise haushoch und scheinen abzukippen, stehen aber doch bombenfest. An den Felsen der Geoffrey Bay wohnen die Rock Wallabies zwischen den Steinquadern. Die Kleinstkängurus suchen sich zwischen den Felsen Schatten und lassen sich auch gerne von Besuchern füttern. Toll, diese süßen Tiere inmitten dieser beeindruckenden Felsen zu sehen. Ein Granitblock, der einen Tunnel formt und sich auf einen anderen Felsen lehnt, wurde vorsichtshalber mit Beton abgegossen, aber so, dass es nicht groß auffällt.

RockWallabies

Weiter geht unsere Busfahrt entlang der großen Pinien- und Eukalyptuswälder, zwei Drittel der Insel ist Nationalpark. 2500 Einwohner gibt es hier – und es soll genau so viele Koalas geben – die dichteste Bevölkerung von wilden Koalas in ganz Australien. Die Aborigines wurden hier vollständig vertrieben, im Jahr 1914. In Strandnähe hat man einen kleinen Friedhof entdeckt, sehr ungewöhnlich, weil man ansonsten nie Aborigine-Friedhöfe findet. Das kleine Gebiet ist spärlich eingezäunt und umfasst gerade gut vier mal vier Meter. Ein paar Meter weiter an der Küstenstraße stehen alte verlassene Bungalows – die aber wegen ihrer Lage am Wasser noch über eine Million australischer Dollar kosten. Der Umrechnungskurs zu einem Euro ist wohl gemerkt 1,39 – also nicht gerade ein Schnäppchen.

Koala Sign Magnetic Island

Alle Häuser sind jedoch aus Holz und allgemein sehr leicht gebaut, auch die Dächer. 1971 wurde Magnetic Island von einem Zyklon komplett zerstört. Heute sind die Bewohner sehr wachsam, direkt am Hafen steht ein großes Schild, das die jeweilige Zyklon-Warnstufe anzeigt. Ansonsten droht hier nur Gefahr von giftigen Schlagen. Auf der Insel gibt es fünf Arten von Schlangen, darunter eine der giftigsten, die Todesotter. Harmloser sind dagegen die vielen Schildkröten, die am Strand zu dieser Zeit gerne ihre Eier ablegen. Jetzt, wo wir im Norden gerade Winter haben, herrscht hier die Regenzeit, mit Temperaturen um die 35 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit.

Beach Magnetic Island

Ab April sinkt die Luftfeuchtigkeit und die Temperaturen pendeln sich auf 25 Grad ein. Ansonsten ist noch die Saison für Quallen zu beachten, die von November bis Mai geht. Und das spüren wir am eigenen Leib. Bei einem Badestopp schwimmen wir innerhalb eines gut 40 mal 40 Meter großen Schwimmnetzes, das gegen Quallen schützen soll. Von wegen. Ein paar Würfelquallen müssen es wohl doch durchs Netz geschafft haben, uns brennt der ganze Körper, schnell huschen wir wieder hinaus. Wir hatten aber noch einmal Glück, es juckt nur ein wenig. In schlimmen Fällen setzt bei diesen Quallenstriemen sogar Atemnot ein.

Beach Magnetic Island

Unseren Busfahrer David mit Crocodile Dundee Hut schreckt das nicht ab. Er lebt nun schon seit 13 Jahren auf Magnetic Island. „Ich weiß nicht warum, aber irgendwie sind meine Frau und ich hier gelandet. Wir brauchten eine Veränderung“, sagt er. Australier wechseln gerne und oft ihre Häuser, aber zahlen sie auch wieder überdurchschnittlich schnell ab. Die idyllische Insel sei gut für Davids fünf Kinder, sehr familienfreundlich. Hier besuchen sie eine gute Grundschule, wie David meint, und später können die Jugendlichen nach Townsville zur weiterführenden Schule gehen und sogar zur örtlichen Universität. David war selber im Alter von 16 Jahren von Neuseeland nach Australien eingewandert. In Australien gab es damals viel Arbeit in der Zuckerrohr-Industrie. Und außerdem wollte David immer einmal Stockman werden – das ist der australische Begriff für den Cowboy. 1965 kam David in die bekannteste nordaustralische Stadt Darwin, wo er 32 Jahre lang auf einer Farm arbeitete, zuletzt als Vorarbeiter, bis er sich verliebte. „Mein Boss hatte drei hübsche Töchter und ich habe die schönste geheiratet“, erzählt David und lacht mit seiner verrauchten Stimme.

Koala Magnetic Island

Geschichte der Aborigines. Vor 56.000 bis 68.000 Jahren war Australien schon von Aborigines bevölkert. Diese Datierung fußt auf Skelettfunden in einem ausgetrocknetem See (1999). Die Menschen waren über eine Landbrücke (der Meeresspiegel war niedriger) aus Südasien eingewandert. Der Urbevölkerung gelang die Anpassung an eine karge Umwelt, wobei einige Regionen damals noch fruchtbarer waren als heute. Jahrtausendelang lebten die Aborigines für sich und entwickelten eine eigene Gesellschaft und Kultur. Für die westlichen Eroberer waren sie jedoch schlichtweg primitiv. Als 1788 die Besiedlung begann, gab es noch schätzungsweise 300.000 Aborigines. Zunächst bewunderten die Aborigines die neuen Einwanderer, dies war jedoch schnell vorbei, als sie aus ihren Stammesgebieten verdrängt wurde. Die Einwanderer zerstörten ihren Lebensraum und ihre Kultur. Die Aborigines setzten sich mit einer Guerillataktik zu Wehr, woraufhin noch mehr Gewalt folgte. Seit 1816 setzt die Proclamation of Native Outlawry fest, dass Aborigines ohne Strafe getötet werden dürfen. Die Eroberer schossen auf die Ureinwohner wie auf wie wilde Tiere, teilweise sogar aus fahrenden Zügen. Nur noch im Norden und im Wüsten-Zentrum Australiens konnten die Aborigines noch eingeschränkt für sich weiterleben. 1986 gab es noch 227.000 Aborigines. Auch heute stehen viele Aborigines am Rand der Gesellschaft. Wir selber sehen im Stadtzentrum von Townsville einen Aborigine, der auf der Straße schläft. Der Ayers Rock, für die Ureinwohner Uluru, wurde einst entweiht und durfte sogar bestiegen werden. Zumindest diesen heiligen Ort erhielten die Aborigines zurück.

Koala Magnetic Island

Dingo. Der Dingo, der australische Wildhund, kam mit den Aborigines nach Australien – genau genommen in der dritten von drei Einwanderungswellen der Aborigines. Die Dingos kamen als Haushunde mit und einige verwilderten und pflanzten sich fort. Der Dingo stammt allerdings direkt vom Wolf ab, kann also auch nicht bellen, sondern nur heulen. Außerdem macht dies auch klar, dass es sich um ein Wildtier handelt. Darum gibt es auch heute noch Unfälle, wenn Menschen zu unvorsichtig sind. So sind Kinder schon von Dingo totgebissen wurden. Der Dingo ist darüber hinaus auch der zweitschlimmste Feind des Kängurus, weil er die Jungtiere fressen kann. Der zweitschlimmste Feind – nach dem Menschen.

Wir sind gespannt auf das Great Barrier Reef morgen! Lest mehr im nächsten Artikel der Serie „Weltreise mit dem Kreuzfahrtschiff“. Direkt zum ersten Artikel unserer Weltreise mit MS Astor geht es hier.

Alle Videos von unserer Weltreise mit MS Astor findet ihr im ReiseWorld Youtube-Kanal.

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