Martinique, Land in Sicht

26. August 2011
Frauen auf Martinique in der Karibik

Nach sechs Tagen auf See heißt es gegen Mittag darum endlich: Land in Sicht! Vor uns liegt Martinique. Es entfaltet sich eine hügelige Landschaft, nur in der Ferne lassen sich die hohen Vulkane der Insel erahnen. Der Rocher du Diamant, ein charakteristischer Fels, thront in der Brandung wie ein Schutzschild. Der Nordosten von Martinique ist geprägt von grünen Hängen, idyllische Buchten mit winzigen Stränden und Häusern wie Spielzeug, die in den tollsten Farben strahlen. Kleine Fischerboote und Segler genießen den warmen Wind und das royalblaue Wasser.

Wir legen auf Martinique in dem gut ausgebauten Kreuzfahrtterminal der Inselhauptstadt Fort de France an. Wir sind eines der wenigen Schiffe, die das französische Überseeterritorium ansteuern. In der Saison von Oktober bis März empfangen die Inselbewohner nicht mehr als ein Schiff pro Monat. Denn der starke Euro macht die Karibikinsel für amerikanische Touristen und deren Megaliner unattraktiv.

Zu unseren Füßen liegt Fort de France mit seinen Fassaden in rosa, gelb und blau. Palmen säumen die Straßen und das Fort thront mit seinen mächtigen Mauern am Ende der Promenade. Hier gibt es zwar international standardisierte Fastfood-Ketten und Geschäfte, aber auch fliegende Händler und in den Seitenstraßen lokale Läden. Wie der Chinois, der China-Laden, in dem ein alter Asiate in engen Gängen künstliche Blumen, Kaffeekannen, Plastik-Buddhas und Haarfärbemittel an Einheimische verkauft.

Wir stürzen uns in das bunte Treiben von Martinique in den kleinen Gassen: Hier verkauft eine Frau bunte Cocktails an einem Straßenstand, dort steht ein Plastikschneemann und begrüßt die Passanten. Wir sehen Weihnachtsmotive, Nikolausmützen und Tannenbaumschmuck in jedem Ladeneingang. Dabei steht die Sonne fast im Zenit, es sind feuchte 30 Grad Celsius und wir hören karibische Trommelklänge – bum, bum, bala, bala, bum. Wir folgen den Rhythmischen Tönen, sie werden immer lauter. Eine Touristenband, denken wir. Nein. Wir sehen eine Gruppe Einheimischer in schwarzen Shirts unter einem weißen Zelt. Sie sind ausgerüstet mit modernster Bühnentechnik, von Lichtorgel bis hin zum Verstärker. Viele Menschen haben sich um die Gruppe geschart. Vorbeigehende bleiben stehen, singen, klatschen und tanzen spontan mit. „Wir lieben la fête, die Party“, sagt ein Einheimischer. An diesem Samstagmorgen erleben wir das karibische Lebensgefühl pur. Die Menschen auf Martinique sind fröhlich, freundlich und entspannt – karibisch eben.  Es ist voll auf den Straßen der Hauptstadt, die Menschen müssen auf den Straßen laufen. Sie suchen Weihnachtsgeschenke. Der typische Vorweihnachtsrummel. Aber die Menschen sind relaxt und ruhig bei aller Fröhlichkeit. „Wir auf Martinique mögen die Gelassenheit“, sagt uns ein Autofahrer auf einem Parkplatz. „Wenn wir uns stressen, verpassen wir die Zeit, das Leben zu genießen.“

Wir erkunden am Nachmittag Martinique mit einem Jeep. Im luxuriösen Landrover mit sechs Litern Hubraum (den braucht er bei den Bergstraßen auch) fahren wir im Konvoi über Saint Joseph, Lamentin und Gros-Morne in einen Regenwald-Naturpark. Wir nehmen die so genannte Route Forrestière de Duchesneteau. Durch natürliche Flussbetten über holprige Wege geht die Fahrt in das grüne Herz der Insel, vorbei an privaten Gärten und Plantagen. Die Insulaner exportieren hauptsächlich Bananen und Zuckerrohr. Außerdem produzieren sie heute Rum, wo früher Zucker hergestellt wurde. Zuckerrohr wird fünf bis neun Meter hoch. Der Zuckergehalt beträgt mehr als 15 Prozent. Den Saft benutzen Einheimische vor Ort häufig als Erfrischungsgetränk, das Nebenprodukt Melasse dient zur Herstellung von Rum und Ethyl-Alkohol.

Vom point de vue Morne des Roseaux in mehreren hundert Metern Höhe genießen wir die Aussicht über das tropische Eiland. Martinique blüht in den prächtigsten Farben. Sie nennt sich stolz: „Fleur des Carraibes“, Blume der Karibik. Die Menschen hier leben in einem Garten Eden tropischer Pflanzen und Früchte. Hier wachsen außer Bananen auch noch Guave, Orangen, Papaya, Ananas und Grapefruits. Außerdem sehen wir Kaffee- und Kakaobohnen sowie Zimtbäume. Die Pflanzen stehen entweder in Privatgärten oder auf den Feldern von Kleinbauern, die ihre Ernte direkt auf den Markt bringen.

Eidechse auf Baumstamm

Im Regenwald geht es nicht nur den Pflanzen prächtig

Der Kakao-Baum beispielsweise wird bis zu 15 Meter hoch, die Früchte 15 bis 20 cm lang. Innerhalb der Früchte befinden sich die weißen Samen („Kakaobohnen“) innerhalb eines Fruchtmuses. Unreif sind die Früchte grün, reif rötlich-braun. Im Azteken- und Mayareich galt die Kakaobohne als Zahlungsmittel. Auch die Papaya gehört zu den Melonenbaum-Gewächsen. Die Heimat ist vermutlich Mittelamerika oder Brasilien. Der Baum ist sechs bis acht Meter hoch mit großgelappten Blättern. Die Früchte können 500 Gramm bis 10 Kilogramm werden. Darum zählt die Pflanze auch zu den Stammblütlern.Der Regenwald ist das Revier des Bambus. Urtypisch, wild und verwuchert. Es leben aber kaum Tiere hier, nur ein paar Echsen. Die Luft ist drückend feucht, warm und kaum steigen wir aus dem Auto, regnet es. Doch bei den Temperaturen ist dies eine angenehme Abkühlung.

Thomas’ Logbuch: Dass es einen tropischen Regenwald rund um den Amazonas gibt, kannte ich schon aus dem Erdkunde-Buch in der Schule. Einen Urwald in der Karibik zu finden, das hatte ich nicht erwartet. Wie im Schulbuch sind hier die einzelnen Ebenen zu erkennen. Kleine Sträucher und Farne in der ersten Schicht, kleine und mittelhohe Bäume in der Mittelschicht und dann große Bäume, die alles überragen. Und dazu blüht alles in den tollsten Farben. Das Beste: Hier kann ich endlich einmal sehen, wie die ganzen Früchte wachsen, die ich so gerne esse. Irgendwie wächst hier alles einfach prächtig. Es gibt keinen Flecken Erde, der nicht grün ist – und nicht nur grün, sondern grün überwuchert. Dank unseres tollen Führers und Fahrers tauchen wir tief in die Inselwelt ein. So können wir die Pflanzen sehen, riechen und auch schmecken. Auf dem Weg in die Berge hält unser Fahrer kurz an, pflückt ein paar Guaven-Früchte ab und gibt sie uns. Wir können direkt probieren. Ich habe zwar etwas Mühe, die Schale zu öffnen, werde aber belohnt: Die Frucht schmeckt wunderbar süß, aber dezent süß mit einer leicht säuerlichen Note. Ich wundere mich, warum diese Guaven-Art nur zur Safterstellung genutzt wird. Und unser Fahrer gibt mir Recht: Auch er mag die Früchte gerne so in ihrer Ursprungsform, aber das sei unüblich auf Martinique. Ich würde mich hier wohl nur von Früchten ernähren.

Ein verschrottetes Auto liegt in der Landschaft

Umweltbewusstsein hat sich noch nicht überall auf Martinique durchgesetzt.

Hier im Wald entspringen Flüsse, die die Inselbewohner mit Trinkwasser versorgen, wie der Coer Bouliki. Das kristallklare Wasser fließt in die tieferen Ebenen, wo die Insulaner das kühle Nass sehnsüchtig erwarten. Nicht etwa zum Trinken, sondern zum Baden. Die steinigen Flussläufe sind ihre Freibäder. Man sieht Mädchen, die sich mit Shampoo die Haare waschen oder Jungs, die gleich ihre Autos in den Fluss fahren, um sie mit Seife zu waschen. Die Einwohner sind stolz auf ihr Land, wie sie die Insel nennen. Auch wenn viele es mit dem (Umwelt)-Schutz ihres Landes offenbar nicht so genau nehmen.

Martinique. Die Geschichte der Karibik ist davon bestimmt, dass die moderne Welt die Ureinwohner unterdrückte und ihre Kriege dort austrugen. Kolumbus hat Martinique erst auf seiner vierten Reise 1502  besucht. Dabei steuerte er die kleinen Antillen direkt an. Christoph Kolumbus und seine Männer suchten in der neuen Welt Gold und Juwelen, sie wollten schnell reich werden und dann heimkehren. So betrieben sie Raubbau an Natur und an den Menschen. Martinique heißt auch „Martinina“, was aus der ursprünglichen Landessprache kommt und für Blumeninsel steht. Denn auf dem – zum Teil recht frischem – Vulkangestein gedeihen Pflanzen wie Ananas und Bananen besonders gut. Im südlichen Inselteil findet man vor allem Zuckerrohrplantagen. Die Insel ist ein französisches Überseedepartment und 1102 Quadratkilometer groß. Zum Vergleich: Das Saarland ist doppelt so groß. Von Süden nach Norden dehnt sich Martinique maximal 56 Kilometer aus, von Westen nach Osten 12 bis 30 Kilometer. Die Hauptstadt Fort au France ist 1669 gegründet worden. Hier an der Westseite, an der karibischen Seite, stehen die meisten Hotelanlagen, weil dort die Strände sehr schön und das Meer ruhig sind. Auf der Ostseite, die dem Atlantik zugewandt ist, kommen häufig auch höhere Wellen an. Im Norden liegt das Städtchen Saint-Pierre, direkt am Fuße des 1397 Meter hohen Mont Pelée. Dieser bracht 1902 aus. Bei dieser Naturkatastrophe kamen 30.000 Menschen ums Leben. Die damalige Hauptstadt wurde fast vollständig ausgelöscht. Gemäß den katholischen Eroberern ist die Insel heute auch noch katholisch geprägt. Erst 1848 wurde die Sklaverei auf der Insel endgültig abgeschafft.

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