Mormugao, Goa, Indien, 101. Tag

12. September 2011
Indien, auch die Region Goa, hat ein großes Müllproblem
Indien, auch die Region Goa, hat ein großes Müllproblem

Indien, auch die Region Goa, hat ein großes Müllproblem

Mormugao bezeichnet den 1889 gegründeten Hafen der Stadt Vasco da Gama, in der wir uns zunächst befinden. Aber bekannt ist nur der Name Goa: Dies bezeichnete einst das ehemalige portugiesische Gebiet und ist heute ein indischer Bundesstaat, der wie Kerala zu den kleinsten Bundesstaaten zählt. Die Region ist bekannt wegen seiner kolonialen Vergangenheit und weil sie in den 60ern Anlaufpunkt für Hippies und Strandpartys war. Die Küste Goas ist bekannt für seine Strände. 1510 bis 1961 stand Goa unter portugiesischer Herrschaft, also 451 Jahre lang. Diese lange Besatzungszeit hat ihre Spuren hinterlassen – in der Architektur vieler alter Häuser und auch bei den Menschen. Sie tragen zum Beispiel trotz der Hitze häufig lange Anzug-Hemden wie die Europäer, sie sind nicht verrückt nach Cricket (wie sonst in Indien), sondern nach Fußball (wie in Portugal) und von 1 bis 3 Uhr mittags gibt es eine Siesta.

Seit 1985 wird der Tourismus immer stärker. So sind wir auf unserer heutigen Fahrt auch nichts Besonderes und erregen nicht so viel Aufmerksamkeit wie in den anderen Regionen. Hier ist man an Ausländer gewöhnt. Umso stolzer sind die Menschen aus Goa auf ihre Herkunft. Sie sagen lokalpatriotisch, dass sie nicht aus Indien kommen, sondern aus Goa. 1,2 Millionen Einwohner hat der indische Bundesstaat, davon sind fast zwei Drittel Hindus, etwas weniger als ein Drittel Christen und der Rest Muslime. 95 Prozent beträgt die Alphabetisierungsrate. Von Juni bis September herrscht der Monsun. In dieser Zeit gibt es den so genannten Regentropfen-Tourismus, denn in dieser Regenzeit gibt es 40 Prozent Rabatt bei den Hotels. Schließlich mögen nicht alle gerne Ferien mit Regen. Jetzt bei unserem Besuch ist es Trockenzeit und das sehen wir auch an den Feldern: Kannten wir von Vietnam noch saftig grüne Reisfelder, sind diese Reisfelder hier braun-gelb und wir fragen uns, wie hier jemals etwas geerntet werden kann. Das sei normal für diese Zeit, versichert uns unser Guide. Neben vertrockneten Feldern sehen wir weniger Armut und Bretterbuden-Siedlungen als bei unseren anderen Indien-Stopps. Einige neue Häuser im europäischen Stil stehen am Wegesrand, sie sind im guten Zustand – aber wir sehen vom Bus aus auch viele alte Häuser mit schwarzen Fassaden. Das kommt daher, dass in der Monsun-Zeit die Feuchtigkeit Moos an den Wänden wachsen lässt, das später abstirbt und dann die schwarzen Flecken hinterlässt.


So manch tiefe Spur hinterlassen die vielen Lkw, die über die teils unbefestigten Straßen brettern. Die Durchschnittsgeschwindigkeit eines indischen Lkw beträgt gut 10 km/h, weil sie oft im Stau stehen oder durch mehrere Bundesstaaten fahren und immer wieder ein neuer Kontrollpunkt seine Hand aufhält. Aber hier sind die Lkw gefühlt deutlich schneller unterwegs. Die meisten sind von der Marke Tata. Früher hatte sie eine Kooperation mit Mercedes, später produzierte sie dann eigenständig – bis heute. Rustikal und irgendwie wie ein sowjetischer Armeelaster, so sehen sie aus. Unser Bus ist da schon etwas komfortabler, auch wenn die Schlaglöcher in der Straße sich mit Hilfe der fehlenden Federung in unsere Lendenwirbel bohren.

... wo der Pfeffer wächst

... wo der Pfeffer wächst

Typisch für Indien sind Gewürze. Deshalb ist für uns die Attraktion dieses Tages das Spice Village im Dorf Bonda. Dieses Gewürzdorf ist keine reine Mono-Plantage. Dann könnte man zwar eher den tatsächlichen Anbau eines Gewürzes sehen, das auch exportiert wird – aber nicht ganz viele Gewürze auf einmal. So nehmen wir in Kauf, dass hier die Pflanzen nur zur Schau angebaut werden. Aber das macht gar nichts aus, denn wichtig ist uns, dass wir die exotischen Gewürze einmal in Natura gesehen haben.

Im Mittelalter hatten Gewürze eine wichtige politische und wirtschaftliche Bedeutung. Mit der Entdeckung des Seeweges nach Indien und der Kolonialisierung wurde der Gewürzhandel für Europäer ein einträgliches Geschäft. Nicht nur wegen des Geschmacks waren Gewürze wertvoll, sondern weil man sie zur Konservierung und als Arzneien nutzen konnte. Pfeffer zum Beispiel war so wertvoll, dass man ihn mit Gold aufgewogen hat.

Auch wir entdecken im Gewürzdorf Pfeffer, der oben an einer Palme hinaufrankt. Pfeffer-Wein sagt man daher auch. Die kleinen runden Kugeln sind noch grün und sehen tatsächlich aus wie eine kleine Rebe. Dies wäre dann auch schon der grüne Pfeffer, unreif geerntet. Der rote Pfeffer ist dann der reife. Kommt er in ein konservierendes Salzwasserbad, bleibt er auch rot. Trocknet man ihn in der Sonne, entsteht der schwarze Pfeffer. Und weißer Pfeffer entsteht, wenn der rote Pfeffer neben der Salzlake von seiner äußeren Hülle befreit wird.

[geo_mashup_map]

Curry ist ein Thema für sich. Nur was uns hier am meisten überrascht: Es gibt eine Pflanze, die so genannte Curry-Blätter liefert. Doch die hat mit dem Pulver nichts zu tun. Curry ist die Bezeichnung für eine Standard-Mischung von Gewürzen, die die britischen Kolonialherren sich ausgedacht haben. Die Vielzahl an Masala-Gewürzmischungen war ihnen zu unübersichtlich und so machten sie eine Mischung, die zumeist aus Kurkuma, Koriander, Kreuzkümmel, schwarzem Pfeffer und Bockshornklee besteht. Das Currypulver das auch wir kennen, ist also kein eigenständiges Gewürz, sondern eine Mischung aus 13 verschiedenen Komponenten. Dann entdeckte man die Blätter der Curry-Pflanze, also erst dann hat man diese Pflanze auch nach Curry benannt. Denn die Blätter eignen sich besonders gut dazu, Curry-Gerichte noch einmal aufzupeppen. Der Strauch hier im Gewürzdorf sieht ein wenig so aus wie ein vertrockneter Olivenbaum – aber riecht herrlich.

Besonders witzig finden wir einen Chili-Baum, an dem rote Chilis wachsen, die gerade einmal die Größe eines Stecknadelkopfes erreichen. Das sind die zweitschärfsten Chilis in ganz Indien. Eine kleine Chili-Schote davon reicht aus, um ein gesamten Gericht scharf zu machen.

Katharinas Logbuch: Auf einem kleinen Pfad schlängeln wir uns durch die tropische Vegetation und alle paar Meter überrascht uns ein neues duftendes Gewürz. Es ist spannend zu sehen, woher die aromatischen Komponenten stammen, die wir zuhause so unbedacht in den Kochtopf werfen. Interessant, dass ein kleines Gewächs, das gut und gerne ein Grasbüschel hätte sein können, eigentlich das zauberhafte Lemongras ist. Wenn man einen kleinen Halm davon in die Hand nimmt und zerdrückt, riecht man ein fruchtig zitroniges Aroma, viel intensiver als bei den getrockneten Stäbchen die man im Asia-Laden kaufen kann. Auch zu sehen, wie Kardamon, Pfeffer und Chili in ihrer natürlichen Umgebung wachsen ist erquickend, da wir sonst so entfremdet sind von unserer Nahrung.

Dies könnte Sie ebenfalls interessieren

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir zur Optimierung Ihres Lesegenusses Cookies verwenden. mehr

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir zur Optimierung Ihres Lesegenusses Cookies verwenden. Aus rechtlichen Gründen müssen wir Sie an dieser Stelle darauf hinweisen. Mehr Details gibt es auch in unseren Datenschutzbestimmungen, verlinkt im Impressum.

Close