Noumea Neukaledonien, das Paris der Südsee?

2. September 2011
Noumea Neukaledonien

Heute erkunden wir die mit 150.000 Einwohnern größte Stadt Neukaledoniens. Nouméa wird wegen des französischen Flairs auch als Paris der Südsee bezeichnet. Wir halten diese Beschreibung aber für etwas übertrieben, weil es nach diesen Erzählungen mindestens 500 Paris auf der ganzen Welt geben sollte, von denen keines auch nur im Entferntesten an die Seine-Metropole heranreicht.

Noumea Neukaledonien

Nouméa erinnert uns, abgesehen von französischen Straßenschildern, an keine europäische Stadt. Es hat vielmehr seinen eigenen Stil. Vielleicht eine Mischung aus Australischer 60erJahre Architektur mit einem Hauch französischem Flair. Auf einem Aussichtspunkt oberhalb der Stadt können wir erkennen: Dies Stadt, die sich an die Felshänge schmiegt, ist künstlich angelegt. Die Plattform, auf der sie steht, wurde teilweise angeschüttet.

Noumea Neukaledonien

Fast ganz Nouméa ist im Schachbrettmuster angelegt. Die Häuser stammen zum Teil aus der Kolonialzeit, aber die meisten Gebäude sind aus den 60ern und 70ern und dementsprechend große Betonklötze, wie man sie aus Deutschland kennt. Allgemein macht die Stadt jedoch einen sehr sauberen und guten Eindruck.

Von unserem zweiten Aussichtspunkt aus haben wir einen 360-Grad-Rundumblick. Hier steht das Observatorium. Auf der einen Seite blicken wir auf die imposante Bucht mit dem Fährhafen, dahinter und daneben reihen sich die ursprünglichen Gebirge auf.

Noumea Neukaledonien

Die rote Erde liegt matt zwischen den grünen, bis zu 40 Meter hohen, Araukarien. Diese Nadelbäume sind besonders typisch hier auf Neukaledonien – eine Pinienart, die schnurgerade nach oben wächst. Es gibt viele Tier- und Pflanzenarten, die nur auf Neukaledonien heimisch sind. Dazu kommen einige eingeschleppte Arten, die hier gedeihen: Wir sehen zum Beispiel einen Baum, der scheinbar rote Tulpen trägt: Das ist ein afrikanischer Tulpenbaum, der bis zu 20 Meter hoch wird. Doch eines trübt die schöne Natur. Die Industrie. Neukaledonien hat die zweitgrößten Nickel-Vorkommen der Erde nach Russland. Nickel findet man zum Beispiel in Jeansknöpfen, Modeschmuck oder bestimmten Arten von Batterien. Das Mineral schimmert grünlich in der Erde von Grande Terre.

Nickelabbau Noumea Neukaledonien

In riesigen Tagebauten entreißt man es der Erde und verarbeitet es in großen Fabriken, die vielen Menschen arbeit geben. Von unserem Aussichtspunkt am Observatorium blicken wir auf der anderen Seite auf die größte Nickelfabrik der Insel. Wir sehen grünliche Haufen von gewonnenem Nickel, der in der Fabrik aus dem Restgestein herausgeschmolzen wird. Bräunliche Dämpfe entweichen aus den Schornsteinen vor dem tiefblauen Meer. Viele Menschen in Neukaledonien leiden an Asthma, was auf die niedrigen Umweltstandards zurückzuführen ist. Auf der anderen Seite bringt die Nickelfabrik viele Jobs und viel Geld auf die Insel.

Strand Neukaledonien

Rund um den Newport und den Sandstrand der Baie du Citrons wohnen die Reichen der Insel in luxuriösen Apartmenthäusern. Eine kleine Wohnung darf hier auch mal 3000 Euro im Monat kosten. Dafür genießt man eine exklusive Nachbarschaft, schicke Restaurants, die Nähe zum Yachthafen und die traumhafte Aussicht auf das klare Meer. Selbst im Supermarkt sind die Preise gesalzen. Wir kaufen uns eine Mundspülung, eine Tube Zahncreme und drei 1,5-Liter-Sechserpack Wasserflaschen – und zahlen 30 US-Dollar.

Markt Neukaledonien

Markt Neukaledonien

Als Abschluss des Tages schauen erkunden wir heute die Unterwasserwelt der Südsee – im Aquarium. Es ist eine der Hauptattraktionen Nouméas. 1956 wurde die Gesellschaft gegründet, seit 2007 schwimmen die Bewohner in einem neuen Gebäude – das auch gleichzeitig ein Meeresforschungszentrum beheimatet. In dem flachen Bau fällt viel Sonnenlicht in die Wassertanks. Riffhaie, Zebrafische und Schildkröten ziehen hinten den riesigen Glasscheiben ihre Runden. Hier sehen wir alle Meeresbewohner, die wir von unsern Schnorchel-Safaris kennen. Nur diesmal wohnen sie in Korallengärten, die in fantastischen Farben schimmern und nicht aus totem, kalten Kalkstein bestehen, wie viele, die wir in den Lagunen der Südsee gesehen haben.

Aquarium Noumea

Aquarium Noumea

Im Aquarium lernt man viel über Korallenriffe und ihre Bewohner und kann die Schönheit der Unterwasserwelt bewundern, ohne nass zu werden. Wir verstehen, warum das Aquarium als Hauptattraktionen der Region gilt. Die großen Aquarien bei uns Zuhause sind zwar deutlich umfangreicher, aber hier sieht das Konzept vor, dass Tageslicht das Aquarium beleuchtet. Und das macht einen im wahrsten Sinne himmelweiten Unterschied.

Neu-Kaledonien. Wie bei so vielen Südseeinseln ist von der Vor-Europäischen Geschichte Neukaledoniens wenig bekannt. 1500 v. Chr. sollen die ersten Siedler gekommen sein. Genaue Daten lassen sich erst mit der „Entdeckung“ durch James Cook 1774 festsetzen. Cook benannte die Inseln nach dem römischen Namen für Schottland, Caledonia. Die zerklüfteten Küsten erinnerten ihn offensichtlich an Schottland. 1845 errichtete Engländer eine Handelsniederlassung in der späteren Stadt Nouméa auf der Hauptinsel Grande Terre (400 Kilometer lang und 50 Kilometer breit). Frankreich annektierte das Archipel 1853 und schickte Sträflinge auf die kleine benachbarte Ile Nou. Die heutige Hauptstadt auf Grande Terre, Nouméa, ist wie das fast 2000 Kilometer südwestlich gelegene Sydney aus einer Sträflingskolonie entstanden. 1854 wurde die Stadt als Port de France gegründet und 1866 in Nouméa umbenannt. 1878 zettelten die unterdrückten melanesischen Ureinwohner einen Aufstand an, bei dem 200 Franzosen starben. Daraufhin reagierten die Franzosen ebenso mit brutaler Gewalt, was viele Tote auf der Insel zur Folge hatte. 1942 waren 40.000 US-Soldaten auf Grande Terre stationiert, um im Zweiten Weltkrieg gegen die Japaner zu kämpfen. Seit 1956 ist Nouvelle-Calédonie französisches Überseeterritorium, seit 2003 Überseegemeinschaft mit besonderem Status. Immer wieder eskalierten Konflikte zwischen den einheimischen Kanaken und den französischen Siedlern. Nouméa ist heute Industrie- und Handelszentrum mit 150.000 Einwohnern. Ganz Neukaledonien hat gut 220.000 Einwohner. Etwas weniger als die Hälfte der Einwohner zählt zu der Volksgruppe der einheimischen Kanaken. Übersetzt heißt das schlicht „Mensch“, wobei das Wort in Europa nach dem Aufstand gegen die Franzosen häufig als Schimpfwort benutzt wurde und wird. Wichtigstes Exportgut Neukaledoniens ist mit gut 90 Prozent Nickel, denn es gibt es sehr hohes Nikel-Aufkommen auf den Inseln. Das Hochland von Grande Terre ist mit schroffen Gipfeln bestückt, an der Küste erstreckt sich ein Barriere-Riff, das seit 2008 Weltnaturerbe der UNESCO ist. Zwischen 2014 und 2019 soll eine Volksabstimmung erneut über die Unabhängigkeit entscheiden.

Morgen steuern wir Richtung Australien. Lest mehr im nächsten Artikel der Serie „Weltreise mit dem Kreuzfahrtschiff“. Direkt zum ersten Artikel unserer Weltreise mit MS Astor geht es hier.

Alle Videos von unserer Weltreise mit MS Astor findet ihr im ReiseWorld Youtube-Kanal.

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