Norwegian Getaway, Miamis Botschaft auf hoher See

22. Januar 2014

Im Frühjahr 2013 erregte die Norwegian Breakaway Aufsehen in der Kreuzfahrtbranche. Das Flaggschiff der US-Reederei Norwegian Cruise Line kreuzt nun fast ein Jahr zwischen New York und den Bahamas, nun folgt das baugleiche Schwesterschiff. Die auf der Papenburger Meyer Werft gebaute Norwegian Getaway wird ab Februar von Miami aus zu Kreuzfahrten in die östliche Karibik aufbrechen. Kurz nach der Ablieferung hatten wir die Möglichkeit uns die Getaway auf der Premierenfahrt einmal näher anzuschauen.

Norwegian_Getaway

Während auf der Breakaway das Motto die US-Metropole New York, der Basishafen des Schiffes ist, steht auf der neuen Getaway alles im Zeichen des Sonnenstaates Florida. Das fällt schon bei der Rumpfbemalung des 324 Meter langen und 40 Meter breiten Ozeanriesen auf: Ein tropisches Motiv mit einer Meerjungfrau, die die Sonne in den Händen hält ziert den Rumpf. Entworfen hat das Motiv der in Miami lebende Künstler David „Lebo“ Le Batard. Schon der Anblick des Schiffes lässt die relaxte Atmosphäre erahnen, die sich an Bord im Gastronomiekonzept, in der Einrichtung und auch im Unterhaltungsprogramm wiederspiegelt.

Norwegian_Getaway_678 Ocean Place Leuchter

Zunächst ist die Struktur der Decks mit dem kompakten Zentrum auf den Decks 6, 7, 8 identisch mit der Norwegian Breakaway. Auch der überdimensionale Kronleuchter, der zuerst auf der im Jahr 2010 in Dienst gestellten Norwegian Epic zu sehen war, findet sich auf der Getaway wieder. Ob an Deck mit der Bemalung von sonst eher kalten weißen Schiffswänden oder im Inneren des Schiffes, überall lebt das Motto Miami, Sonnenstaat Florida und Karibik. Das Schiff wurde mit sehr viel Liebe zum Detail geschmackvoll eingerichtet. Knallige Farben, die früher noch typisch für amerikanische Schiffe waren, sind auf der Norwegian Getaway fast gar nicht mehr zu finden. Der pink-violette Teppichboden in einem Treppenhaus ist da eher die Ausnahme.

Auch die Kabinen sind schlicht-elegant gestylt und unterscheiden sich so gut wie gar nicht vom Schwesterschiff Breakaway. Das bewährte Konzept der Studios für Alleinreisende, das erstmals auf der Norwegian Epic eingeführt wurde und mittlerweile von weiteren Reedereien übernommen wird, ist auch auf der Getaway zu finden. Auf Deck 10 und 11 befinden sich rund 50 „Studios“, speziell für Alleinreisende. Die Kabinen sind neun Quadratmeter groß und bieten für Singles genügend Platz. In einer eigenen Lounge können sich die Alleinreisenden dann kennenlernen und vielleicht findet die nächste Kreuzfahrt zu zweit statt.

Norwegian_Getaway_Mini Suite Balkonkabine

Der Suitenkomplex „The Haven“ ist bei den Kabinen ebenfalls komplett identisch wie auf der Breakaway. Hier befinden sich insgesamt 42 Suiten, die sich im vorderen Teil des Schiffes auf Deck 15 und 16 befinden. Ein privates Restaurant, eine Cocktailbar und eine Concierge-Lounge sorgen für einen exklusiven Schiff-im-Schiff-Komplex. Der zweigeschossige Courtyard-Bereich mit einem Pool, einem Sonnendeck und zwei Whirlpools verfügt nicht über ein auffahrbares Glasdach, wie auf der Norwegian Breakaway. Das dürfte für das Fahrgebiet der Getaway in der sonnigen Karibik auch eher nicht notwendig sein.

Perfekt für sonnige Seetage in der Karibik ist das auf der Breakaway eingeführte Promenadendeck „The Waterfront“ auf Deck 8. Wie in einem Straßencafé, nur eben auf hoher See, können die Gäste auf der Promenade die Außengastronomie der anliegenden Bars und Restaurants genießen. Die Moderno Churrascaria, das Cagney´s Steakhouse, das italienische Restaurant La Cucina und das Fischrestaurant Ocean Blue bieten auf der Waterfront Outdoor-Sitzplätze. Spezielle Windschotts sorgen für ein angenehmes Klima und machen die „Waterfront“ zu einem echten Lieblingsplatz an Bord.

Norwegian_Getaway_Waterfront

Die deutlichsten Unterschiede vom New York City-Style zum legeren Miami-Feeling treten bei den Bars auf der Norwegian Getaway auf. Sie sind zwar meist an der gleichen Stelle an Bord zu finden, doch unterscheiden sich im Namen, Einrichtung und Konzept zum Schwesterschiff. Die „Sugar Cane Mojito Bar“ auf Deck 8 fällt schon durch ihren futuristisch gestalteten Tresen ins Auge. Stilisierte Palmen und indirekte Beleuchtung machen die Bar zu einem Hingucker. Sie hat ebenso wie die Sunset Bar, mit einer Angler-Trophäe hinter der Theke, einen direkten Zugang zur Waterfront-Promenade.

Norwegian_Getaway_Sunset Bar

Der auf der Norwegian Epic und der Norwegian Breakaway beliebte Club „Fat Cats – Jazz und Blues Club“ ist auf dem neuen Kreuzfahrtschiff durch die „Grammy Experience“ ersetzt worden. Der Anchorman im Fat Cats, der New Yorker Slam Allen, kann sich eben nicht aufteilen. An Bord der Getaway haben die Verantwortlichen in Kooperation mit der Grammy-Academy eine Kombination aus Grammy-Museum und Nachtclub geschaffen. Hier werden Original-Kostüme und Artefakte von Musikgrößen wie Michael Jackson oder Whitney Huston ausgestellt. Während der Kreuzfahrten treten für den Grammy nominierte oder schon prämierte Künstler auf. Für Herbst 2014 plant die Reederei zudem eine spezielle Grammy-Kreuzfahrt. Der erste Künstler in der Grammy Experience ist der Flötenspieler Nestor Torres. Er bekam 2001 den Latin-Grammy und spielt auf seiner Querflöte rhythmische Latino-Sounds.

Ansonsten gibt es für das Nachtleben auf der Norwegian Getaway wieder den Headliners Comedy Club. Mit der Kooperation mit der Levity Entertainment Group, dem weltweit größten Produzenten von Live-Comedy verspricht die Norwegian Cruise Line im Comedy Club zwölf Shows während einer 7-Nächte-Kreuzfahrt. Ebenfalls im Headliners treten die „Howl at the moon“-Piano-Duellisten auf. Wie schon auf der Norwegian Epic und der Norwegian Breakaway erfüllen zwei Klavierspieler hier die Musikwünsche des Publikums. Stimmung ist bei „Howl at the moon“ eigentlich immer garantiert.

Norwegian_Getaway_Illusionarium

In Sachen Entertainment hat schon die Norwegian Epic bei ihrer Vorstellung überzeugt, aber mit dem Neubau Norwegian Getaway übernimmt für mich die Norwegian Cruise Line ganz eindeutig die Pole Position in Sachen Unterhaltung auf hoher See. Im Getaway-Theater, das Platz für 787 Gäste bietet, sind das Musical „Legally Blonde“ zum gleichnamigen Hollywood-Film mit Reese Whiterspoon und die Broadway-Show „Burn the floor“ mit einer einmaligen Tanzshow zu sehen. Neu an Bord ist das „Illusionarium“, dass das von der Epic und der Breakaway bekannte „Spiegeltent“ ersetzt. Statt Akrobatikshow gibt es während des Dinners eine magische Zaubershow auf sehr hohem Niveau. Gäste werden bereits im Eingangsbereich auf Deck 6 von antiken Zauberbüchern, interaktiven Artefakten und geheimnisvollen Dingen erwartet. Kernstück des „Illusionariums“ ist eine an der Decke hängende Videoleinwand mit einem Durchmesser von 9 Metern, die zunächst als Kuppel wahrgenommen wird. Die Zuschauer genießen ein drei-Gänge-Menü während der Show und erleben erstklassige, beeindruckende Tricks und Illusionen von fünf Magiern. Auch wenn die Zuschauer durch die Sitzordnung sehr nah an der Bühne sitzen, so ist es unmöglich hinter die Geheimnisse der Zaubertricks zu kommen. Insgesamt hat mich das Menü im Vergleich zu den anderen kulinarischen Angeboten an Bord nicht vollends überzeugt, aber die Zuzahlung von rund 25 Dollar ist dennoch sehr empfehlenswert. Die Show im Illusionarium ist erstklassig und absolut sehenswert!

Norwegian_Getaway_Tropicana Room I

Insgesamt verspricht die Norwegian Cruise Line ihren Gästen über 20 verschiedene Dining-Optionen. „The Tropicana Room“ ist das Hauptrestaurant auf Deck 7 (auf der Breakaway und auf der Epic: „The Manhattan Room“). Die Einrichtung ist vom Nachtleben von Miami Beach der 1940er und 1950er Jahre inspiriert. Echtholzvertäfelung, Stoffe in Silbertönen und dunklem Lila, verspiegelte Säulen und nostalgische Fotos aus der Glanzzeit von Miami Beach mit Straßenkreuzern am Ocean Drive verkörpern authentisch und wieder mit viel Liebe zum Detail das Flair des Sonnenstaates. Das Restaurant liegt am Heck des Schiffes. Über bodentiefe Fenster können die Gäste den Blick auf das Kielwasser des Schiffes genießen. Direkt über dem Tropicana Room liegt das Cagney´s Steakhouse und die Moderno Churrascaria. Sowohl das Cagney´s, als auch das Moderno sind aufpreispflichtige Restaurants.

Norwegian_Getaway_Atrium und Osheehans

Hingegen im Reisepreis inkludiert sind die weiteren Hauptrestaurants „Taste“ und „Savor“, die sich beide auf Deck 6 befinden. Beide Restaurants bieten traditionelle Küche. Sie zeichnen sich durch klare Linien und eine moderne, elegante Einrichtung aus. „Taste“ und „Savor“ werden durch die Mixx-Bar miteinander verbunden. Aufpreispflichtige Spezialitätenrestaurants an Bord sind das französische Restaurant „Le Bistro“, „La Cucina“ mit italienischer Küche, „Teppanyaki“, „Wasabi Sushi Bar“ und die „Shanghai´s Noodle Bar“ mit asiatischer Küche und das Ocean Blue mit der Raw Bar von Starkoch Geoffrey Zackarian für Fisch- und Meeresspezialitäten.

Norwegian_Getaway_Acqua Park

An Deck des Florida-Cruisers gibt es, wie schon auf der Breakaway, den Aqua Park mit fünf verschiedenen Wasserrutschen, darunter zwei Freefall-Wasserrutschen, einen großzügigen Hauptpool mit Whirlpools und einen speziellen Kinderpool, der schon auf der Breakaway wesentlich liebevoller und attraktiver gestaltet wurde, als auf der Norwegian Epic. Der von der Breakaway bekannte Hochseilgarten ist im Wesentlichen identisch gebaut worden. Die Gestaltung ist jedoch weniger farbenfroh, sondern im Holzlook. Aus der Ferne sieht das jedoch ein wenig unfertig aus. Highlight im Hochseilgarten ist „The Plank“, eine Planke, die über die Bordwand hinaus führt und von der mutige Kreuzfahrer gut gesichert einen Blick aus über 50 Metern Höhe auf den Meeresspiegel haben.

Entgegen vieler Vorurteile bieten die weitläufigen Decks eines so großen Schiffes, wie der Norwegian Getaway viele Rückzugsorte und Fleckchen von wo man entweder allein oder zu zweit den Sonnenuntergang auf hoher See genießen kann.

Die Norwegian Getaway ist in vielen Dingen absolut baugleich mit ihrer Schwester Norwegian Breakaway. Nur die Ausrichtung, statt dem New York-Style, die Sommeratmosphäre Miamis und einige Entertainmentangebote unterscheiden sich. Letztlich gibt die vom Gast gewünschte Destination den Ausschlag für die Wahl des Schiffes. Beide werden nach Angaben der Reederei vorerst nicht nach Europa kommen. Beide Schiffe sind interessante große Kreuzfahrer, die eine Vielfalt von Angeboten für ihre Gäste bieten und mit gutem Essen und erstklassigen Shows Maßstäbe auf dem Kreuzfahrtmarkt setzen. Interessant wird in diesem Jahr dann die Vorstellung der „Quantum of the Seas“ von Royal Caribbean International, sicherlich einer der Hauptkonkurrenten von Norwegian Cruise Line sein. Eines ist die Norwegian Getaway aber ganz sicher: Eine würdige und authentische Botschaft Miamis auf hoher See.

Text: Christoph Assies, ReiseWorld

Fotos:  Norwegian Cruise Line/ Christoph Assies, ReiseWorld

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