Nuku Hiva, Südsee in Sicht!

31. August 2011
Blick ueber die Bucht

Nach sechs Tagen auf See sehen wir endlich Land. Pompös ragt die Felsküste Nuku Hivas vor uns empor. Sie ist die Spitze eines riesigen Vulkans, der hauptsächlich unter Wasser liegt. Rau, zerklüftet und lebensfeindlich trotzt das Lavagestein den Wellen, die sich tosend an ihm brechen. Die Südsee besteht also nicht nur aus Palmeninseln, die von weißen Sandstränden umspielt werden.

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Der Kapitän manövriert MS Astor vorbei an wachenden Felsen in die Bucht von Taiohae, wo wir auf Reede liegen. In der zweitgrößten Siedlung der Insel heißt man unsere kleinen Tenderboote willkommen. Nur eine handvoll Kreuzfahrtschiffe besucht diese abgelegene Insel im Jahr. Knapp über 5.000 Menschen leben hier. Doch es gibt ein Tourismusbüro direkt am Hafen. Taiohae schlummert im Schatten des Mauke-Berges. An dem feinen schwarzen Strand brechen sich die Wellen, ein Kanufahrer paddelt vorbei. Palmen und blühende Sträucher schmücken die beschauliche Uferstraße. Wohnhäuser liegen am Hang verstreut. Es gibt ein kleines „Magasin“, den Supermarkt, Schulen und Krankenhaus, ein paar Imbisse und die alte Kathedrale.

Das katholische Gotteshaus trägt den Namen Haatepeiu Ote Henna Enana. Sie erinnert an die europäischen Eroberer, die auch die Missionare mit sich brachten. Sie errichteten das Gotteshaus auf einem der traditionellen Gebetsplätze der Ureinwohner, einem so genannten Marae. Hier riefen sie ihre Götter an und brachten ihnen sogar Menschenopfer. Die Missionare erklärten die heiligen der Einheimischen zu Götzen und zwangen sie, den christlichen Glauben anzunehmen. Die alte Kathedrale in Taiohae ist die einzige Kirche auf den Marquesas Inseln. Auf dem Vorplatz stehen ganz polynesisch-idyllisch einige Mangobäume. Von den heutigen Inselbewohnern sind die meisten überzeugte Katholiken. Wir haben mit einem Einheimischen gesprochen, der uns seine Tattoos gezeigt hat. Als er jung war, hat er sie sich in die Haut brennen lassen. Heute bereut er es, weil er meint: „Gott liebt keine Tattoos.“

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Wir erkunden Nuku Hiva mit einem Geländefahrzeug und folgen den Serpentinen in die Berge. Unter uns liegt Taiohae und wir erkennen ganz klein MS Astor mitten in der Bucht. Wilde Pflanzen säumen die Hänge, Schraubenpalmen mit ihren langen Luftwurzeln und Bananen, Schlingpflanzen klettern durch die Bäume. Hier und steht eine Kuh, ein Pferd oder ein Schwein am Straßenrand.

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Hühner laufen über die Fahrbahn. Die Tiere, die die europäischen Eroberer im 18, Jahrhundert? Mitgebracht haben, halten die Polynesier noch immer als Nutztiere.  Während wir die Natur aus dem Wagenfenster bewundern und die frische Luft genüsslich inhalieren, hören wir auf einmal: „Pffffffffft“. Die Fahrerin lässt den Wagen ausrollen und inspiziert das Fahrtzeug. Ergebnis. Ein platter Reifen. Doch sie hätte keinen besseren Ort für eine Panne wählen können. Wir sind auf einem Felsvorsprung zum Stehen gekommen, von dem aus wir einen spektakulären Blick über die Bucht haben. „Kitschige Postkartenidylle“, wie ein Mitfahrer sagt. Aber trotzdem nicht weniger traumhaft. Im Nu hat unser Tourguide einen Reparaturservice gerufen, der den luftlosen Reifen abmontiert und das Ersatzrad anschraubt. Nach zwanzig Minuten geht es weiter auf den Pass, 864 Meter hoch ist der Muake-Berg.

Suedsee Strand auf Nuku Hiva

Beschauliche Schönheit: Der Strand auf Nuku Hiva

Thomas Logbuch: Wir hangeln uns mit den Jeeps entlang des Berges und erleben immer wieder neue Klimazonen: Im mittleren Bereich, wo die Wolken hängen bleiben, steht dichter Urwald, es ist vier Grad kühler als in der Bucht und die Luft ist feucht. Ganz oben auf dem Bergpass ist die Vegetation völlig anders. Hier können wir das Vulkangestein noch sehen. Rötlich-braun ist es hier schroff aufgetürmt. Und von hier aus haben wir auch einen wundervollen Blick auf das Taipivai, das Tal mit dem zweitgrößten Dorf der Insel. Entlang des Berghangs wachsen schier unendlich viele Kokospalmen. Sie bilden aus der Draufsicht ein regelmäßiges Muster. Diese Palmen dienen als Plantage, sie sind nicht ganz natürlich dort gewachsen.

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Ein paar Meter weiter bietet sich uns der nächste atemberaubende Anblick: Ich klettere ganz bis zum Felsvorsprung und habe so eine optimale Sicht auf die Controller Bay. Links von uns liegt Cape Tikapo, rechts wird die Bucht von einem namenlosen Cap eingegrenzt. Ein Tal mit Palmen, ein Fluss, der sich an einer kleinen Stell ins Meer bahnt, das Meerwasser, das die Farben von Ozean und Fluss vermischt, eine Bucht, eingegrenzt von zwei hohen Steilhängen – alles an einem Ort. Vulkaninseln bestechen  immer wieder durch ihre spektakulären Landschaften. Diese Insel öffnet mir das Herz. Ich mag es, wenn die Luft kühl und feucht ist und jeder Atemzug Frische bringt. Dazu schätze ich die vulkanischen Landschaften, einerseits der dichte Bewuchs in den feuchten Zonen und andererseits die schroffe Vulkan-Wüste auf den Bergspitzen. Im Moment ist die Insel sogar besonders trocken, das war schon bei der Anfahrt sichtbar. Die Einheimischen erzählen uns, dass es mehrere Wochen lang nicht mehr geregnet hat.

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Doch im Taipivai hat man damit keine Probleme. Der Fluss im Tal bildet sich auch einfach durch den nächtlichen Tau an den Hängen. Vom Berg fahren wir hinab in das Tal, um uns einen schwarzen Vulkanstrand anzusehen. In der Bucht kosten wir die Früchte der Insel. Klassisches Kokosnussfleisch, aber auch Brotfruchtchips, Maniok-kuchen und Pampelmusen. Eine willkommene Erfrischung nach der Fahrt vorbei an der Ortschaften Taipivai und Hoomi. So lassen wir unseren Ausflug mit Blick auf das Cap Tikapo ausklingen. Ein paar Stunden später nehmen wir Abschied von Nuku Hiva und Kurs auf Fakarava.

Marquesas. Die Marquesas-Inseln (1595 benannt nach der Marquise von Mendoza, der damaligen Gattin des Vizekönigs von Peru) gehören zu den abgelegensten Inseln der Welt. Nach Osten hin sind es mehr als 4000 Kilometer bis nach Amerika, nach Südwesten gut 1000 Kilometer bis nach Tahiti. Marquesas gehört zu Französisch-Polynesien. Von den 15 Inseln sind nur sechs bewohnt. Im Gegensatz zu vielen anderen Südsee-Inseln sind Korallenriffe hier nicht verbreitet. Einst soll die Bevölkerung gut 100.000 betragen haben. Interne Kriege forderten viele Opfer, dann folgten von Europäern eingeschleppte Krankheiten. Im 19. Jahrhundert kamen immer mehr Europäer auf die Inseln. Die Bevölkerung beträgt heute nur noch knapp 15.000 Menschen. Sie leben hauptsächlich vom Fischfang.

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Die größte Insel des Archipels ist Nuku Hiva mit 300 Quadratkilometern und mit etwa 5000 Einwohnern. Höchster Punkt der Insel ist der 1185 Meter hohe Vulkan Tekao. Touren führen auch vorbei am Muake-Berg mit 864 Metern. Schiffe können vor der Taiohae-Bucht auf Reede gehen. Auf diese hat man auch einen wunderbaren Blick, wenn man eine Tour in die Berge macht. Insgesamt ist die Insel im Vergleich zu anderen Inseln in Polynesien nur wenig touristisch erschlossen. Wenn viele Touristen zugleich ankommen, wie bei einem Kreuzfahrtschiff, schließt sich die Bevölkerung zusammen und bietet Touren mit ihren privaten Geländefahrzeugen an.

Morgen feiern wir Silvester auf See, kurz vor der Datumsgrenze!
Direkt zum ersten Artikel unserer Weltreise mit MS Astor geht es hier.

Alle Videos von unserer Weltreise mit MS Astor findet ihr im ReiseWorld Youtube-Kanal.

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