Wie kommt der Sauerbraten in die Südsee? Unterwegs mit dem Proviantmeister auf dem Traumschiff

23. Oktober 2014

Feinster Kaviar, Riesenflaschen Dom Perignon und hunderte Kilo Fleisch und frisches Obst lagern im Bauch von MS Deutschland. Denn die anspruchsvollen Gäste des Traumschiffs möchten auch vor Fidschi oder in Indonesien stets mit dem Besten aus der gehobenen heimischen Küche verwöhnt werden. Die Lagerräume auf der Deutschland sind der Verantwortungsbereich von Ralph Sandig. Der 41-jährige ist der Food & Beverage Manager an Bord. Früher hieß die Funktion noch Proviantmeister.

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Sandig hält nach, was in den 7 Kühlräumen und 4 Gefrierzellen vorrätig ist oder nachbestellt werden muss. „Vieles davon erledigt ein Computerprogramm“, erzählt Sandig bei einem Rundgang im Schiffsbauch auf den Decks 3 und 2, „doch manche Nachfragen sind für den Computer unvorhersehbar, da müssen wir nachjustieren.“ Seien beispielsweise unerwartet viele bayrische Gäste auf einer Reise, werde vermutlich mehr Weizenbier getrunken als vorher berechnet. Dann müssen Ralph Sandig und seine Kollegen dafür sorgen, dass möglichst schnell die Lager wieder aufgefüllt werden.

„In Deutschen Häfen bekommen wir alle Waren innerhalb von zwei Tagen kurzfristig nachbestellt, schon in anderen europäischen Ländern ist das nicht mehr so einfach,“ sagt Sandig. Daher plant er Monate im Voraus die Neubestellungen, die dann in den großen Häfen der Welt im Container eintreffen.

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Erfahrungswerte helfen Sandig und seinen Kollegen bei der Planung. Auf einer durchschnittlichen MS Deutschland Kreuzfahrt, die etwa zwei Wochen dauert, werden 100 ganze Hummer verspeist, 80 kg Riesengarnelen serviert, 12 Kaviardosen geöffnet, 250 g Rinderfilet verzehrt und täglich etwa 1.500 Eier, 100 Liter Milch und 25 kg Zucker verbraucht.

Wer gut isst, will auch etwas ordentliches Trinken. Daher gehen auf der Deutschland pro Reise 1.500 Liter Fasspils über den Tresen und die Gäste genießen 800 Flaschen Sekt und schlürfen 600 Flaschen Champagner. Im Lager auf Deck drei hat man für ganz besonders feierliche Anlässe sogar Riesenflaschen bereit.

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Zwar lieben die Gäste auf der Deutschland die deutsche Küche und es gelüstet ihnen auch vor Südseekulisse mal nach Sauerbraten, doch wollen sie beizeiten auch lokale Spezialitäten genießen. Bestimmte Dinge kauft Ralph Sandig auf den Märkten vor Ort. „Eine so gute Chorizo wie es sie in Spanien gibt, kann mir der beste Lieferant nicht aufs Schiff bringen“, sagt der Food & Beverage Manager. Dennoch sei die Marktromantik eine Traumvorstellung. Den F&B-Manager, der in Indien oder Asien auf kleinen bunten Märkten Mengen an frischem Obst oder Gemüse kauft, gebe es nicht. „Das angebotene Obst entspricht oft nicht der Qualität, die die Deutschen Gäste gewohnt sind. Wenn die Mango auf den Philippinen überreif ist und schwarze Punkte hat, gefällt das den Gästen nicht“, weiß Ralph Selig. Hinzu kämen Hygieneprobleme. So kann ein Sack Chashewnüsse in Indien zwar günstiger sein als auf dem Weltmarkt, doch wenn er dafür noch ein paar Käfer extra enthält, verzichtet man als erfahrener Lebensmittelverwalter besser. Doch Ralph Sandig kennt die Fahrgebiete und Häfen, wo er besondere Spezialitäten für seine Gäste finden kann, die sie dann beim Kapitänsdinner auf dem Teller haben.

Text/ Fotos: ina, ReiseWorld

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