Raiatea, wild und schön

31. August 2011

Den Inselnamen spricht man Ra“i“tea aus, mit Betonung auf dem „i“. Das ist das erste, was uns die Jeep-Fahrerin nach der Abfahrt in Uturoa erklärt. Es sollen noch viele Informationen folgen, denn die so genannte Safari soll uns entlang der Küste in einen wild bewachsenen Vulkankrater führen, bevor wir eine Vanille-Plantage und ein Marae, ein traditionellen Gebetsplatz, entdecken.

Raiatea-4

 „Salut, Salut“ ruft Janine immer wieder heftig winkend aus dem Wagen. „Hier sagt sich jeder hallo, auch wenn wir uns nicht kennen“, erklärt sie uns. Wer hier lebt vertraut seinen Mitmenschen. Als zum Beispiel ein anderes Fahrzeug mitten auf der Straße geparkt wurde, so dass wir nicht weiterfahren können, springt Janine aus dem Jeep und rangiert das andere Auto an den Straßenrand. Der Schlüssel steckte. So läuft das hier. 

Wir fahren an der Ostküste Raiateas bis zum Faaroa Fluss. Wir sehen an diesem Sonntag saubere Straßen, bescheidene aber gepflegte Häuser und Familien, die ihre Freizeit am Fluss oder am Meer zum picknicken und schwimmen verbringen. Raiatea zeigt sich heute als ein beschaulich schönes Eiland abseits der Touristenströme. Es gibt nur eine Hand voll Hotels über die Insel verteilt, was daran liegen mag, dass es auf Raiatea keine Sandstrände mehr gibt. Den Sand hat man für den Straßenbau benutzt. Nun trifft das Meer direkt auf das Land.

Raiatea-0

Wild bewachsen liegt die Caldera eingerahmt von mächtigen Berggipfeln, die beeindrucken. Die Vegetation gleicht einem Garten Eden. Ananas, Papaya,  Pampelmusen und Bananen wachsen hier im Schatten von Kokospalmen und anderen Bäumen. Besonders fallen uns die verschiedenen Ingwer-Sorten auf, die fantastisch blühen – zum Beispiel glitschig Silber oder glühend rot. Die ruckelige Fahrt führt uns durch Wasserläufe, scharfe Kurven und steile Hänge und bezaubert durch immer wechselnde Panoramen. So haben wir stets unterschiedliche Vulkanberge im Blick, am höchsten ist der Toomaru mit 1.017 Metern.

Raiatea-2

Wieder an der Küste passieren wir zahlreiche Vanille-Plantagen. Karos bespannt mit schwarzen Netzen, um die Pflanzen zu schützen. Der Einheimische Yannick führt eine Plantage und erzählt uns, dass von der Blüte bis zum  Verkauf einer Schote eineinhalb Jahre vergehen. Er und seine Arbeiter bestäuben die Pflanzen per Hand, pflücken sie, trockenen sie jeden Tag aufs Neue in der Sonne, sortieren sie nach Größe und immer wieder auch nach dem Feuchtigkeitsgehalt, bis die Tahiti Vanille ihr volles Aroma enthält. Sie unterscheidet sich von der Bourbon-Vanille, die 90% der Weltproduktion darstellt. Tahiti-Vanille mit ihrem lakritzartigen Geschmack werde in Deutschland vor allem von Gourmetköchen geschätzt, erzählt uns Yannick. Unser nächster Stopp sind alte Steine. Ein Marae.

Auf der Insel gibt es mehrere Marae, das sind Kult- und Begegnungsplätze. Sie dienten der Verehrung der Inselgötter. Die Marae liegen in der Regel an besonderen Stellen außerhalb der Ortschaften, zum Beispiel an Landvorsprüngen. Regelmäßige Opfergaben an die Götter gehörten zum Alltag: Das waren Nahrungsmittel, Tiere und bei besonderen Anlässen, etwa einem Krieg, auch Menschen. Dabei wurden stets nur junge Männer geopfert.

Raiatea-5

Hier auf Raiatea in Marae-Anlage Taputapuatea legten die Zeremonie-Leiter den jungen Mann auf den Boden vor einem besonders großen Baum am Rande des Marae. Dort wurde dem Mann der Kopf eingeschlagen. Blutete es dabei kräftig, war dies gut und der Kriegsgott besänftigt. Die vielen Schädel der geopferten Menschen reihten sich dann auf der Randmauer des Marae ein. Mit der christlichen Missionierung wurde die Götzenverehrung beendet. Bei Beginn des Tourismus auf der Insel nahmen Touristen allerdings immer wieder einen Schädel als Souvenir mit. Daraufhin transportieren die Einheimischen die restlichen Schädel
alle vom Marae ab zu einem sicheren Ort.

Raiatea-3

 Raiatea. Die Insel mit gut 12.000 Einwohnern liegt zwischen den bekannten Inseln Bora Bora und Tahiti. Der Name bedeutet endloser Himmel. In der Hauptstadt Uturoa wohnt ein Drittel der Bevölkerung. Fährt man die Küstenstraße der Insel einmal herum, ist man 100 Kilometer unterwegs.

Weiter geht es mit der schönsten Insel der Welt, Bora Bora!
Direkt zum ersten Artikel unserer Weltreise mit MS Astor geht es hier.

Alle Videos von unserer Weltreise mit MS Astor findet ihr im ReiseWorld Youtube-Kanal.

Dies könnte Sie ebenfalls interessieren

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir zur Optimierung Ihres Lesegenusses Cookies verwenden. mehr

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir zur Optimierung Ihres Lesegenusses Cookies verwenden. Aus rechtlichen Gründen müssen wir Sie an dieser Stelle darauf hinweisen. Mehr Details gibt es auch in unseren Datenschutzbestimmungen, verlinkt im Impressum.

Close