Samoa und Apia, Südsee

1. September 2011
Kirche in Samoa

Es regnet in auf Samoa strömen als MS Astor in den Hafen von Apia einläuft. Die Empfangsband hat sich unter einen weißen Pavillon zurückgezogen, stimmt trotzt den Regentropfen aber mit fröhlichen Willkommensklängen. Deutsche Touristen sind in Samoa, der ehemaligen Kolonie des Kaiserreichs, gerne gesehen. Die Reisebranche ist ein wichtiger Motor für die Wirtschaft des Inselstaats, denn im Jahr kommen etwa 100.000 Menschen aus Neuseeland, Australien den USA und Europa. Mit eingerechnet sind auch Samoaner mit Wohnsitz im Ausland, die ihre Familie besuchen.

Aussicht über Apia

Die Großfamilie spielt in der Gesellschaft von Samoa eine große Rolle. Die Clanstruktur, das Aiga-Sytem, ist in Samoa fest verankert. Die Familie hat in der Regel einen Häuptling. einen „Matai“, der die Entscheidungsgewalt besitzt und als einziger das passive Wahlrecht besitzt. Die Familien auf Samoa leben in der Regel nah zusammen und treffen sich sonntags nach dem obligatorischen Gottesdienst in ihrem Fale, einem offenen Pfahlbau. Früher haben die meisten Samoaner in diesen Häuser gelebt, heute bevorzugen viele die Privatsphäre europäischer Architektur mit geschlossenen Wänden. Der offene Holzbau dient heute oft nur noch den Familientreffen.

Samoa

Kinder in Samoa

Als wir an diesem Sonntag über Samoa fahren, sehen wir viele Menschen in ihrer weißen Kreidung in die Kirchen strömen. Die Kirchen sind zu den Seiten hin offen gebaut, so dass der warme Wind durch die Bänke wehen kann. Die meisten Samoaner sind katholisch, einige evangelisch. Es gibt auf Samoa auch ein paar Methodisten und Mormonen auf der Insel. Mose, unser Taxifahrer mit Leopardenhut erzählt uns, der Sonntag sei der „Tag für Gott und die Familie.“ Es ist sehr ruhig auf den Straßen an diesem morgen, es ist kaum ein Fahrzeug unterwegs. Wir passieren viele Gotteshäuser auf unserem Weg in den Inselosten. Auffällig für uns: Auch die Männer auf Samoa tragen allesamt Röcke. Das ist die traditionelle Kleidung hier, wie bei den Schotten der Kilt. Wir fragen Mose, was die Samoaner denn „drunter“ tragen: „Hier auf Samoa ist das wie bei den Schotten!“, lacht er.

Stolz sind die Einheimischen aber nicht nur auf ihre Traditionen, sondern besonders auf ihre Kinder. Mose erzählt uns von seinen vier Kindern. Sein 17-jähriger Sohn hat gerade einen tollen Abschluss gemacht und darf nun in Neuseeland weiter studieren. Das schaffen nur wenige. Mose selber hat früher das Tourismus-Marketing im Ausland betreut, ist mehrfach nach Deutschland gereist, unter anderem auch zur ITB. Samoa wirbt in Europa um Touristen, weil die meisten derzeit noch aus Neuseeland, USA und Australien kommen, erst dann folgt Europa, wobei davon am meisten Briten, dann Deutsche. Mittlerweile arbeitet Mose als Manager bei einer der beiden großen Tourismusfirmen auf Samoa – weshalb er uns auch an diesem Tag kutschiert.

Samoa

Kind in Samoa

Die Sonne strahlt durch die Wolken und betont das saftige Grün, das uns umringt. Eine von Amerikanern auf die Insel gebrachte Kletterpflanze namens Kudso dominiert die Vegetation auf Samoa. Die Weinart überwuchert Sträucher und Büsche und erklimmt selbst die höchste Palme, um sie ihr das Licht zu stehlen und sie so nach und nach zu töten. Egal wo man auf Samoa hinkommt, Kudso ist schon da. Eine Gruppe Amerikanischer Touristen hat erklärt, dass Marines die Pflanze einst als Tarnung mit auf die Insel brachten. Samoas Hinterland ist fruchtbar. Hier stürzen Wasserfälle die Hänge hinab und Flüsse ziehen sich über das Land. Die Samoaner haben hier Plantagen bauen hier Kokosnüsse, Bananen oder Taro an.

Samoa

Pflanze in Samoa

Zwei Drittel der Samoaner sind noch in der Landwirtschaft beschäftigt, weshalb auch die Wirtschaft von Samoa anfällig für Naturkatastrophen ist. Allein 2009 starben bei einem Tsunami mindestens 170 Menschen auf Samoa und Amerikanisch-Samoa. Die Landwirtschaft ist noch immer noch eine der wichtigsten Branchen, wobei der Tourismus, die Fischerei und das Bauwesen sogar noch eine größere Rolle spielen. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt hat der Dienstleistungssektor in Samoa mittlerweile einen Anteil von zwei Dritteln, gefolgt von 13 Prozent im Industriesektor und 12 Prozent in der Landwirtschaft. Wichtigster Handelspartner Samoas ist Australien, wichtigste Exportprodukte Fisch, Textilien, Bier, Taro, Kraftfahrzeugteile und Kokosprodukte. Die Wirtschaft war vor der Finanzkrise sehr stabil, in Folge der Krise stieg allerdings die Inflation auf über zehn Prozent.

Ingwer in Samoa

Im Herzen von Samoa

Unser Fahrer Mose führt uns über eine Insel die beschaulich und ruhig in der Südsee liegt. Er fährt uns zum weißen Sandstrand Tafatafa, der sich mit den polynesischen Inseln messen kann. Hier genießen wir das warme Wasser und ein Strand-Barbecue. Für die deutschen Samoa Besucher tischen Mose und seine Freunde Kartoffelsalat, Weißkraut und Würstchen auf. Auch die Samoanische Version dieser Speisen ist sehr schmackhaft. Mose verrät, er habe sich bei einem Deutschen einen Tipp geholt. Heute leben nur knapp über 20 Deutsche Staatsbürger auf Samoa, obwohl die Samoaner mit der Kolonialgeschichte im Reinen seien, wie Mose uns versichert. Er sagt, die Deutschen hätten viele positive Entwickelungen begründet, wie beispielsweise die Transportwege ausgebaut.

Heute noch gibt es viele deutsche Familiennamen im Telefonbuch, wie Wetzel oder Schulze. Eine wirtschaftliche Beziehung gibt es mit der deutschen Firma Boehringer Ingelheim, die die Nonu-Frucht (auf Raiatea hieß sie Noni) für Medizinprodukte importiert. Heute fühlen die Samoaner sich eher mit Neuseeland verbunden. So wollten sie die Einführung von Autos aus Australien und Neuseeland und erleichtern. Diese Autos haben das Steuer auf der rechten Seite. Daher haben die Samoaner 2009 den Linksverkehr eingeführt, wenn auch unter Protest so manches Autobesitzers. Mose fährt immer noch mit seinem kleinen weißen Bus mit dem Steuer auf der linken Seite. Nur die neue Einfuhr von „linksgesteuerten“ Autos ist verboten.

Kind in Samoa

Samoa. Die Inseln von Samoa liegen gut 1000 Kilometer westlich von Tahiti und 2400 Kilometer nordöstlich von Neuseeland. Es dreht sich dabei um neun Inseln, von denen vier bewohnt sind (180.000 Einwohner). Die beiden größten sind Upolu und Savaii. Apia (37.700 Einwohner) ist die Hauptstadt im Norden von Upolu. Landwirtschaft und Fischerei sind noch sehr wichtig, wobei der Tourismus einen immer höheren Stellenwert erhält. Die Südküste ist dominiert von schönen Stränden. Im 18. Jahrhundert kamen die ersten europäischen Seefahrer; ab 1830 britische Missionare. 1855 gründete ein Hamburger Handelshaus eine Dependance in Apia, West-Samoa.

Hotel in Samoa

Deutsche kauften den Häuptlingen Land ab und legten Kokosplantagen an. In Apia lebten dann hunderte von Europäern. Auch die USA und Großbritannien gründeten Handelshäuser und meldeten Ansprüche an. Anfang 1889 wurde beschlossen, dass die drei Länder Samoa gemeinsam regieren. Diese Einigung hielt nicht lange, weshalb noch im selben Jahr beschlossen wurde: England erhält Tonga, die USA Ost-Samoa und Deutschland West-Samoa. 1900 wurde in Apia die Deutsche Flagge gehisst. Bis 1914 regierten deutsche Gouverneure. Sie ließen ein Krankenhaus bauen, die ersten Schulen und Straßen. Die deutsche Kolonialherrschaft gilt als wirtschaftlicher Erfolg, die Haupteinnahmen ergaben sich aus der Kopra- und Kakao-Produktion. Jetzt auch im Nachhinein betrachten die Einwohner die deutsche Herrschaft als positiv. Bei Ausbruch des ersten Weltkriegs 1914 nahm ein Neuseeländisches Kommando die Insel kampflos ein. Die Beamten wurden Kriegsgefangene, private deutsche Bürger blieb es jedoch frei, auf Samoa zu bleiben. Neuseeland verwaltete dann das Gebiet, seit 1962 ist West-Samoa unabhängiger Staat, seit 1997 offiziell unter dem Namen Samoa. Der katholischen Kirche gehören noch drei Viertel der Ländereien.

Astor auf Samoa

Morgen überqueren wir die Datumsgrenze. Ob alles gut geht? Lest mehr im nächsten Artikel der Serie „Weltreise mit dem Kreuzfahrtschiff“. Direkt zum ersten Artikel unserer Weltreise mit MS Astor geht es hier.

Alle Videos von unserer Weltreise mit MS Astor findet ihr im ReiseWorld Youtube-Kanal.

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