San Blás Inseln, Panama

29. August 2011
Palme ragt ins Wasser

Kleine Inseln ziehen an uns vor bei. Palmenhaine wehen im Wind, kleine Fischerboote kreuzen den Weg unseres Dampfers. Wir sind in dem Archipel der San Blas Inseln vor der Küste Panamas angekommen. Hunderte winziger Eilande und Felsen liegen hier wie willkürlich zerstreut im Karibischen Meer.

Aussicht auf San Blas Inseln vom Kreuzfahrtschiff

Kleine Inseln im karibischen Meer

Als MS Astor ihren Ankerplatz in der Inselwelt erreicht, sammelt sich am Heck eine kleine Kanu-Kolonne. Die Boote bestehen jeweils aus einem Baumstamm, der zwei bis fünf Menschen über Wasser hält. Durch undichte Stellen dringt immer wieder Wasser durch die Planken. So schaufelt in jedem Boot ein Mitfahrer permanent das eindringende Wasser aus dem Boot. Wir fragen uns, warum die Indios diese Strapaze auf sich nehmen. Neben uns treten zwei Mitreisende an die Reling. Auf einmal macht es „platsch!“. Sie haben gefüllte Plastiktüten vom Deck 8 ins Meer geworfen. Unten springen die Kinder aus den kleinen Booten und kämpfen um die Gabe. „Denen geht es so schlecht“, erklärt die Frau, „wir haben 30 kg an Kleiderspenden dabei, extra für diese Inseln“. Ein erfahrener Seefahrer an Bord erklärt uns, dass man auf diese Weise besser keine Entwicklungshilfe leistet. Wenn dann, sollte man Spenden direkt an den Dorfvorstand geben oder andere Personen in verantwortlicher Position. Denn sie wissen meist besser, wer wirklich bedürftig ist.

An Land auf den San Blas Inseln erleben wir eine Mischung aus Indio-Tradition und Touristenshow. „Das ist wild dort“, ruft uns ein Mitreisender entgegen. Auf der Hauptinsel Carti Sugtupu spielt sich das Leben der Kuna Indianer ab. Hier gibt es eine Schule, ein Restaurant, eine Kirche und ein kleines Museum. Nur ein paar Häuser sind aus Stein, die anderen auf Palmenwedeln. Hier wohnen die Kuna Familien auf engstem Raum mit ihren Haustieren: Kätzchen, Hunden oder Vögeln. Die Insel ist so eng besiedelt, dass jeder Quadratmeter entweder aus Hütten oder Lehmwegen besteht. Hier erwarten die Kuna ihre westlichen Besucher.

Die Indianer haben sich auf den Tourismus spezialisiert und „haben Dollarzeichen in den Augen“, wie eine Mitreisende zu erkennen meint. Es stimmt, dass die Kuna es verstehen, sich Touristengerecht in Szene zu setzen. Am Wegesrand präsentieren sie sich selbst, ihre Kinder und Babys in traditionellen Trachten. „Man kommt sich vor wie im Zoo“, sagt eine Kreuzfahrerin später. Wir sehen Frauen, deren Gesichter vom Leben in der Natur gezeichnet sind. Andere positionieren sich vor ihren Häusern mit Tieren als Fotomotiv. „One Dollar bitteschön“, fordern sie für ein Foto.

Frauen auf den SanBlasInseln vor Panama

Wer kein Foto machen möchte, kann stattdessen die bunten Stoffkunstwerke, die so genannten Mulas, kaufen. Diese traditionellen Decken reflektieren die traditionelle Kultur aber auch moderne Lebenseinflüsse. So zeigen die farbenfrohen Motiven beispielsweise klassische Indio-Muster aber auch Weihnachtsmänner. Aus den Einnahmen kaufen die Familien Nahrungsmittel, begleichen Arztrechnungen oder finanzieren die Ausbildung der Kinder auf dem Festland. Die Kreuzfahrer haben das Gebiet der Kuna vor einigen Jahren entdeckt. Die Cruiseliner bringen gutes Geld und auch Spenden in Naturalien, wie Früchte oder Saft.

Der Einheimische Hernan Martinez sagt von dem Leben auf den San Blás Inseln. „Ich lebe gerne hier, uns geht es gut“, sagt er. Sie leben hauptsächlich vom Fischfang. „Das Meer ist reich, wir essen jeden Tag frischen Fisch“, sagt Martinez. Nach einem guten Fang räuchern sie den Fisch, um ihn für schlechte Tage auf zu bewahren. Oder sie essen Dosennahrung. Die Kuna bauen selbst ein paar Früchte und Gemüse an wie Tomaten oder Kartoffeln, importieren aber auch vom Festland.  Martinez spricht gebrochenes Englisch. Er hat es in Panama City gelernt, wo er zur Schule gegangen ist. Aber er ist in seine Heimat zurückgekehrt. Warum? „Wir Kuna leben gerne eng zusammen“, sagt Hernan Martinez. Und das sieht man. Die Hütten stehen dicht an dicht, man lebt hier in Gemeinschaft.
Gemeinschaftlich kümmern sie sich auch um die Nachbarinsel. Sie ist ein Mini-Paradies. Auf der winzigen Insel lebt immer eine andere Familie für ein paar Wochen. Sie hat dann den Auftrag, den schneeweißen Karibikstrand sauber zu halten. Icotupu besteht aus einem Palmenhain und einem Strand wie aus dem Katalog. Hier findet man auch eine Palme, die schräg über den Sand ins Meer hineinragt. Der Inbegriff eines tropischen Traumstrands. Im Wasser tummeln sich bunte Fische in kleinen Korallenansammlungen. Leider ist das Wasser aufgewühlt, so dass auf dem Meeresboden viel Sand aufgewirbelt wird. Die Sicht durch die Taucherbrille ist daher begrenzt. Aber ein mitreisender Schnorchler hat sogar einen zwei Meter langen Baracuda gesehen.

San Blas Inseln. Die Kuna-Indianer wurden von den Spaniern vertrieben und siedelten sich Ende des 19. Jahrhunderts unter anderem auf kleinen Inseln vor der nordöstlichen Küste Panamas an. Das Volk der Kuna soll gut 30.000 Menschen umfassen. Von den circa 450 (Korallen-)Inseln sind die wenigsten bewohnt, die meisten bestehen aus schönen Stränden und Palmen. Auf einigen Inseln gibt es Siedlungen, die 100 bis 4.000 Menschen umfassen. Die 52 Dörfer sind autonom. Die Dorfoberhäupter treffen sich regelmäßig und bilden eine Art Regierung. Zusätzlich gibt es drei Vertreter der Kuna in der Nationalversammlung Panamas. Die Kuna legen Wert auf die Erhaltung der eigenen Kultur. Seit 1953 haben sie in Panama einen gesetzlich gesonderten Status, der die Autonomie garantiert. Hier herrscht das Matriarchat, ein angeheirateter Mann zieht zu seiner Frau und arbeitet dann für die Familie der Frau. Vererbt wird auch immer mütterlicherseits. Die so genannten Molas sind bunte Näharbeiten, die traditionelle Muster und Farben mit Einflüssen der Moderne verbinden. Zum Verkaufen werden die Rechtecke wie bunte Wände zur Schau gestellt. Die Qualität ist an der Anzahl der Stofflagen zu erkennen. Die Frauen sind mit den Molas stets sehr bunt und traditionell angezogen. Die Männer tragen dagegen moderne westliche Kleidung. Große Familien leben in Langhäusern, häufig ragen kleinere Häuser bis über die Küstenlinie. Die Kinder lernen schon früh, sich mit Kanus von Insel zu Insel fortzubewegen. Da es kein frisches Trinkwasser auf den Inseln gibt, müssen die Einwohner dafür ans Festland fahren. Nur Kokosnüsse gibt es im Überfluss. Sie gelten auch als Zahlungsmittel und sind die Haupteinnahmequelle der Kuna.

Alle Videos von unserer Weltreise mit MS Astor findet ihr im ReiseWorld Youtube-Kanal.

Jetzt geht es durch den Panama Kanal im nächsten Artikel der Serie „Weltreise mit dem Kreuzfahrtschiff“. Direkt zum ersten Artikel unserer Weltreise mit MS Astor geht es hier.

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