Seetag, Indischer Ozean, Kreuzfahrt-Tratsch, 96. Tag

10. September 2011
Die Landschaft genießen und schön Gerüchte streuen
Die Landschaft genießen und schön Gerüchte streuen

Die Landschaft genießen und schön Gerüchte streuen

Seetag ist Tratschtag. Nach einem Landgangsmarathon entspannt die Astor-Gemeinde nicht nur an Deck, sondern lässt mit Bekannten die vergangenen Tage Revue passieren. Ob bei Wasser und Melone beim Frühaufsteherfrühstück oder bei Schoko-Sahne-Torte beim Kaffeetrinken, man erzählt sich, was man in den vergangenen Tagen erlebt hat. Natürlich spricht man auch über die lieben Mitreisenden. Die Weltreisenden kennen sich mittlerweile und auch die Neuen auf diesem Reiseabschnitt haben sich gut eingelebt. Doch bei so vielen Menschen kann man sich nicht alle Namen sofort merken. Und wenn doch, ist nicht gesagt, dass der Gesprächspartner dann auch weiß, wer gemeint ist. Wenn Ulla erzählt, sie hat sich mit Christiane oder Trudi ein Taxi genommen, könnte das jede sein. Also behilft man sich mit Spitznamen. Da sagt Ulla dann lieber, sie hat ihren Ausflug zusammen mit „der mit den Krücken“ oder mit „der mit dem Rollator“ gemacht und jeder weiß, wer gemeint ist. Mit dabei war auch „die mit den Nordic-Walking-Stöcken“.


Abgesehen von Gehhilfen, müssen auch körperliche Merkmale für Spitznamen herhalten. Ulla wurde am Frühstück von einem Mann angesprochen. Sie hat ihn schon oft gesehen, kennt aber seinen Namen nicht. Ihren Freundinnen will sie aber trotzdem beim Bouillon auf dem Pooldeck davon erzählen. Sie sagt: „Stellt euch mal vor, da kam der mit den Glubschaugen einfach zu mir an den Tisch, obwohl da schon meine Tasse stand. Und dann ging auch noch der mit dem Bart vorbei.“ Alle nicken wissend. Dann erzählt Herta, dass sie heute im Pool war, als auch der Querschwimmer seine Bahnen zog. Alle schauen sie bedauernd an. Kennt man seine Mitreisenden etwas besser, kann sich die Namen aber trotzdem nicht merken, müssen Berufe herhalten. So kennt jeder „den U-Boot-Kapitän“ (der praktischerweise manchmal eine Kapitänsmütze trägt) oder „die Journalistin“ (ihre Lesebrille immer auf dem Kopf). Sind es Neuzugestiegene oder Mitreisende, mit denen man noch nicht gesprochen hat, ist die Namensgebung nicht so einfach. „Die mit den Zopf hat heute Morgen am Buffet mit der mit den roten Haaren gesprochen“. „Wen meinst du?“. „ Ja die Schweizerin hat mit der Berlinerin gesprochen.“ „Ach so.“ Man unterteilt die Mitreisenden nach ihrer Herkunft. Das ist recht einfach, weil man bei vielen am Dialekt hört, wo sie herkommen. Man hört sie am Nebentisch reden „dot woar so schöan“ und kann sagen, ach der Bayer. Oder der Hamburger (trifft auf etwa 50 Passagiere zu.) Oder der Norweger (gibt nur einen). Nach dieser kleinen Kreuzfahrer-Namenskunde machen sich die beiden jungen Leute noch einen schönen Tag an Deck.

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