Sydney, endlich Australien!

2. September 2011
Sydney

In der Morgendämmerung steuert MS Astor auf Land zu. Vor uns liegt die Terra Australis. Viele Passagiere begrüßen den Kontinent vorne auf dem Schiff mit Fotoapparaten und Kameras. Als die Astor den Pearl River hinuntergleitet, breitet sich vor uns die majestätische Skyline Sydneys aus. Glänzende Glasbauten hinter alten kleinen Kolonialhäusern, die grauen Segel des weltberühmten Opernhaus und die Harbour Bridge, die wie ein Kleiderbügel über der Hafeneinfahrt hängt heißen uns willkommen. Wir sind in Australien! Als MS Astor im Außenhafen vor Anker geht, essen wir unsere Brötchen draußen am Übersee-Club vor einer Postkartenkulisse.

Nachdem jeder Passagier persönlich seinen Pass bei den australischen Behörden an Bord vorgelegt hat, geben die Australier das Schiff frei. Australien und Neuseeland haben, wie wir erfahren, die strengsten Kontrollen – und sind damit mitunter erfolgreich. Dank strenger Zollkontrollen ist Australien von vielen Krankheiten und Viren bisher verschont geblieben, zum Beispiel SARS und BSE. So dürfen wir auf unser Tenderboot auch keine Art von Lebensmitteln mitnehmen.

Sydney Habour

Wir besteigen den modernen Tenderkatamaran und rauschen ins Stadtzentrum. Neben uns und um uns herum schwimmen Segelboote und kreuzen Fähren. Gewaltig grüßt uns das Opernhaus, das von weitem noch strahlend weiß geschienen hat. Bei näherer Betrachtung hat der fast vierzig Jahre alte Bau an Strahlkraft verloren. Das Weiß ist eher beige und der Beton darunter hat auch schon gelitten. Aber imposant bleibt das Haus – wobei es von Entfernung wirklich schöner aussieht. Gewaltig beugt sich die Hafenbrücke (Sydney Harbour Bridge, von 1932) über uns. Neben uns schwirren die Hochhäuser vorbei, die mit bekannten Weltnamen an den Spitzen bestückt sind: Allianz, ING, Symantec, Suncorp… bis wir in Darling Harbour anlegen. Und als höchstes ragt der Sydney Sky Tower hervor. Diese Einfahrt ist ein absolutes Highlight der Reise! Die Skyline von Sydney in der Komposition mit Brücke und Opernhaus (1973) sucht wirklich seinesgleichen.

Katharinas Logbuch: Ein moderner Reisebus bringt uns durch ausladende Vororte von Australiens größter Stadt in den Featherdale Wildlife Park, wo uns schon ein Ranger mit einem Wallabie-Baby zu winkt. So süß! In diesem Wildpark erleben wir die australische Fauna. Neben Schlangen und Krokodilen warten dort auch die kuscheligen Artgenossen auf uns.

Wallabie Sydney

Auf sie habe ich mich besonders gefreut: Kängurus und Wallabies hüpfen zwischen uns Besuchern umher und betteln um etwas zu fressen. Die meisten Tiere lassen sich bereitwillig streicheln und fotografieren. Dabei gefallen mir die kleinen Koalabären mit ihrem putzigen Gesicht am besten. Sie fühlen sich an wie lebende Wattebäuschchen. Die Koalas schlummern wie Plüschtiere in den Astgabeln oder mühen sich träge zu ihrem Eukalyptus Futter. Ihr Lebensrhythmus ist mir sympathisch: 16 bis 18  Stunden am Tag schlafen, ansonsten fressen. Das liegt daran, dass die Eukalyptus-Blätter kaum Nährstoffe enthalten. Und wer so wenig Energie bekommt, der darf dann auch mal ein wenig länger schlafen.

Wallabie Sydney

Da der australische Kontinent seit gut 50 Millionen Jahren von den anderen Kontinenten getrennt ist, hat sich eine einmalige Flora und Fauna entwickelt. So gibt es hier zum Beispiel Beuteltiere wie Wombats, Wallabies und Kängurus. Wallabies nennt der Australier die kleinen Kängurus (klein, nicht jung). Hier im Wildpark laufen Wallabies und Kängurus herum, die aufgerichtet maximal gut 1,30 Meter hoch sind; wir sind aber auch froh, dass hier keine größeren Kängurus leben. Die brauchen schließlich mehr Platz. Große rote Kängurus findet man eher in den Wüsten-Regionen, die ost-grauen sind eher auch weiter östlich heimisch. Auch der Koala ist ein Beuteltier und eben kein Bär. Und die sind ganz schön wählerisch: Von den bis zu 600 Eukalyptus-Arten mögen sie gerade mal ein Dutzend fressen. Daher müssen die Wildparks auch ständig Nachschub aus teilweise entlegenen Regionen holen, wo die richtigen Eukalyptus-Bäume wachsen. Von rund 20.000 heimischen Pflanzenarten sind vier Fünftel nur in Australien zu finden.

Wir fahren etwa 80 Kilometer westlich aus Sydney hinaus in die Blue Mountains. Aborigines sollen hier schon vor 20.000 Jahren gesiedelt haben, doch die Siedlungen sind längst verschwunden. Das riesige Hochplateau trägt auch den Spitznamen Gran Canyon Australiens. Der höchste Punkt liegt bei etwa 1.100 Metern, aber riesige Schluchten ziehen sich durch das Gebiet, bewachsen von Millionen von Eukalyptusbäumen. Wenn Eukalyptus-Öl austritt, verdampft und oberhalb der Blätter zusammen mit Staubpartikeln reflektiert wird, lässt das Sonnenlicht die bewaldeten Hänge blau schimmern. Wir haben Glück: Die Sonne scheint und wir bestaunen die Schattierungen von Grün bis Blau über den Bergen.  Von der Aussichtsplattform Echo Point liegt uns die unfassbare Weite des UNESCO-Weltnaturerbes zu Füßen. Einfach gewaltig!  Die Szenerie wird nicht nur von Eukalyptusbäumen bestimmt, sondern auch von Steinformationen und Felsvorsprüngen. Das Wahrzeichen der Blue Mountains sind die Drei Schwestern (Three Sisters) genannten Steinsäulen, die so aussehen, als wenn sie jeden Moment weiter abbrechen würden.

Blue Mountains Sydney

Thomas’ Logbuch: An einem Tag eine atemberaubende von Menschen gebaute Ansicht und eine natürlich Ansicht. So etwas habe ich noch nie erlebt. Sydney ist so beeindruckend, weil die Glasfassaden in den Himmel wachsen – und in all dem Beton, Stein und Glas doch eine faszinierende Schönheit steckt. Und auf der anderen Seite stehen nicht weit entfernt die Millionen von Bäume im Tal der Blue Mountains, die sich wie ein dichter Teppich über die Landschaft legen. Ein unwirklich schönes Bild, das geradezu zum Kopfschütteln anregt – im positiven Sinn. Wie kann die Natur so etwas nur schaffen?

Wir fahren von der Scenic World Station mit der laut Guinessbuch steilsten Seilbahn der Welt, dem Scenic Railway, 445 Meter nach unten in die Schlucht. Die Bahn wurde 1880 ursprünglich zum Transport von Bergleuten und Kohle gebaut. Und auch heute noch seilen sich die Waggons den Fels mit einer Steigung von 52 Grad hinab – nur mit Touristen. Wie in einer Achterbahn, nur ohne Looping! Unten angekommen folgen wir einem Pfad, den angeblich schon die Minenarbeiter im 19. Jahrhundert benutzt haben. Wir hören allerdings, dass die ursprünglichen Wege etwas anders verlaufen sein. Wir spazieren auf einem Holzsteg durch den dichten Eukalyptuswald, vorbei an Schlingpflanzen, Farnen und Wasserfällen.

Blue Mountains Sydney

Die Luft ist angenehm kühl und feucht und riecht nach Eukalyptusöl. Zurück nach oben trägt uns eine Glasgondel, die gemächlich über Wald und die Felsen schwebt. Wir sind begeistert von der einzigartigen Natur. Erfüllt von spektakulären Panoramen und atemberaubenden Aussichten steigen wir in den Bus, der uns zurück bringt zum Schiff. Auf dem Weg erfahren wir von unserer örtlichen Reiseleiterin noch interessante Dinge über Australien und den hiesigen Bundesstaat New South Wales. So herrscht in Australien zum Beispiel eine merkwürdige Mischung aus rigider Strenge und Liberalität. In New South Wales ist es zum Beispiel Pflicht, beim Radfahren einen Helm zu tragen. Allerdings dürfen Radfahrer damit dann auch auf der Autobahn fahren. Der Standstreifen bei uns ist der Fahrradstreifen. Allerdings sehen wir während unserer Fahrt keinen einzigen Radler, der sich das antut. Einen Führerschein für das Auto erhält man nach privaten Übungen mit älteren Familienmitgliedern relativ leicht und billig, es gibt eine kurze Prüfung. Danach müssen die Einwohner allerdings alle drei Jahre für 55 Australische Dollar den Führerschein neu kaufen und sich dabei einem Augentest unterziehen.

Australien und Sydney. Das Wort Australien ist aus dem Lateinischen abgleitet, Terra Australis, was südliches Land bedeutet. Australien ist der kleinste Kontinent, aber die größte Insel der Welt – und flächenmäßig der sechstgrößte Staat der Erde. 1788 waren elf Sträflingsschiffe von Großbritannien in der Bucht von Sydney angekommen. Fünf Jahre später kamen die ersten freiwilligen Siedler nach. Ab 1797 importieren die Briten Merino-Schafe, und die Zucht wurde schnell zum Hauptwirtschaftszweig. 1810 gab es schon 25.000 Schafe, heute sind es 130 Millionen. 1842 erfolgte die offizielle Stadtgründung Sydneys.

Sydney

1854 lebten schon 1.650.000 Menschen down under. 1901 entstand der Commonwealth of Australia, seit 1927 ist das 300 Kilometer südlich von Sydney liegende Canberra die Hauptstadt. Die Australier sprechen ihre Hauptstadt wie „Canber“ aus. 1999 entscheiden die Wähler in einem Referendum, dass Australien Monarchie bleibt. Sydney, der urbane Puls Australiens, liegt im Südosten Australiens. Sie ist die größte und älteste Stadt und hat sich von der Strafsiedlung zu einer der beliebtesten Hafenstädte der Welt entwickelt: Hier leben 4,1 Millionen der insgesamt 22 Millionen Australier und genießen 320 Sonnentage im Jahr. Die nächstgrößte Stadt nach Sydney ist Melbourne mit 3,6 Millionen Einwohnern. Der Westen und das Zentrum Australiens sind am wenigsten bevölkert.

Von Sydney geht es entlang der australischen Ostküste weiter Richtung Norden. Lest mehr im nächsten Artikel der Serie „Weltreise mit dem Kreuzfahrtschiff“. Direkt zum ersten Artikel unserer Weltreise mit MS Astor geht es hier.

Alle Videos von unserer Weltreise mit MS Astor findet ihr im ReiseWorld Youtube-Kanal.

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