Transatlantik Kreuzfahrt

26. August 2011
Das Kreuzfahrtschiff steuer in den Sonnenuntergang
Ein Regenbogen in der Gischt einer Welle

Das Unwetter ist weiter gezogen

Katharinas Logbuch: Blau soweit das Auge reicht. Royalblaue See, türkisblaue Schaumkronen, pastellblauer Himmel. Noch immer sehen wir nichts außer Meer. Unter uns ist es über 5.000 Meter tief. Beängstigend aber auch beidruckend. Man sieht nur die Wasseroberfläche in der Sonne glänzen. Doch birgt die Tiefsee noch so viele Geheimnisse. Der Mensch kann nur erahnen, was sich in den Weiten des Ozeans zuträgt. Ich frage mich, wie es aussieht, unter unserem Kiel. Im Reich von König Triton und den Riesenkraken.

Die See zeigt ein paar Schaumkronen und ein paar Wellen. Das Schiff schaukelt, aber nicht zu sehr im Vergleich zu den vergangenen Tagen.  Der Lektor an Bord zeigt uns in seiner Wetterkunde-Stunde meteorologische Situation Auf dem Atlantik: Wir haben ein starkes Sturmtief durchfahren und stoßen nun in ein Hochdruckgebiet vor, dass von Grönland bis tief in den atlantischen Ozean reicht. Die Schlechtwetterfront ist in Richtung Europa weiter gezogen und liegt nun über dem Spanischen Festland. Die Wellen ziehen noch etwas nach, es dauert, bis sich die See beruhigt hat. Viele Passagiere haben den Atlantik schon mehrere Male mit dem Schiff überquert. Doch niemand von ihnen hat ihn je so aufgewühlt erlebt. Die anderen Gäste berichten von Transatlantik-Passagen mit spiegelglatter See und schönstem Urlaubswetter mitten auf dem Ozean. Dabei sind hier kleine tropische Regenschauer üblich.

Doch wir sehen nur kleine, weiße, Puderwölkchen – die Passatwolken. Sie schweben wie kleine Wattebäuschchen am strahlend blauen Himmel. Ein paar fliegende Fische springen am Bug aus dem Meer. Sie gleiten mehrere hundert Meter direkt über der Wasseroberfläche, um dann mit einem Platsch Unterzutauchen. In den folgenden Tagen werden die Flugkünstler noch öfter bestaunen dürfen. Doch sie sind nicht die einzigen Bewohner dieser riesigen Wasserwüste. Es wird gemunkelt, jemand habe sogar schon einen Wal entdeckt, ein anderer will Delfine gesehen haben. Außerdem hatten sich zwei Vögel an Bord verirrt. Jemand soll sie mit Wasser übergossen haben, um ihnen zu helfen. So lagen die zierlichen Tierchen auf dem Deck und drohten zu verhungern. Doch der Vogelkundler an Bord wusste Rat. In einer spektakulären Rettungsaktion trocknete er sie mit seinem Fön und entließ sie achtern in die Freiheit. Die feinen Federn der Wellenläufer waren wieder voll einsatzfähig und so glitten sie dahin gen Horizont.





Am Abend zieren sie das Firmament und bescheren uns einen spektakulären Sonnenuntergang. Als versuchen, uns selbst zu fotografieren, eilt ein anderer Himmelsbeobachter herbei und bietet seine Dienste als Fotograf an. Diesem Gast sollen wir in den nächsten Tagen noch öfter begegnen, jeweils beim Sonnenaufgang und beim Sonnenuntergang. Er erzählt uns, dass er auf einer vergangenen Reise schon mal an Deck unter dem klaren Sternenhimmel übernachtet habe. Eine gute Idee, wie wir finden.

Passatwinde. Mittags staut sich der Süd-Ost-Passat in den Bergen von Inseln mit mindestens 800 Meter hohen Bergen/Vulkanen, was zu kurzen Niederschlägen führen kann. Der Passat geht mit der Sonne auf und geht mit ihr unter, so hat es mal ein Kapitän ausgedrückt.

Das Kreuzfahrtschiff steuer in den Sonnenuntergang

Auf zu neuen Ufern

Schwarze Raucher der Tiefsee. Ein erst mittlerweile bekanntes Phänomen der Tiefsee sind Schwarze Raucher, oder auch (etwas unbekannter) Weiße Raucher (englisch: Black Smoker / White Smoker). Das sind hydrothermalen (also Heißwasser-) Quellen am Grund der Tiefsee. Die Quellen stoßen als Röhren oder Kegel aus dem Erdinneren nach oben. Das austretende Wasser enthält viele Mineralien, etwa Sulfide, Eisen, Mangan, Kupfer und Zink. Diese Mineralien bilden die Rauchfahne, die weiter nach oben geschossen wird, weil das über 400 Grad heiße Wasser aus dem Erdinneren auf das 2 Grad kalte Wasser der Tiefsee trifft. Diese Abkühlung lässt sich Mineralien ausfällen, sie werden also vom Wasser zum Teil getrennt. Wassertemperaturen von über 100 Grad sind möglich, weil in der Tiefsee von mehreren hundert Bar herrscht. Wenn viele Eisensalze ausgefällt werden, ist die Fahne schwarz, wird Gips, Anhydrit oder Siliziumoxid ausgefällt, ist die Fahne weiß. Auf den Mineral-Schloten haben sich Lebewesen angesiedelt. Grundlage der Nahrungskette bieten Bakterien, des Weiteren gibt es Röhrenwürmer und manchmal sogar augenlose Krebse, Seesterne und Muscheln. Diese Biotope bestehen aber lediglich gut 20 Jahre, danach verstopfen die ausgefällten Minerale die Röhren und die Quellen versiegen – und damit auch das Leben. Die Forscher wissen nicht, wie das Leben zu neuen Quellen gelangt, die sich öffnen. Möglich wäre, dass die Tiere Eier ins Wasser abgeben, die an anderen neuen Quellen haften bleiben oder dass die Tiere die Fähigkeit haben, sich zu neuen Quellen zu bewegen. Diese lebensfeindliche Umgebung lässt eventuell auch Rückschlüsse auf den Ursprung des Lebens ziehen. Wissenschaftler vermuten, dass ähnliche Bedingungen früher auf der Erde herrschten und sich unter diesen Faktoren das erste Leben entwickelt hat.

Alle Videos von unserer Weltreise mit MS Astor findet ihr im ReiseWorld Youtube-Kanal.

Wird das Wetter endlich besser? Klickt hier für den nächsten Artikel der Serie „Weltreise mit dem Kreuzfahrtschiff“. Direkt zum ersten Artikel unserer Weltreise mit MS Astor geht es hier.

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