Utah: die surrealste Wirklichkeit der USA

31. Dezember 2017

Die Vereinigten Staaten haben viele beeindruckende Ecken. Sei es New York mit seinen unzähligen Hochhäusern oder Los Angeles mit seinen Lifestyle-Stränden und Hollywood. Doch kaum eine Region ist so beeindruckend wie Utah. Von Michel Weigel

Die Hauptstadt des Bundesstaates ist Salt Lake City, doch wer direkt bei der Anreise beeindruckende Landschaften sehen möchte, der reist am besten zur Grand Junction (Colorado) – es hört sich kurios an, aber es handelt sich hierbei tatsächlich um eine Stadt. Von hier aus folgt man nach einer etwa 40 minütigen Highway-Fahrt den Colorado River, welcher einen direkt in Richtung der Felsen führt.

Genauer gesagt ist der Fluss nahezu umgeben von Bergen, die man theoretisch alle besteigen könnte. Aufgrund ihrer Höhe und Breite, fühlt man sich im Auto wie vom roten Fels umgeben, das lässt den Gesamteindruck allzu surreal wirken. Besonders stark ist dieser Eindruck, wenn man erst in der Nacht ankommt und am nächsten Morgen das Naturwunder direkt vor Augen hat. Es ist überwältigend, sodass kein Bild diesen Eindruck festhalten kann. Das sollte jeder selbst erleben!

Ein Aufenthalt in Utah oder eher gesagt rund um Moab, wo wir uns befanden, kann einerseits ein klassischer Roadtrip sein, aber darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von aktiven Möglichkeiten. Darunter u. a. Bergsteigen. Vor allem an den Wochenenden treffen sich viele Menschen, um die hohen Felsen zu erklimmen. Dabei ist es oftmals irrelevant, ob Tag oder Nacht. Und manch einer steigt erst auf den Berg, um sich im Anschluss beim Sky-Diving zu vergnügen. Alles hierbei auf Eigenverantwortung.

Dazu gibt es Unmengen von Trails, die man entweder zu Fuß ablaufen kann, mit dem Mountain-Bike oder man leiht sich ein offroad-fähiges 4×4-Fahrzeug wie die hier typischen Wüsten-Buggies oder eine Motorcross-Maschine. Wir erkundeten das Gelände im Rahmen einer Land Rover Experience Tour mit Land Rover Discovery, Range Rover und Range Rover Sport. Dabei waren wir u. a. auf dem berühmten Hells Revenge Trail. Dieser besteht vorwiegend aus dem so genannten Slick Rock, also von Wind und Wetter glatt geschliffenen Felsen. Abwechselnd gibt es grob-steinigen Untergrund und kleinere Sand-Areale. Offroad-Anfänger sollten bei motorisierten Fahrzeugen auf einen Guide zurückgreifen, wie die erfahren Experten der Land Rover Experience. Zu Fuß oder mit dem (e-)Mountain-Bike kann man ebenfalls einsteigen. Beeindruckend sind vor allem die Panoramablicke, die man entweder in Richtung des Colorado Rivers oder in Richtung Moab hat. Auf dieser Strecke gibt es ebenfalls vereinzelt versteinerte Dinosaurierspuren zu entdecken. Wer sich für jene versteckten Dinge interessiert, der sollte auch die Augen für Schriftzeichen der Indianer aufhalten (Petroglyphen).

Empfehlenswert ist ebenso der Arches Nationalpark. Arch heißt übersetzt Bogen und diese Bögen sind riesig. Einige erkennt man schon aus mehreren Meilen Entfernung. Wer zum genannten Nationalpark reißt, der sollte wissen, dass der Eintritt mit dem Auto 25 Dollar kostet, doch diese rentieren sich sehr schnell. Allein schon der Bereich „Windows“ war atemberaubend – gerade wenn abends in ganz besonderen Momenten die Steinbögen von der tiefstehenden Sonne angestrahlt werden. Die Arches sind übrigens dadurch entstanden, dass hier die untere Gesteinsschicht weniger beständig ist als die härtere Schicht darüber. Insgesamt erstreckt sich Arches über 310 Quadratkilometer, d. h. man kann hier den gesamten Tag verbringen. Einziger Nachteil an diesem Ort ist die Vielzahl von Besucher, da es sich hierbei um einen Touristen-Hotspot handelt. Auch soll nicht unerwähnt sein, dass man den Park bis spätestens 19 Uhr (7 pm) verlassen muss.

Übrigens sind die Arches auch das Wahrzeichen Utahs, deshalb befinden sich jene auch auf den Nummernschildern der hier zugelassenen Fahrzeuge. Für uns die bisher schönster Nummernschilder, die wir jemals gesehen haben.

Der ein oder andere wird sich bei den Landschaften wahrscheinlich denken „das kenne ich doch irgendwo her“. Das liegt daran, dass rund um die Region Moab viele Filme zum Teil gedreht wurden, wie z. B. Indiana Jones und der letzte Kreuzzug, zahlreiche Western-Filme oder die moderne Serie Westworld. Zurück in die Zukunft III wurde 150 Meilen entfernt von Moab im Monument Valley gedreht.

Ganz allgemein wollen wir hier noch ein paar Hinweise geben für alle, die eine Reise in die Wüste planen. Ausreichend Wasser ist der erste Punkt: Nirgends trocknet die Haut so schnell aus, wie in der Wüste und da es hier nur ganz selten natürliche Wasserquellen oder geschweige denn Einkaufsmöglichkeiten gibt, ist es wichtig, bereits vor Ausflugs-Antritt seine Behälter aufzufüllen und besser zu viel mitzunehmen. In der Red Cliffs Lodge bei Moab, in der wir zu Gast waren, gab es z.B. das quelleigene Wasser gefiltert aus einem Extra-Hahn. Hierzu sicherheitshalber den Hotel- oder Lodge-Besitzer fragen. Als zweiten Punkt empfehlen wir eine Kopfbedeckung, denn vor allem in den Sommertagen kann es bis zu 40 Grad Celsius heiß werden. Auch gilt im Sommer besondere Achtsamkeit vor Schlangen. Im Winter ist es tagsüber sehr angenehm, doch sobald die Sonne einmal schwindet, kann man getrost auch einen Schal, sowie Handschuhe anziehen. In den Wintermonaten, die für eine Reise deutlich empfehlenswerter sind, ist also Zwiebel-Look angesagt. Hoch-Saison ist jeweils Herbst und Frühling.

Der Vorteil, den wir im Land Rover haben: Wir können Kleidung, Wasser und Proviant bequem mitnehmen – und mit der Luftfederung bleibt es sogar auf den Gelände-Trails recht bequem.

Als spezieller Tipp für alle Fotografen: In der Winterzeit mag die Kamera das Sonnenlicht generell lieber, so konnten wir selbst zur Mittagszeit gute Aufnahmen machen. Besonders toll ist das Licht natürlich in dem Moment, in der die Sonne dabei ist, hinter den nächsten Felsen zu verschwinden. Ferner ist es ebenfalls ein Naturereignis, dass die gesamte Landschaft unmittelbar gräulich wird, sobald die Sonne nicht mehr sichtbar ist – in dieser Dimension einmalig. An vielen Orten kann man bei Dämmerung und Dunkelheit problemlos die Milchstraße mit dem bloßen Auge erkennen und das bereits ab 19 Uhr. Hierzu muss man dann je nach Kamera die Verschlusszeit einstellen und vom Stativ fotografieren.

Insgesamt ist eine Reise nach Utah nur empfehlenswert, trotz eines langen Fluges nach Grand Junction. Denn man muss auch den geeigneten größeren Flughafen finden, den man zunächst aus Deutschland ansteuern muss. Alternativ kann man Salt Lake City, Las Vegas oder Denver fliegen und von dort aus dann länger mit dem Auto fahren.

Das Naturspektakel, welches man hier erlebt, ist einmalig. Es wirkt häufig einfach nur surreal und man kann sich auch nach den ersten Tagen noch nicht daran gewöhnen. Wir empfehlen, die Trails in Ruhe zu erkunden. Viele sind mit sieben bis acht Meilen recht kurz, aber dauern aufgrund der geringen Geschwindigkeiten dann doch recht lange. Wer übrigens den Colorado River weiterfährt, der kommt innerhalb von gut fünf Stunden auch beim Grand Canyon an.

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