Weihnachten auf See

31. August 2011
Sonnenuntergang auf dem Pazifik auf der Kreuzfahrt

Auf zu neuen Ufern: Lateinamerika liegt hinter uns und wir nehmen Kurs auf die Südsee. In sechs Tagen werden wir die Insel Nuku Hiva, Marquesas erreichen. Doch zuerst liegt vor uns die unbegreifbare Weite des Pazifiks. An diesem heiligen Morgen macht dieser seinem Namen alle Ehre als der Stille Ozean. Seichte Wogen rollen über das Meer, das Schiff schaukelt uns gleichmäßig gemächlich wie eine Wiege. Wir sitzen an Deck bei 28°C, während unsere Familie daheim schon unter dem Tannenbaum Weihnachtslieder singt. Denn in Deutschland ist es schon Abend und die Heilige Nacht.

Der Himmel und das Meer strahlen Azurblau auf der Kreuzfahrt

Der Pazifik von seiner schönsten Seite

Wir dagegen sehen wieder einmal strahlendes Blau in allen Richtungen, als ob jemand für die Natur in den Azur-Farbtopf gegriffen hat. Dunkelblau das Wasser, hellblau der Himmel bis zum Horizont. Weißer Schaum krönt das Wasser, als das Schiff sich durch die See pflügt. Weiße Wolken kleben am Firmament wie kleine Wattebäuschchen.  Eine Schar Seevögel folgt unserem Kurs. Die braun-weißen Tölpel gleiten elegant daher um sich im nächsten Moment senkrecht ins Wasser zu stürzen, auf der Jagt nach kleinen Fischen. Wie so oft springen kleine Flossenträger rechts und links vom Schiff aus dem Wasser und fliegen mehrere hundert Meter bis sie in die Wellen platschen.

„Let it snow, let it snow…”, tönt am Abend aus dem Bordradio. Thomas zurrt die Krawatte zu Recht und Katharina holt die Ohrringe heraus. Der Kleidungsvorschlag lautet: festlich. Passend zum Anlass. Wir machen uns auf dem Weg zum Restaurant. Auch die Mitreisenden haben sich in Schale geschmissen. Manche Dame ist behangen wie der funkelnde Christbaum, der an der Treppe steht. Eine Frau erzählt gerade stolz: „Den habe ich geschmückt!“.

Obwohl es draußen 28°C im Schatten sind herrscht an Bord schon Weihnachtsstimmung. Bei uns ist das Sommer-Urlaubsgefühl stärker, aber viele Mitreisende werden sentimental. Sie wollen einen besinnlichen Tag unterm Tannenbaum, am besten wie zuhause. Nur besser. Bitte ohne Schnee. Aber feierlich gemütlich wie am heimischen Kamin. Eine Angestellte erzählt uns, die Reisegäste seien Weihnachten besonders anspruchsvoll. Sie wollten es genauso wie zuhause begehen, obwohl sie am anderen Ende der Welt seien. Es sei eine große Herausforderung, an Bord Festtagsstimmung zu entzünden. Das Personal gäbe sich größte Mühe, aber trotzdem habe immer jemand etwas zu meckern.

Wir fragen ein Crewmitglied, ob er den in Weihnachtsstimmung sei. Dazu habe er gar keine Zeit, lacht er. Diese Tage seien die stressigsten überhaupt, weil so viel Zusätzliches zu organisieren sei, für die Passagiere und die Besatzung. Denn auch viele Mitarbeiter seien sehr katholisch, sie stammen von den Philippinen oder aus Russland und bräuchten zur Motivation auch ein paar festliche Momente.

Wir dinieren im Commodore Salon, einem kleinem, gemütlichen à la Carte Restaurant. Auf der Speisekarte stehen ganz wie zuhause: Karpfen mit Kartoffelsalat, Gans aber auch frischer Fisch aus Acapulco. Zur Feier des Tages schenkt uns die Kellnerin Zimtsterne mit Nikoläusen aus Zuckerguss. Ganz süß. Mit unseren Tischnachbarn unterhalten wir uns über die Dinge, die wir vergessen haben. Unter anderem haben wir eine Maus für unsere Laptops vergessen. „Kein Problem“, meint der Tischnachbar, „wir haben zwei mit.“ Und so haben wir ab sofort auch eine Maus und müssen uns nicht am Touchpad unsere Zeigefinger wund scheuern. Die Passagiere auf dem Schiff formen ein Abbild der Gesellschaft. Immer wieder treffen wir völlig intolerante Menschen, die sich selbst am wichtigsten nehmen und mit sinnlosen Kommentaren um sich werfen. Aber immer wieder treffen wir auch herzliche Menschen, die großzügig sind, aufgeschlossen und sehr hilfsbereit. Und darum kann man auch eine Computermaus bekommen, obwohl man selber keine mitgenommen hat. Der Abend klingt aus mit der Weihnachtsshow des Bordensembles. Sie singen Weihnachts-Popschlager wie „White Christmas“.  Teelichter flackern auf den Bartischen, fast jeder Platz ist besetzt in der Astor Lounge. Sogar die Zimmermädchen durften zur Feier des Tages die Show sehen. Sie quetschen sich in die letzte Reihe. Nach der Show lädt der Bordpastor zum Mitternachtsmesse. Hierfür haben einige Mitreisende Lieder eingeübt. Wir hätten sie gerne gehört, sind aber viel zu müde und gönnen uns zur Feier des Tages eine Nikolausmütze voll Schlaf.

Pazifischer Ozean und Südsee. Der stille Ozean, benannt wegen seiner häufigen Flauten in der tropischen Konvergenzzone, ist von Westen nach Osten 15.000 Kilometer breit und von Süden nach Norden 18.000 Kilometer lang. Alle Landmassen der Erde passen damit locker in die Fläche des Pazifiks. Die Wassermasse dieses Ozeans würde 3,5 Trillionen Badewannen voll Wasser füllen. Tiefste Stelle ist der Marianengraben mit 11022 Metern. Die Anzahl der Inseln in der Südsee richtet sich nach der Zählweise – je nach dem, ob einzelne Inseln eines Atolls einzeln gezählt werden oder nicht. So kann man auf zwischen 5.000 und 100.000 Inseln kommen. Polynesien befindet sich im Dreieck zwischen Hawaii im Norden, der Osterinsel im Südosten und Neuseeland im Südwesten. Da die Südsee auch unter einem Ozonloch liegt, kann man auch im Wasser beim Tauchen Sonnenbrand bekommen. Mit Goldschmuck sollte niemand ins Wasser gehen, weil das Glitzern Raubfische anlocken kann. Barrakudas jagen zum Beispiel nach dem Glitzern von Fischen und könnten dies dann verwechseln. Die Kriminalität in der Südsee gilt in der Regel als niedrig.

Morgen beginnt der Kampf um die Liegen!
Direkt zum ersten Artikel unserer Weltreise mit MS Astor geht es hier.

Alle Videos von unserer Weltreise mit MS Astor findet ihr im ReiseWorld Youtube-Kanal.

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