Weltreise mit MS Astor, 1. Tag

26. August 2011
Alpenpanorama

Eine Weltreise ist kein ausgefallener Lebenstraum. Er rangiert wahrscheinlich auf Platz zwei der meisterträumten Dinge des gemeinen Deutschen, direkt hinter Auswandern. Es gibt so viele fantastische Ziele zu sehen, exotische Kulturen zu erleben und kulinarische Köstlichkeiten zu entdecken. Auf den Spuren des großen Abenteurer Thomas Cook zu wandeln wünschen sich viele. Wir hatten das auch mal geplant, so in ein paar Jahrzehnten. Wenn überhaupt. Erst mal in die Karibik oder Australien, 14 Tage, pauschal. Doch dann kam der Anruf, der unser Leben veränderte.

„Koffer packen, Sie haben eine Weltreise gewonnen!“. Die Worte, die unser Leben für ein halbes Jahr aus der Bahn werfen sollen. Sie stammen von einem Mitarbeiter der BILD Bremen, die ein Gewinnspiel zusammen mit der Kreuzfahrtgesellschaft Transocean organisiert hat. „Können Sie denn überhaupt?“, setzt der Redakteur nach. Weil man ja eigentlich nicht so eben in zwei Wochen mal für vier Monate weg kann – auf Weltreise. Na klar. „Super. Dann wünsche ich schon mal viel Spaß!“

Wir können es uns vom der Arbeit her eigentlich gar nicht leisten, plötzlich eine Weltreise zu machen. Doch alle Vorsätze, alle Pläne können sich ändern, wenn man auf einem ungewöhnlichen Weg dazu gebracht wird. Es war Anfang November, da waren wir, beide 24 Jahre alt, ausgebildete Journalisten und nun selbstständige Filmproduzenten, gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt. Von einer Kreuzfahrt. Wir führen ein so zufriedenes Leben, dass wir während des Urlaubs gesagt haben: Tolle Fahrt aber jetzt brauchen wir erst einmal keinen Urlaub mehr. Wir sind doch ohnehin so ausgeglichen und so zufrieden. Klar, wir reisen gerne. Aber das war dann jetzt erstmal genug Erholung. Von wegen. Okay, das Gewinnspiel haben wir mitgemacht. Man wird ja wohl mal träumen dürfen. Aber normalerweise gewinnen doch sowieso immer andere. Dachten wir.

Und jetzt ist es offiziell. Wir gehen auf Weltreise mit dem klassischen Kreuzfahrtschiffs MS Astor. In 124 Tagen rund um den Globus.

Thomas‘ Logbuch: Super, denke ich. Meine Knie zittern, ich muss mich setzen. Mir wird übel. Dabei müsste ich eigentlich vor Freude platzen. Ich habe schließlich eine Weltreise gewonnen! 124 Tage, von Nizza nach Venedig, dazwischen ein bisschen Karibik, Südsee, einen Abstecher nach Neuseeland, etwas Asien inklusive China und dann ab nach Indien und Arabien. Eben einmal entlang des Äquators – mit dem Schiff. Aber das mach eich gerne. Was ich nicht so gerne mache, ist mein Leben für 4 Monate verlassen. Ich stehe mitten im Beruf und habe mich gerade selbstständig gemacht. Aber eine Weltreise – wann bekommt man im Leben noch einmal so eine Gelegenheit? Mein Leben lang hatte ich davon geträumt einmal in der Südsee unter Palmen zu liegen und in Indien Gewürze zu kosten. Ich liebe das Reisen! Aber irgendwie hält der Schockzustand an. Ich kann es noch gar nicht glauben. Ich muss Katharina anrufen und ihr es sofort erzählen.

Wir haben die Weltreise gewonnen. „Nein.“ „Doch“. „Nein.“ „Doch!“ „Echt?“ Ist der Dialog den wir zunächst einmal untereinander, und in den nächsten Tagen gefühlte 100 Mal mit Familienmitgliedern, Freunden und auch den entferntesten Bekannten führen. Die meisten freuen sich für uns – aber verschonen uns nicht mit gut gemeinten Ratschlägen von „nimm Socken mit, da kannst du die Hose reinstecken, um dich vor Mücken zu schützen“ bis hin zu „da müsst ihr aber aufpassen in solchen Ländern.“ Eigentlich hatten wir das nicht vor. Auf einer Weltreise zu sterben, das war schon immer unser Ziel. Scherz beiseite.

Anstrengende Vorbereitung

„Ja, haltet mal den Atlas hoch“, kommandiert der Fotograf. Er wurde von der Gewinnspielleitung geschickt, um das Siegerfoto zu machen. Bald wird es in der Zeitung erscheinen. Dann ist es amtlich. Wir grinsen in die Kamera, rufen Cheese und zeigen Daumen hoch.

Daumen runter zeigt uns die Ärztin, als wir ihr sagen, dass wir in zwei Wochen auf Weltreise gehen. Gelbfieber, Hepatitis A, Malaria, Japanische Enzephalitis, Polio, Grippe und Typhus könnten wir bekommen.

Katharinas Logbuch: Ich spüre sofort einige der Symptome in mir hochsteigen. Okay, ich bleibe zu Hause, will ich schreien. Aber wär’ ja auch schade um den schönen Gewinn. Ich meine, was sage ich denn meinen Freunden? „Ich habe Angst vor Spritzen, deswegen habe ich eine Weltreise abgesagt?“. Keine Option. Also Augen zu und durch. Sieben Mal pieksen ist ja halb so schlimm…

Urlaub im Schnee geschrieben

Die Weltreise beginnt im Winter

Doch die Nadel ist noch das geringste Übel. Kunden und Geschäftspartnern zu erklären, dass man sich mal kurzfristig für vier Monate verabschiedet, ist ungefähr so lustig wie in Baströckchen auf ein Businessmeeting zu gehen. Viele sind neidisch und machen keinen Hehl daraus, sie könnten sich so etwas ja nicht erlauben, weil viel zu erfolgreich und natürlich absolut unentbehrlich. Und viele Kunden sind natürlich zu Recht enttäuscht, weil wir gemeinsame Projekte geplant haben. Wir machen Filmproduktionen, die dann natürlich auch mal über einen längeren Zeitraum gehen können. Wir sind allerdings zum Glück in der Lage, alle laufenden Aufträge familienintern weiter zu geben – Familienunternehmen sei Dank. Also freuen sich auch viele Geschäftspartner für uns und haben Verständnis. Schließlich geben wir der Welt den Glauben an Gewinnspielchancen zurück. Jetzt mal ehrlich, kennen Sie jemand, der eine Weltreise gewonnen hat? Aber wir können jetzt sagen, es funktioniert! „Ich mach‘ jetzt ab sofort wieder alle Gewinnspiele mit!“, hören wir mehrfach am Telefon.

Countdown

Wir arbeiten auf Hochtouren, während die abgetöteten Gelbfieber und Hepatitis-A-Viren durch unsere Körper sausen und uns hoffentlich immun machen. Unsere Körper schreien nach Schlaf, aber die Computer lassen uns nicht los. Natürlich ist es zufällig so, dass in den zwei Wochen vor der Abreise plötzlich die halbe Bundesrepublik gleichzeitig Filmproduktionen machen möchte – mit uns.

Derweil verwandelt sich ein Zimmer in einen Koffer-Raum, im wahrsten Sinne. Die Kleiderstapel wachsen, während die Koffer scheinbar immer kleiner waren. „Also ich könnte schwören, dass bei der vorigen Reise deutlich mehr in den Trolley gepasst hat!“, meint Katharina. Die angepeilten zwei Aufgabegepäckstücke plus Handtaschen erreichen wir nicht, egal wie feste wir drücken. Es werden vier Koffer.

Leger mit Krawatte

Es gibt laut Reederei drei Bekleidungsvorschriften: leger, sportlich elegant und festlich. Wobei sportlich elegant Jackett und Krawatte für den Herrn bedeutet, festlich etwas in Richtung Abendkleid.

Katharinas Logbuch: Na super. Abendgarderobe. Ich fahr‘ in die Südsee. Ich will keine schwarzen Anziehsachen einpacken. Ich war so froh, dass diesen Winter meine Stiefel, Mantel und schwarze Strumpfhosen im Schrank bleiben müssen. Jetzt wandern doch eine schwarze Hose, ein schwarzer Rock und ein gleichfarbiger Pulli in die Tasche. Schwarz passt schließlich immer. Auch wenn es eine trostlose Farbe ist, für die Südsee. Aber in Saudi Arabien soll schwarz ja in der Damenwelt total en vogue sein…

Thomas‘ Logbuch: Um sechs Uhr wollen wir aufstehen. Der Wecker ist zwar für später gestellt, aber ich wache um Punkt sechs Uhr auf – die innere Uhr. Oder vielleicht nennt man das auch innere Aufregung. Kurz vor der Abreise hatten wir noch Impfungen gegen Gelbfieber, Japanische Enzephalitis und Grippe erhalten, außerdem haben wir schon angefangen, eine Typhus-Impfung in Form von Tabletten zu schlucken. Eine weitere Anti-Typhus-Tablette und die zweite Spritze gegen das seltsame japanische Virus muss noch mit aufs Schiff. Eine gepackte Kühltasche wartet im Kühlschrank, die Impfungen müssen in der Temperatur stabil bleiben. Unsere vier Koffer haben wir schon am Vorabend gepackt.

Trotzdem ist die Stimmung angespannt, denn das Indien-Visum ist noch nicht da – und damit fehlen auch noch die Reisepässe, die wohl noch im  indischen Konsulat hängen. Angeblich sollen sie per Express-Post kommen, auf die letzte Minute. Um 8.30 Uhr entscheiden wir uns, loszufahren zum Flughafen. Wir können nicht mehr auf die Lieferung warten. Und genau in diesem Moment fährt ein kleiner Kurierwagen vor und liefert die Reisepässe zurück. Glück gehabt! Also kann es losgehen.

Ganz Deutschland liegt in diesen Novembertagen lahm. Gestern sind an den Flughäfen hunderte Flüge annulliert worden, wegen eines frühen Wintereinbruchs. Vereiste Rollbahnen und verschneite Straßen sorgen für Verkehrschaos. Auch wir nähern uns nur im Schritttempo dem Flughafen Düsseldorf. Stadtverkehr und dann auch noch ein Unfall auf der Autobahn – super. Erste Gedanken kommen auf, ob wir nicht doch noch zum Bahnhof fahren sollen. Aber wir kommen doch langsam aber stetig voran und erreichen sogar sehr pünktlich den Flughafen. Koffer 1 aus dem Kofferraum, Koffer 2, 3, 4. Handgepäck Nummer 1, Nummer 2. Und die Kühltasche mit den Impfungen. Ja. Ja? Wo denn? Wir bekommen eine mittelschwere Krise. Die Kühltasche mit den wichtigen Impfungen … liegt wohl gekühlt im Kühlschrank. Also: Ganz schnell umdenken. Alles hinterher schicken lassen? Geht das überhaupt? Können wir auf Bora Bora dann unsere zweite Impf-Spritze im Hafen abholen?

Spontan entscheiden wir: Für die Typhus-Impfung suchen wir eine Apotheke am Flughafen, denn diese müssen wir bereits in zwei Tagen wieder nehmen. Die andere Impfung lassen wir uns zuschicken – und hoffen, dass es klappt. Der Apotheker am Flughafen will den Stoff nur gegen Rezept herausgeben. Also: Ärztin zu Hause anrufen, Rezept faxen lassen.  Dann schnell den Impfstoff eingepackt und ab durch die Sicherheitsschleuse, Stress pur. Und dann am Gate: Flug verspätet. Über eine Stunde. Der ganze Stress umsonst.

Alpenpanorama

Der Blick auf die schneebedeckten Alpen

Der Flieger bringt uns doch noch pünktlich nach München. Dort schlängeln wir uns durch Reihen von gestrandeten Passagieren, die wegen des Schneechaos teilweise am Flughafen übernachtet hatten. Doch wir haben Glück – unser Flieger startet planmäßig in Richtung Côte d’Azur. Aus der Luft erleben wir noch einmal eine wunderbare Winterlandschaft und ein einzigartiges Alpenpanorama.

Katharinas Logbuch:Wieder auf dem Boden trifft man im Gedränge am Gepäckband die ersten Mitreisenden. Man erkennt sie an den kleinen, blauen Gepäckanhängern der Reederei. Auf einmal ich werde von einer Frau angesprochen. „Reisen Sie auch mit der Astor?“ Ja, sage ich. Sie: „Ach wie weit denn?“ Ich: Die ganze Weltreise. „Oh. Aha. Wir fahren bis Sydney mit.“ Ich: „Aha.“ Sie hakt nach: „Ja, wie machen Sie denn das, so vier Monate einfach weg?“ Ich denke: Das wissen wir auch noch nicht so genau. Ich sage: „Man muss sich ja auch mal entspannen.“ Als wir wenig später in den Bus, einsteigen, der uns zum Schiff bringen soll, informiert besagte Dame schon lauthals alle anderen Mitreisenden: „Die da machen die Weltreise.“ Die Menschen, die hier im Bus sitzen sind mindestens 40 Jahre älter als wir, manche noch mehr. Kaum jemand ohne Glatze oder graue Haare, wir sind mit unseren zarten 24 Jahren eher exotische Erscheinungen. Und dann machen wir auch noch die Weltreise. Oh ha. Die Dame vom Gepäckband kann das auch noch nicht so ganz  glauben. Und bohrt weiter: „Arbeiten sie etwa an Bord?“, kräht sie durch den Bus. „Nein“, sage ich. Und nehme mir vor, das nächste Mal zu fragen: „Sie etwa?“. 

In Nizza ist es ein wenig wärmer als in Deutschland, aber auch ganz schön kalt. Wird Zeit, dass wir dem Äquator noch näher kommen.

Nizza. Nizza ist laut Reiseführerin die fünftwichtigste Stadt in Frankreich und hat über 350.000 Einwohner. Das ist die größte Bevölkerungskonzentration an der Côte d‘Azur. Die Stadt liegt am Fuße der Seealpen-Ausläufer. Der Flughafen kommt vom Passagieraufkommen direkt hinter den Flughäfen von Paris. In Nizza und Umgebung tummeln sich viele Reiche und Prominente – oder beides. Beliebt sind der Yachthafen und die viele Luxushotels entlang der Promenade des Anglais. Touristenattraktion ist die Altstadt von Nizza. In den kleinen verwinkelten Gassen kommt im Sommer italienisches Flair auf, wenn über einen Kleidung zum Trocknen aus dem Fenster gehängt wird.

Alle Videos von unserer Weltreise mit MS Astor findet ihr im ReiseWorld Youtube-Kanal.
Klickt hier für den nächsten Artikel der Serie „Weltreise mit dem Kreuzfahrtschiff“.

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2 Kommentare

  • Antworten Reisebericht Kreuzfahrt mit der MS AstorReiseWorld 20. Januar 2015 at 12:48

    […] Klickt hier für den nächsten Artikel der Serie “Weltreise mit dem Kreuzfahrtschiff”. Direkt zum ersten Artikel unserer Weltreise mit MS Astor geht es hier. […]

  • Antworten Kreuzfahrt mit MS Hamburg, ein Logbuch – Luxusreiseblog ReiseWorld 17. April 2016 at 21:34

    […] hunderten Jahren die Landkarten neu geschrieben haben. Dabei hatten wir den Äquator auf unserer Weltreise mit MS Astor schon einmal hinter uns […]

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