Whitsunday-Passage

2. September 2011
WhitSunday-Passage

Seit Sydney haben wir einen Gast an Bord, der sich hauptsächlich auf der Brücke aufhalten darf und muss: einen Riff- Lotsen. Normalerweise kommt ein Lotse kurz vor dem Anlegen im jeweiligen Hafen an Bord und steigt dann direkt wieder aus. Aber dieser Lotse, er heißt mit Vornamen Wel, ist nicht für den Hafen, sondern für das Great Barrier Reef zuständig. Das größte und bekannteste Riff der Welt beginnt hier an der Ostküste Australiens, etwa auf „mittlerer“ Höhe, wenn man sich Australien auf der Landekarte vorstellt.

Dann zieht sich das Riff nach Norden fort, gut 2600 Kilometer lang, über Australiens Nordgrenze hinaus. Das Große Barriere-Riff ist nicht ein einziges Riff, sondern besteht aus etwa 2900 einzelnen Riffen. Zusammen ziehen sie sich über eine Gesamtfläche von etwa 70 Millionen Fußballfeldern. Unser Lotse berät den Kapitän auf der Brücke. Denn in diesen Gewässern haben wir nicht wie sonst üblich gut 3000 Meter Wasser unter uns, sondern teilweise knapp über oder knapp unter 100 Meter. Und wenn sich irgendwo ein Riff auftürmt, kann es gefährlich werden. Der australische Lotse erzählt uns, dass ein Schiff hier zwar nicht zerbrechen würde. Aber es könnte an einem Riff stecken bleiben. Hier ist ein Riff von seichtem Wasser umsäumt, so dass das Schiff auch von Sand gebremst wird. An anderen Stellen im Pazifik allerdings sei es schon vorgekommen, dass bei turmartigen Riffen auch Schiffe zerbrochen sind. Denn in dem Moment, in dem ein Schiff vorne stecken bleibt, hängt es vorne fest und schwimmt hinten auf, was eine ungleiche Gewichtsverteilung darstellt und das Schiff in der Mitte zerbersten lässt. Auch wenn uns das hier nicht passieren kann, so wollen wir doch nicht auf ein Riff auflaufen und sind froh, dass Wel uns begleitet. Eine Kurskorrektur erleben wir, als das Schiff relativ plötzlich um fast 90 Grad wendet. Das sei aber eine normale Kurskorrektur gewesen, wie er uns später erzählt. In diesen Gewässern sei ein Lotse empfohlen, aber noch nicht zwingend vorgeschrieben. Erst etwas weiter nördlich schreiben es die Behörden strikt vor. Kreuzfahrtschiffe begleitet Wel nur ab und zu, meistens sind es Cargoschiffe. Die Strecke entlang des Great Barrier Reefs ist die längst Lotsenstrecke der Welt, an der ein Lotse an Bord ist. Daneben gibt es noch weitere lange Strecken, auf denen teilweise zwei Lotsen an Bord sein müssen, etwa vor Alaska oder in der Magellan-Straße in Südamerika. Doch bald, damit rechnet Wel, muss man auch am Great Barrier Reef zwei Lotsen an Bord haben. Das alles dient der Sicherheit, denn vor der Lotsenpflicht sind in den betroffenen Gebieten häufiger Unfälle passiert.

Unser Lotse Wel hat an diesem Tag noch eine Überraschung für uns parat: Kurzfristig hat er dabei geholfen, eine Genehmigung für die Whitsunday-Passage zu erhalten. Somit fahren wir keine Bogen außen herum, sondern mitten durch diese Passage – eine der schönsten Schifffahrtsrouten der Welt. Denn vor der Ostküste Australiens ist ganz schön was los: unzählige vorgelagerte Inseln und natürlich das Great Barrier Reef. Hier bei der Whitsunday-Passage fahren wir an mehreren Inseln vorbei, rechts und links. Auch diese Inseln hat (für die westliche Welt) James Cook entdeckt. Angesichts der Anzahl begann er damit, die Inseln nach seinen Crewmitgliedern zu benennen. Für uns ist das Fahren der Passage sogar schöner als die Südsee – zumindest vom Schiff aus betrachtet. Denn wir fahren durch türkisfarbenes Wasser, sehen rechts und links Inseln mit Felsen, Bäumen und grasartiger Vegetation – ein unglaublich abwechslungsreiches Bild, und das direkt vom Schiff, direkt von Deck aus! Für solche Eindrücke muss man eigentlich im jeweiligen Hafen eine Lagunenfahrt oder ähnliches machen. Am Abend geht die Sonne auf der linken Seite der Inseln unter, so dass die Baumreihen auf der Spitze der Inseln von hinten angestrahlt werden. Somit erscheinen sie für unser Auge als schwarze Baum-Silhouetten.

Whitsunday-Passage

Sonnenuntergang in der Whitsunday-Passage

Morgen legen wir endlich wieder in Australien an, auf einer magnetischen Insel! Lest mehr im nächsten Artikel der Serie „Weltreise mit dem Kreuzfahrtschiff“. Direkt zum ersten Artikel unserer Weltreise mit MS Astor geht es hier.

Alle Videos von unserer Weltreise mit MS Astor findet ihr im ReiseWorld Youtube-Kanal.

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