Im Zyklon im Südpazifik

2. September 2011
Sturm Südsee

Die Astor rollt in den riesigen Wellen auf und ab. Tropensturm Vania lässt in ihrer Wut die See toben. Auch am Rande des Zyklons türmen sich 8 Meter hohe Wellenberge auf, die der Wind an der Steuerbordseite gegen das Schiff schleudert.

Um sechs Uhr morgens sind wir genug im Bett hin und her gerollt und haben wir genug vom „Schlafen“. Wir wagen einen Blick auf die Bugkamera. Wir sehen, dass das Schiff schrägt im Wasser liegt, vom Wind gepeitscht. Und wir spüren, dass wir immer wieder tief ins Wasser tauchen. Die Tür unseres Kleiderschranks springt auf, eine kleine Blume fliegt vom Tisch auf den Sessel. Ansonsten hat unsere Kabine die Nacht unbeschadet überstanden. Wasserflaschen, Computer und Bücher hatten wir vorsorglich auf dem Boden verstaut. Manche Mitreisende hatten weniger Glück: Bei ihnen haben sich Schranktüren und Schubladen verselbstständigt und die Kleidung auf den Boden befördert. „Bei uns sieht es aus wie auf einem Schlachtfeld“, sagt eine erfahrene Kreuzfahrerin.

Sturm Südsee

Das Schiff wiegt gewaltig hin und her, immer wieder stoßen Wellen spontan gegen den Stahl. Wir müssen vorsichtig sein, dass wir beim Gang zur Toilette nicht gegen eine Wand fliegen. Andere Passagiere bleiben gleich im Bett. „Sturm bedeutet für mich Bettruhe“, verkündet eine sportliche Rentnerin. Keine Schlechte Entscheidung. Ein erfahrener Seefahrer berichtet, dass auf Kreuzfahrtschiffen nach stärkeren Stürmen immer wieder zahlreiche Knochenbrüche zu beklagen wären. Wir ahnen warum, als eine weitere Welle unsere Kabine so schräg stellt, dass wir meinen einen Berg zu erklimmen um zur Tür zu gelangen.

Trotz des Zyklons steuert der Kapitän auf Neukaledonien zu, aber gemütlich mit halber Geschwindigkeit. Eigentlich hätten wir heute schon die Ile des Pins erreichen sollen, die 50 Kilometer neben der Hauptinsel Grande Terre liegt. Doch das Ziel wurde gestrichen. Die Wellen sind zu hoch und der Wind ist zu stark um zu tendern. Das Umsteigen vom großen Schiff ins kleine Boot wäre zu gefährlich. Eine Mitreisende konnte an dieser Insel schon viermal aufgrund des Wetters nicht anlegen. In dieser Jahreszeit fegen immer wieder Tropenstürme über die Südsee-Inseln hinweg.

Der Ersatzplan lautet heute schon in Nouméa, der Hauptstadt Neu-Kaledoniens, anzulegen. Doch bisher hält die örtliche Behörde den Hafen beharrlich geschlossen, da die Einfahrt zu gefährlich wäre. Der heutige Tag soll entscheiden, ob wir doch noch in Nouméa anlegen können oder wie geplant erst morgen oder vielleicht auch gar nicht…

Sturm Südsee

Nach und nach finden wir uns wieder mit der Situation ab. Die Außendecks sind zur Sicherheit gesperrt, und wir suchen uns einen Platz drinnen am Fenster. Der Schiffslektor hat in seiner Wetterkunde versprochen, dass der Zyklon fort zieht. Wir wollen ihm glauben. Also: Alle Zeichen auf Optimismus. Und tatsächlich, gut vier Stunden später hat sich die See plötzlich beruhigt! Das Schiff wackelt kaum noch und das Wasser wird heller. Und das Beste: Wir sehen Land! Die Behörde in Nouméa hat den Hafen geöffnet und wir können bald einfahren. Währenddessen erhaschen wir spektakuläre Blicke auf die Küste von Grande Terre, der größten Insel Neu-Kaledoniens. Die Spuren des Sturms sind deutlich sichtbar: Kahle braune stellen an den Bewachsenen Hängen zeugen von Erdrutschen. Das Wasser schimmert gelb-braun, weil diese Sedimente ins Meer gespült wurden und der Sturm das Wasser aufgewirbelt hat. Die See in der Lagune scheint dagegen in Türkisblau – ein toller Kontrast. Felshänge angereichert mit Mineralien glänzen weiß im Licht, denn an ihnen rinnt Wasser herunter, das die Sonne reflektiert.

Sturm Südsee

Kurz nach dem Anlegen gehen wir noch kurz von Bord – mal schauen, ob noch ein Supermarkt offen ist. Und es tut gut, mal wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Der Supermarkt ist leider „fermé“, geschlossen, wie wir erfahren. Also zurück zum Schiff, spät abends im Dunkeln müssen wir nicht unbedingt durch Nouméa spazieren. Als wenn wir es geahnt hätten sehen wir plötzlich auf der anderen Straßenseite einen Jugendlichen mit einem Maschinengewehr. Er hangelt sich wie beim Militär-Spielen entlang der Hauswand, mit dem Gewehr vorangestreckt. Wir gehen schnell weiter und informieren den Sicherheitsmann unten am Hafentor – der das aber nicht gerade außergewöhnlich findet.

Neukaledonien, ein Mini-Kontinent am Ende der Welt. Lest mehr im nächsten Artikel der Serie „Weltreise mit dem Kreuzfahrtschiff“. Direkt zum ersten Artikel unserer Weltreise mit MS Astor geht es hier.

Alle Videos von unserer Weltreise mit MS Astor findet ihr im ReiseWorld Youtube-Kanal.

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